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Zeitungsinterview: Klopps bemerkenswertes "Guardian"-Gespräch - er bezieht klare Positionen zur Politik

Vor dem Champions-League-Halbfinale gegen AS Rom hat sich Liverpools Trainer Jürgen Klopp im "Guardian" als politischer Mensch geoutet. Vom Brexit hält er gar nichts. Auch zu Angela Merkel hat er eine klare Meinung.

Er wäre nicht die erste "fachfremde" Persönlichkeit, die in der Politik erfolgreich ist. Doch Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, hat in dieser Richtung offenbar keine Ambitionen. In einem Gespräch mit der britischen Zeitung "The Guardian" auf deutsche Stimmen angesprochen, die ihm eine Polit-Karriere, vielleicht sogar das Amt des Bundeskanzlers zutrauen, sagte Klopp: "Angela Merkel hat im Jahr zwei Wochen frei. Das ist weniger Urlaub als ich habe, was bedeutet, dass das absolut nicht mein Ziel ist." Vielmehr bewundere er die Kanzlerin: "Sie macht einen unglaublichen Job."

Dennoch machte Klopp im "Guardian" deutlich, dass er ein politisch denkender Mensch ist. Vor allem der Brexit ist dem früheren BVB-Coach ein Dorn im Auge: "Für mich macht der Brexit überhaupt keinen Sinn." Die EU sei alles andere als perfekt, aber sie sei die beste Idee, die "wir" gehabt hätten. "Die Geschichte zeigt uns, dass wir Probleme lösen können, wenn wir zusammenhalten", betonte Klopp. "Sind wir gespalten, beginnen wir uns zu bekämpfen. Es gab nicht einen Moment in der Geschichte, in dem Spaltung zum Erfolg geführt hat."

Jürgen Klopp für zweites Brexit-Votum

Aus dieser Argumentation heraus regte Klopp gegenüber dem Blatt ein zweites Brexit-Votum an. Man haben den Briten die Chance gegeben, eine so große Entscheidung zu treffen. Das Ergebnis von 51 zu 49 Prozent sei in einer so wichtigen Sache zu knapp. "Man denkt sich: Wow, 49 Prozent der Leute sind nicht zufrieden mit einer Entscheidung, die das Land verändern wird." Was die anderen 51 Prozent betrifft, sei er sicher, dass viele schon kurz nach der Abstimmung gedacht hätten: "Was habe ich getan?"

Vor allem den Führern der "Leave Campaign" macht der 50-Jährige Vorhaltungen. Dass sich beide danach zurückgezogen hätten, sei ein klares Zeichen, dass sie selber über das Ergebnis erstaunt waren. "Ok, das kann passieren", so Klopp, doch nun müsse man sich nochmal zusammensetzen und eine weiteres Mal abstimmen lassen, mit einem anderen Informationsstand als während der Brexit-Kampagne. Denn diese Informationen seien offensichtlich größtenteils falsch gewesen. Er wundere sich, dass Menschen, mit denen er spreche, sagten, dass sie eigentlich in Europa bleiben wollten, aber darüber wollten sie nicht sprechen, weil sie den Brexit persönlich bisher nicht spürten. "Ich spüre ihn ständig", sagte der Deutsche dem "Guardian". "Seit ich hierher gekommen bin, ist das Pfund gefallen. Und die Leute fahren in die Ferien und sagen hinterher: 'Spanien ist sehr teuer'!"

Stolz darauf, ein "britisches Team" zu sein

Vor dem Champions-League-Halbfinale an diesem Dienstag gegen den AS Rom äußerte sich der Erfolgscoach aber auch zu seinem aktuellen Club FC Liverpool. Er sei stolz darauf, dass das Team von der Anfield Road einen starken Kern aus britischen Spielern habe - anders als viele andere Clubs in der Premier League. "Die englischen Jungs führen die Gruppe", beschreibt Klopp die Hierarchie bei den "Reds". "Tottenham und wir bilden zu großen Teilen das englische Nationalteam", sagte der deutsche Trainer, "und das gefällt mir."

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dho

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