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Hinspiel der Bundesliga-Relegation: HSV und KSC - alte Rivalen kämpfen auf Augenhöhe

Die Spannung steigt. Im Hinspiel der Relegation kämpfen HSV und KSC am Abend um den letzten freien Platz in der Bundesliga. Was ist von dem Duell zu erwarten? Laut Statistik ein Duell auf Augenhöhe.

Von Dieter Hoß

Torjäger unter sich: Rouwen Hennings (l.) und Pierre-Michel Lasogga treffen in der Relegation aufeinander

Torjäger unter sich: Rouwen Hennings (l.) und Pierre-Michel Lasogga treffen in der Relegation aufeinander

Christoph Metzelder, der frühere Nationalverteidiger in Diensten von Borussia Dortmund, Schalke 04 und Real Madrid, hat die Relegation einmal "ein Konjunkturprogramm für Erstligisten" genannt. Tatsächlich haben sich in den bisherigen Duellen zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der 2. Liga elf Mal die Erstligisten durchgesetzt, nur in fünf Fällen behielt der Zweitliga-Club die Oberhand. Alles klar also für den HSV? Nicht unbedingt. Vor allem die Statistik verspricht Spannung.

Denn die Bilanz zwischen dem Bundesliga-Dino und dem aufstrebenden Zweitligisten ist wettbewerbsübergreifend ausgeglichen. In 55 Partien seit 1956 waren beide Vereine jeweils 18 Mal siegreich, 19 Vergleiche endeten remis. Auswärtssiege gelangen sowohl dem HSV als auch dem KSC sehr selten. Immerhin: Die Hamburger haben hier die Nase um ein Spiel vorn (4 zu 3). Dafür entschied das bisher letzte Aufeinandertreffen der Karlsruher SC für sich: 4:2 am 19. August 2012 in der ersten DFB-Pokalrunde.

Ein Traditionsduell

Auf jeden Fall ist die Relegation in diesem Jahr ein Duell mit großer Tradition. Sowohl die Hanseaten als auch die Badener sind Gründungsmitglieder der Bundesliga. Während der HSV bekanntlich als einziger Club seither die Klasse gehalten und viele, auch internationale Erfolge gefeiert hat, haben die Karlsruher eine weit wechselhaftere Geschichte hinter sich - von Triumphen im Europapokal bis hin zu Abstürzen in die dritte Liga. Doch immerhin: Der KSC ist immer noch die Nummer 17 der ewigen Bundesligatabelle und strebt nun seine 25. Saison im Oberhaus des deutschen Fußballs an. Das sind weit mehr Bundesligajahre als so etablierte Vereine wie der VfL Wolfsburg, Mainz 05 oder 1899 Hoffenheim aufweisen können.

Das ist respektabel, aber eigentlich nichts, was den Dritten der ewigen Bundesligatabelle, den fünffachen Deutschen Meister, dreifachen Pokalsieger und zweifachen Europacup-Gewinner HSV schocken sollte. Der Verein, das Stadion, die Stadt - alles ist so viel größer als in Karlsruhe, da sollten die Relegationsspiele doch eine klare Sache für die Hamburger sein. Wäre da nicht die aktuelle Entwicklung. Seit Jahren bekommt der HSV seine Probleme nicht in den Griff, ist in der Tabelle immer weiter abgerutscht, steht zum zweiten Mal in Folge in der Relegation. Der KSC spielt dagegen seit Jahren erfolgreich. Vor zwei Jahren schaffte der Verein den Aufstieg in die 2. Liga, erreichte auf Anhieb Platz 5 und hat nun die Chance, in die Bundesliga zurückzukehren. Die Wege kreuzen sich. "Wir wollen die Uhr abstellen", tönt es dementsprechend selbstbewusst aus dem Badnerland.

Hoffnungsträger Labbadia und Hennings

Verhindern will das jemand, der durchaus eine Karlsruher Vergangenheit hat. HSV-Trainer Bruno Labbadia, der dem Bundesliga-Dino die Chance der Relegation erst verschafft hat, trug von 2001 bis 2003 60 Mal das KSC-Trikot. In dieser Zeit schoss er 18 Tore für den Club, der Top-Spieler wie Oliver Kahn oder Mehmet Scholl hervorgebracht hat. Auch ein HSV-Star der jüngeren Vergangenheit, der noch in der letzten Saison half, den Abstieg zu verhindern, ist in der badischen Residenzstadt fußballerisch groß rausgekommen: Hakan Çalhanoğlu, der inzwischen nach Leverkusen weitergezogen ist.

Auf der anderen Seite ruhen viele Hoffnungen auf einem Spieler, der beim Hamburger SV seinen Weg in den Profifußball begann: Rouwen Hennings. Der Norddeutsche hat beim KSC seine vielleicht beste Saison gespielt. Mit 17 Toren ist er der Torschützenkönig der 2. Liga. Natürlich vertrauen die Karlsruher auch in der Relegation auf die Treffsicherheit der 27-Jährigen.

Kickt ein früherer Hamburger den HSV aus der Liga? Oder verhindert ein Ex-Karlsruher den Aufstieg des KSC? Triumphiert der selbstbewusste Underdog aus der 2. Liga oder setzt sich die größere Erfahrung und Klasse des ewigen Erstligisten durch? Fest steht bislang nur: Die alten Rivalen kämpfen auf Augenhöhe.

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