Glos' Rücktrittsangebot Der Professor auf der Reservebank


CSU-Chef Horst Seehofer hat das Rücktrittsangebot von Wirtschaftsminister Michael Glos abgelehnt. Warum? Wohl auch deshalb, weil er derzeit kaum einen repräsentablen Nachfolger vorzeigen kann. Mit einer Ausnahme.
Von Hans Peter Schütz

Das Rücktrittsangebot von Glos stürzt den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer in eine schwierige Situation. Denn Glos, soeben an in seinem Wahlkreis wieder mit 100 Prozent Zustimmung als Kandidat für die nächste Bundestagswahl nominiert, besitzt unverändert viel Rückhalt an der Basis. Er ist Franke, gehört also zu einer Landsmannschaft, die sich von der neuen CSU-Führung sowieso benachteiligt fühlt, und ist Bezirksvorsitzender.

Nach jüngsten Meldungen hat Seehofer Glos' Rücktrittsangebot abgelehnt. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass er auf die Schnelle kaum einen repräsentablen Nachfolger aus dem Hut zaubern könnte. Mit einer Ausnahme: Professor Thomas Bauer, Vorsitzender des Vorstands der Bauer-Aktiengesellschaft und Schatzmeister der CSU. Bauer, Jahrgang 1955, ist ein hoch anerkannter Unternehmer in Bayern, ist seit 1997 Präsident des Bayerischen Bauindustrieverbandes, ist Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und sitzt im Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). CSU-Schatzmeister ist er seit 2003, gleichwohl kennt ihn außerhalb Bayerns kaum jemand.

Wollte sich Glos nicht vorführen lassen?

Weshalb CSU-Kenner ihn für einen möglichen Nachfolgekandidaten halten: Der Journalist Jürgen Fischer, der beim "Donau-Kurier" arbeitet und als der engste journalistische Intimus von Seehofer gilt, hatte erst dieser Tage in seinem Blatt den Namen Bauer im Zusammenhang mit dem Amt des Bundeswirtschaftsministers erwähnt. Und Bauer wird voraussichtlich im Wahlkreis Ingolstadt, der frei wird, für die CSU bei der Bundestagswahl kandidieren.

Möglicherweise, so CSU-Insiderkreis, hat sich Glos gedacht, sich nicht in den kommenden Monaten bis zur Bundestagswahl als ein Mann vorführen zu lassen, der reif für die Ablösung ist. Dies auch vor dem Hintergrund, dass sein Fahrer in Berlin angeblich einem Polizisten über den Fuß gefahren ist, weil der das Ministerauto nicht durch eine Straßensperre lassen wollte. Glos hat sich zwar dafür entschuldigt. Aber seine Umfragewerte dürften sich dadurch kaum verbessert haben.

Ramsauer und Fahrenschon

Seehofer könnte jetzt zwar eine Rochade machen und den Chef der CSU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, auf die Position von Glos berufen. Der ist studierter Betriebswirt und hätte fachlich betrachtet keine Probleme mit dem Amt. Aber seine primären Interessen gelten mehr der Außenpolitik. Außerdem ist auch er Oberbayer, was wiederum viele Fragen an Seehofer auslösen würde. Denn schon jetzt wird in der CSU darüber geklagt, dass alle Posten an Oberbayern vergeben würden. Zuletzt gab es schwere interne Kämpfe, weil Seehofer die Franz-Josef-Strauß-Tochter Marianne Hohlmeier auf Platz 1 der CSU-Liste zur Europawahl setzen wollte. Damit ist er gescheitert, vor allem am Widerstand der fränkischen Parteifreunde.

Insoweit ist es plausibel, dass Seehofer Glos bittet, doch noch bis zur Bundestagswahl im Amt zu bleiben. Ein alternativer Kandidat wäre auch der neue bayerischen Finanzminister Fahrenschon, der vor seinem Weggang nach München führender Wirtschaftsexperte der CSU im Bundestag gewesen ist. Aber ihn braucht Seehofer in der gegenwwärtigen schwierigen Wirtschafts- und Finanzsituation vor allem in Bayern.


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