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FUSSBALL: Völler in Personal-Not

Vor dem Duell gegen die Niederlande nimmt die Personallage bei Vizeweltmeister Deutschland alarmierende Züge an. Mit Christian Ziege und Dietmar Hamann meldeten sich jetzt zwei weitere Defensivkräfte ab.

Vor dem Prestige-Duell gegen den Erzrivalen Niederlande nimmt die Personallage bei Vizeweltmeister Deutschland alarmierende Züge an. Zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten Partie am Mittwoch (20.00 Uhr/ZDF) in der ausverkauften Arena »AufSchalke« meldeten sich mit Christian Ziege und Dietmar Hamann zwei weitere Defensivkräfte ab, nachdem schon Christoph Metzelder, Christian Wörns und der Langzeitverletzte Jens Nowotny für den 35. Vergleich gegen die »Oranjes« (bisher 13 Siege und 9 Niederlagen) nicht zur Verfügung stehen. »Man kann sich den Termin nicht immer aussuchen«, kommentierte Rudi Völler die lange Ausfall-Liste, wollte sich aber nicht länger damit aufhalten: »Da müssen die ran, die darauf warten, dass sie eine Chance bekommen.«

Nur 13 Feldspieler beim Training

Zum ersten Training nach dem Treff in Castrop-Rauxel fanden sich am Montag ganze 13 Feldspieler im Stadion an der Bahnhofstraße ein. Doch auch davon absolvierten sechs nur ein eingeschränktes Programm, Michael Ballack (Probleme im Sprunggelenk) joggte nur leicht. Der Liverpooler Hamann, der an einer Knöchelverletzung laboriert, erhielt nach einer Untersuchung bei DFB-Trainer Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt absolutes Trainingsverbot. Der bei Tottenham Hotspur unter Vertrag stehende Ziege, der nach einem vor sechs Wochen erlittenen Muskelfaserriss in der Wade noch kein Ligaspiel bestritt, reiste erst gar nicht ins Trainingsquartier nach Castrop-Rauxel an. Stattdessen soll er im Reserve-Team des englischen Vereins Spielpraxis sammeln.

Beckenbauer macht Mut

Zudem fehlten aus dem nur noch 18 Spieler umfassenden Aufgebot Montag noch drei weitere Akteure. Der Lauterer Miroslav Klose pausierte wegen einer Fußverletzung, der Leverkusener Carsten Ramelow klagte über Magen-Darm-Beschwerden. Der Schalker Jörg Böhme war aus privaten Gründen vom Training freigestellt worden. Mut sprach dem deutschen Team trotz der angespannten Personallage Franz Beckenbauer zu: »Das sind ja die einfachen Spiele, das wird Rudi Völler merken. Da läuft der Motor von allein«, erklärte der »Kaiser« den besonderen Effekt eines hochkarätigen Gegners: »Manche Spiele in der EM- Qualifikation waren eher Bewegungs-Therapie.«

Das Spiel gegen die nach der verpassten WM auf Wiedergutmachung drängenden Niederländer wird eher zur Stürmer-Pflege. Carsten Jancker hatte zwar nach 18 Monaten Ladehemmung am Wochenende für Udinese Calcio sein erstes Ligator erzielt. Doch selbst Völler musste beim Blick auf seine Angreifer einräumen, »dass der eine oder andere im Moment in einem Loch steckt«.

Doch noch immer setzt »Rudi Nazinale« auf seine WM-Helden um Miroslav Klose: »Miro will im Moment zu viel. Er weiß, dass er als Topstar der WM nicht mehr der Sunnyboy ist. Er will alles machen. Und dann passieren solche Dinge«, meinte Völler zu Kloses Verfassung und zum Eigentor beim 3:5 in Bremen.

»Da wird er wieder rauskommen, weil er ein Kämpfer ist«, stellte der Teamchef aber auch in diesem Fall Optimismus zur Schau. Gerade ein Länderspiel gegen so ein »absolutes Weltklasseteam« wie Holland sei auch »eine gute Möglichkeit, sich aus dieser Geschichte wieder raus zu ziehen«, ergänzte der 42-Jährige, der wie kein zweiter Deutscher mit den Duellen gegen die Niederländer in Zusammenhang gebracht wird. Bei der WM 1990 musste Völler nach einer Spuck-Attacke von Frank Rijkaard zusammen mit seinem Gegenspieler vom Platz. »Das wird mich noch bis ins Grab verfolgen«, sagte der Teamchef zwölf Jahre später. »Deutschland gegen Holland, das ist nicht nur ein Länderspiel«, sagte auch Bondscoach Dick Advocaat.

»Das sind unsere Jungs da unten«

Völler weiß natürlich um die Gefahr, nach den schwachen Auftritten in Bosnien-Herzegowina (1:1) und gegen die Färöer (2:1) den noch immer großen WM-Kredit gegen die wieder erstarkten »Oranjes« weiter zu verspielen. »Wir wollen das gute Jahr mit einer tollen Leistung beenden«, forderte er von seinen Auserwählten noch einmal eine ähnlich engagierte Leistung wie in den Weltmeisterschafts-Tagen von Asien. »Die Fans müssen immer das Gefühl haben, das sind unsere Jungs da unten.« Youngster Arne Friedrich, nach der WM zu einem Hoffnungsträger aufgestiegen, geht als Vertreter der neuen Generation selbstbewusst in das Nachbarschafts-Duell: »Ich habe keine Problem damit, rechts, im Zentrum oder links zu spielen«, sagte der Berliner zu seiner Verteidiger-Rolle.

Neben Friedrich sollen Hertha-Kollege Marko Rehmer und der Ex- Berliner Carsten Ramelow den neuen Abwehrverbund bilden. Im Mittelfeld dürften neben Chef Michael Ballack Bayern-Kollege Jens Jeremies, der notfalls auch auf die zentrale Defensiv-Position rücken könnte, Torsten Frings, Bernd Schneider und Jörg Böhme auflaufen. Als Alternative steht der formstarke Paul Freier zur Wahl. Und im Angriff genießen wohl Jancker und Klose das Vertrauen.

Die voraussichtliche Aufstellung: Kahn - Rehmer, Ramelow (Jeremies), Friedrich - Frings, Schneider, Jeremies, Ballack, Böhme (Freier) - Klose, Jancker

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