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Bayern-Trainer im Interview Steht dem FC Bayern jetzt eine goldene Ära bevor, Herr Flick?

Bayern-Trainer Hansi Flick
In gut zehn Monaten an die Spitze: Hansi Flick hat den FC Bayern in seiner ersten Saison als Cheftrainer zum Triple geführt
© Frank Hoermann/ Sven Simon / Picture Alliance
Hansi Flick hat die Bayern zum Triple geführt – in nicht einmal zehn Monaten als Cheftrainer. Nach dem Champions-League-Triumph spricht der Baumeister über die Gründe des Münchner Erfolges – und die Zukunft des Teams.

Sie haben in ihrem ersten Jahr als Cheftrainer das Triple gewonnen und noch einen Dreijahresvertrag. Welche Ziele können Sie sich jetzt noch setzen?

Hansi Flick: (lacht) Ich denke, es ist mehr als verdient, was die Mannschaft in den letzten zehn Monaten geleistet hat. Gerade in der Champions-League-Periode – einfach sensationell. Wir, das Trainerteam, sind so was von stolz. Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, wie wir agieren auf dem Platz als Team, dem Gegner möglichst das Leben schwermachen und immer wieder gute Angriffe fahren. Das war einfach toll. Jetzt genieße ich einfach diesen Sieg im Finale. Wir gehen als Champions-League-Sieger nach Hause. Mit dem Henkelpott, wie man so schön sagt. Alles, was in der Zukunft kommt, ist jetzt erstmal hinten angestellt, weil es uns jetzt auch gut tut, wenn wir 14 Tage mal durchschnaufen können. Da habe ich dann genügend Zeit, mir Gedanken zu machen, wie es dann weitergeht.

Sie hatten sich entschieden, Kingsley Coman in diesem Finale zu bringen, die einzige personelle Änderung. Und dann macht ausgerechnet er das Tor. Wie stolz sind Sie auf Kingsley und wie zufrieden sind Sie mit seiner Hereinnahme?

Letztendlich ist für mich einfach immer wichtig, dass die Mannschaftsleistung stimmt - und die hat gestimmt. Wer am Ende das Tor macht und warum, ist eine andere Sache. Es ist natürlich toll, und wir freuen uns alle, dass er das Tor gemacht hat. So ist Fußball, der schreibt manchmal seine eigenen Geschichten. Wir waren überzeugt davon, dass Kingsley uns helfen kann und andere Aspekte reinbringt. 

Können Sie ein, zwei Spieler herausnehme, die in dieser Saison eine ganz besondere Entwicklung genommen haben?

Nein. Ich muss alle loben. Am Ende hat sich jeder einzelne Spieler dermaßen entwickelt, nur deswegen ist es so zustandegekommen, dass wir dieses Jahr drei Titel einfahren konnten. Das geht immer nur über die Mannschaft.

War Robert Lewandowski ihrer Meinung nach der beste Spieler in dieser Champions-League-Saison?

Ich habe es ja eben schon beantwortet: Ich bin keiner, der einzelne Spieler heraushebt. Er ist aber Torschützenkönig geworden, er ist für uns ein wahnsinnig wichtiger Spieler wie so viele andere auch. Für uns ist er wichtig, das ist das Entscheidende. Wir hoffen natürlich, dass er ganz vorn dabei ist, wenn der beste Spieler gewählt wird. Die Qualitäten hat er, das hat er gezeigt. 

"Erfolg ist nur gemietet – und die Miete ist jeden Tag fällig"

Was kann diese Mannschaft, die eigentlich noch in einer Entwicklungsphase ist, in der Zukunft leisten? Kann sie eine neue goldene Ära einleiten?

Es ist nicht so, dass man von heute auf morgen einfach drei Titel holt. Es war harte Arbeit. Ich möchte das gerne auch hier noch erwähnen: Im vergangenen November war zu lesen, dass man keine Angst mehr hat vor der Mannschaft, keinen Respekt. Und wie schlecht die Mannschaft eigentlich ist. Ich finde, die Entwicklung, die sie genommen hat, ist einfach sensationell. Die Qualität in jedem Training hat wahnsinnig zugenommen, das hat auch die Qualität im Spiel mit sich gezogen. Wir haben wirklich hart gearbeitet, dass wir so erfolgreich waren. Es gibt einen schönen Spruch: Erfolg ist nur gemietet - und die Miete ist jeden Tag fällig. Und genau das ist eine Sache, die die Mannschaft in ihrer Einstellung jeden Tag zeigt. 

Sie hatten nach der Siegerehrung auf dem Platz eine lange Umarmung mit Thiago und haben sich wohl auch intensiv mit ihm ausgetauscht. War es womöglich sein letztes Spiel für den FC Bayern?

Nee, er hat gesagt, dass er bleibt (lacht laut). Ich habe ihm einfach gedankt für die Zeit, wie jedem anderen Spieler auch. Ich weiß es nicht, er weiß es selbst noch nicht, weil wir uns alle auf dieses Champions-League-Finale zu hundert Prozent konzentriert haben. Ich denke, wir müssen abwarten, was sich die nächsten Tage ergibt. 

Sie haben auch Neymar umarmt. Können Sie ein bisschen beschreiben, wie wichtig es Ihnen auch ist, in solchen großen Momenten jemandem Trost zu spenden, der seine Karriere hier krönen wollte?

Es war einfach ein sehr intensives Spiel. Beide Mannschaften hatten Chancen. Wir haben Manuel, den weltbesten Torhüter. Er hat uns im Spiel gehalten in ein paar Situationen. Paris hat eine exzellente Mannschaft. Und Neymar ist einfach ein Fußballer, der Spaß macht, der das Eins-gegen-Eins liebt, der normalerweise wirklich auch schwer zu bespielen ist. Wir haben es ganz gut hinbekommen. Es ist auch eine Sache des Respekts dem Gegner gegenüber. Für mich ist das wichtig, deswegen bin ich auch zu ihm gegangen. 

Ist das Finalturnier ein Modell, an das Sie sich gewöhnen könnten?

Das müssen andere entscheiden. Ich kann nur sagen, und da muss ich dem Verein ein Riesenkompliment machen: Er hat alles dafür getan, dass wir Top-Bedingungen hatten. Wir mussten an der Algarve nur aus dem Bett fallen und waren auf dem Trainingsplatz. Das hat uns sehr geholfen, dass wir dort eine gute Basis hatten. Und auch das Hotel, dass wir in Lissabon hatten, war so eine Wohlfühloase für jeden einzelnen Spieler.

mod / Jens Marx DPA

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