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Fußball: Klinsmann lässt Köhler abblitzen

Er bleibt seiner Linie treu: Dass Jürgen Klinsmann dem Bundespräsidenten Horst Köhler für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes einen Korb gibt, hatte keiner erwartet. Er überlässt die Bühne seinem Nachfolger Jogi Löw.

Jürgen Klinsmann wird zwei Tage vor dem ersten Länderspiel nach der Fußball-Weltmeisterschaft nicht am Empfang der deutschen Nationalmannschaft durch Bundespräsident Horst Köhler teilnehmen, sondern die große Bühne ganz seinem Nachfolger Joachim Löw überlassen. Der ehemalige Bundestrainer kündigte in einem Interview an, dass er nicht zum Festakt am 14. August im Berliner Schloss Bellevue aus den USA anreisen werde. Bayern-Manager Uli Hoeneß hat unterdessen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die "kluge" Entscheidung gelobt, den bisherigen Co-Trainer Löw zum neuen Chefcoach der Nationalelf zu befördern. "Löw wird fortführen, was Jürgen Klinsmann aufgebaut hat", sagte Hoeneß.

Für seinen Entschluss, das Bundesverdienstkreuz nicht persönlich aus der Hand des Bundespräsidenten in Empfang nehmen zu wollen, führte Klinsmann in der "Bild"-Zeitung gleich zwei Gründe an. "Ich brauche noch etwas Abstand. Und dieser Termin liegt zwei Tage vor dem ersten Länderspiel nach der WM - da sollen andere im Mittelpunkt stehen", sagte der 41-Jährige, der sich vor einer Woche entschieden hatte, seinen auslaufenden Vertrag als Bundestrainer nicht zu verlängern. Diese Entscheidung bereue er nicht.

Löw rückt ins Rampenlicht

Klinsmann überlässt das Rampenlicht bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes an das WM-Team um Kapitän Michael Ballack damit seinem bisherigen Assistenten Löw. Der neue Bundestrainer versammelt die Nationalelf am Vorabend des Empfangs im Schloss Bellevue in der deutschen Hauptstadt. Zwei Tage nach der Ehrung trägt der 46-Jährige am 16. August in Gelsenkirchen beim Freundschaftsspiel gegen Schweden erstmals die Verantwortung als Nationaltrainer. Nur zwei Wochen später startet Löw mit einem Heimspiel in Stuttgart gegen Irland (2. September) in die Qualifikationsspiele zur EM 2008.

Hoeneß bezeichnete am Rande der Verleihung des Bayerischen Sportpreises in München die Beförderung Löws als "gute und logische Konsequenz". Der Bayern-Manager und bisherige Sprecher des Arbeitskreises Nationalmannschaft der Fußball-Bundesliga zeigte zugleich Verständnis für die Rücktritts-Entscheidung von Klinsmann. "Er hat seinen Vertrag erfüllt. Und man sollte respektieren, dass er seinen Vertrag nicht verlängert. Bei der WM hat er unserem Land eine große Freude gemacht."

Hoeneß wird ein Freund der Nationalmannschaft

Dem neuen Bundestrainer wünscht Hoeneß, "dass er an den Erfolg von Klinsmann anschließen kann. Er weiß, wie Jürgen gearbeitet hat." Die Euphorie um die Nationalelf werde allerdings deutlich nachlassen, fürchtet der Bayern-Manager. "Beim ersten Freundschaftsspiel wird die Euphorie schon noch da sein. Aber dann steht die EM-Qualifikation an und man kann nicht zu jedem Auswärtsspiel 70 000 Fans mitnehmen."

Als Manager des FC Bayern sei er stolz, dass in Lukas Podolski, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger drei junge Nationalspieler, die sich bei der WM positiv in Szene setzen konnten, in seinem Verein spielen. "Wir hoffen, wir können Löw den Gefallen tun, dass noch der eine oder andere dazukommt", sagte Hoeneß. Trainer Felix Magath habe versprochen, verstärkt junge Talente bei den Bayern einzubauen. "Wir haben ein paar ganz gute junge Spieler", bemerkte Hoeneß.

Klinsmann hofft, dass die Nationalspieler "den Schwung der WM" in die EM-Qualifikation mitnehmen können. In der ersten Woche nach seinem Abtritt als Bundestrainer habe er die meiste Zeit in Italien verbracht. Zum Interesse des US-Verbandes, ihn als Nationaltrainer verpflichten zu wollen, wiederholte Klinsmann, dass er im nächsten halben Jahr "sicher kein Amt annehmen" werde. Er wolle zunächst eine schöpferische Pause von "mindestens" sechs Monaten einlegen.

Klaus Bergmann und Kathrin Zeilmann/DPA / DPA

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