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Fünf Fragen und Antworten zum Irland-Spiel: Alle Augen auf Schmelzer! Spielt Podolski?

Was erwartet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Dublin gegen die Iren? Wer steht in der Startelf? Und was ist mit Jogi Löws Problemspieler? Das müssen Sie vor dem Anpfiff wissen.

Von Klaus Bellstedt, Dublin

Zwei Siege aus zwei Spielen. Das ist die Bilanz der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation. Mehr geht nicht. Geht doch. Denn die Erfolge über die Färöer-Inseln und Österreich waren beide nicht überzeugend herausgespielt. Die Leichtigkeit war dem Team von Joachim Löw zuletzt abhandengekommen. Hinzu kamen immer wieder Nachlässigkeiten in der Defensive. Um am Abend (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) gegen die kampfstarken Iren zu bestehen, ist eine deutliche Leistungssteigerung nötig. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Spiel.

1. Welcher Spieler steht unter besonderer Beobachtung?

Marcel Schmelzer – spätestens nach den missbilligenden Worten des Bundestrainers am Tag vor der Partie in Dublin. "Er hat gegen Österreich kein gutes Spiel gemacht. Viele Alternativen gibt es jetzt aber auch nicht, also müssen wir mit Marcel Schmelzer die nächsten zwei, drei, vier, fünf Monate weiterarbeiten – und Alternativen schaffen", sagte Löw. Dass er seinem Problemspieler auf diese Art und Weise deutlich gemacht hat, nicht die Idealbesetzung auf der linken Seite zu sein, war ungewöhnlich. Und ungeschickt. Der Bundestrainer korrigierte seine Aussagen hinterher in einer Pressemitteilung und ruderte zurück, was die ganze Angelegenheit für Schmelzer nur noch unangenehmer macht. Joachim Löw hat seinen Abwehrspieler schon vor dem Anpfiff demontiert. Die Folgen sind noch nicht absehbar. In der Haut von Marcel Schmelzer möchte man nicht stecken.

2. Kehrt Lukas Podolski zurück in die erste Mannschaft?

Auf der Abschlusspressekonferenz sang Löw ein Loblied auf Podolski: „Er imponiert mir. Ich konnte in 103 Länderspielen fast immer auf ihn zählen. Lukas ist ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft. Ich halte große Stücke auf ihn – in jeder Beziehung.“ Immer wenn der Trainer so über einen seiner Spieler spricht, kann man eigentlich davon ausgehen, dass derjenige zunächst mal auf der Bank Platz nehmen darf. Bei Podolski war das in den letzten beiden Partien der Fall. Die Pause war die Quittung für seine schwachen Leistungen bei der EM. Mittlerweile hat sich der Wind aber gedreht. Podolski hat sich innerhalb weniger Wochen bei seinem neuen Arbeitgeber Arsenal London in die Herzen der Fans gespielt. Er befindet sich in bestechender Form. Trotzdem wird ihn Löw aller Voraussicht nach am Freitagabend erst draußen lassen – weil er genug Alternativen hat, die im Moment nicht minder gut drauf sind: Marco Reus und Thomas Müller. Die beiden werden wohl auf den Flügeln beginnen und dabei immer wieder die Seiten wechseln.

3. Und Mario Götze?

Sitzt neben Podolski! Der Dortmunder wird wie schon gegen Österreich zum Opfer des eher defensiveren Spielsystems, das Löw seiner Mannschaft auch gegen die lauf- und kampfstarken Iren verpassen wird. Gegen die Färöer spielte die DFB-Auswahl so offensiv wie nie zuvor. Reus, Götze, Özil, Müller wirbelten in der Offensive auf einer Linie. Als einzige Absicherung im defensiven Mittelfeld agierte Sami Khedira auf der Sechser-Position. Irland ist ein anderes Kaliber, gerade wenn die "Boys in Green“ vor eigenem Publikum spielen. Bastian Schweinsteiger kehrt an die Seite von Khedira zurück, um dem letzten Drittel des deutschen Spiels mehr Stabilität zu verleihen. Aber Götzes Zeit wird kommen. Vielleicht schon in der zweiten Hälfte, falls es gegen Irland nicht wie gewünscht laufen sollte.

4. Wie stark sind die Iren?

Eigentlich müsste die Frage lauten: Wie schwach sind die Iren? Nach dem jüngsten Ausfall von Robbie Keane, dem einzigen Star der Mannschaft, ist die Verletztenliste so lang, dass nur Insider mit den Namen der meisten Spieler etwas anfangen können. Spricht man in diesen Tagen mit den Dublinern, so glaubt keiner an ein Wunder gegen die Deutschen. Auch Trainer Trapattoni stapelt angesichts des Personalmangels lieber schon die ganze Woche tief. "Ich bin kein Arzt, sondern nur ein Trainer“, klagte er in seinem radebrechenden Englisch, im Team "Trappish“ genannt. Der Italiener betreibt gerade einen Umbruch in der irischen Nationalmannschaft. Dabei wäre so mancher Ire vermutlich froh, wenn "Trap“ selber seinen Hut nehmen würde. Er ist zwar beliebt wegen seiner comicreifen Pressekonferenzen, aber umstritten wegen seiner Personal- und Taktikentscheidungen. Und weil er höchst selten auf der Insel überhaupt mal auftaucht geschweige denn bei Ligaspielen zuguckt. "Keine andere Nation würde Traps Quatsch dulden“, schrieb der "Herald“ diese Woche. Trotzdem darf man den Taktikfuchs nie unterschätzen. Genauso wenig wie die unvergleichliche Willensstärke der Iren auf dem Fußballplatz. Trotzdem: Läuft alles normal und lässt sich die DFB-Auswahl in Dublin nicht von der Atmosphäre einschüchtern (siehe nächste Frage), dürften Klose und Co. mit drei Punkten im Gepäck zurück aufs Festland fliegen.

5. Welche Rolle spielt die Stimmung im Aviva-Stadion?

Schon in Wien gegen Österreich war die deutsche Mannschaft beeindruckt von der aufgeheizten Atmosphäre. In Dublin ist das nochmal eine ganz andere Geschichte. Die Löw-Elf erwartet die "grüne Hölle“. Die wunderbaren, krisenerprobten Anhänger der Iren werden die mit 40.000 Zuschauern ausverkaufte Arena in ein Tollhaus verwandeln. Ganz so, wie sie auch die sportlich jämmerlich verlaufene EM zu einer einzigen Party gemacht haben. Unvergesslich bleibt das Spiel gegen Spanien. Dort sorgten die irischen Fans für einen der emotionalsten Momente des Turniers, als sie - obwohl ihr Team schon 0:4 zurücklag - minutenlang das Lied "The Fields of Athenry" sangen. "Ich erwarte eine enthusiastische Atmosphäre“, sagt Joachim Löw. Besonders für die jungen Spieler in der deutschen Mannschaft wird das eine neue Erfahrung. In solchen Spielen sind die Alphatiere im Team gefordert. Sie müssen vorangehen, führen und Zweikampfhärte demonstrieren. Sonst kann man auf der Insel auch gegen einen an sich schwächeren Gegner mit einem tollen Publikum im Rücken schon mal untergehen.

Klaus Bellstedt

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