Klinsmann "Erscheinen war nicht notwendig"


Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich gegen Beckenbauers Kritik verteidigt, dass er nicht an einem FIFA-Workshop teilnahm. Der DFB denkt aufgrund der aktuellen Schwierigkeiten bereits über einen WM-Notplan nach.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich gegen die Kritik von WM-Organisationschef Franz Beckenbauer verteidigt, er hätte an dem FIFA-Workshop teilnehmen müssen. "Sachlich war mein Erscheinen nicht unbedingt notwendig - da haben wir Joachim Löw, und ich finde die aktuellen Diskussionen auch eine Missachtung ihm gegenüber. Er hat alle sportlichen Dinge unter Kontrolle, die besprochen wurden", sagte Klinsmann der "Bild-Zeitung".

Klinsmann bleibt also weiter am Pazifikstrand von Kalifornien weilt, um das Italien-Debakel aufzuarbeiten. Derweil nimmt die die Kritik an ihm in der Heimat immer weiter zu. Der DFB denkt mittlerweile sogar über einen Notplan für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach.

Team-Manager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Theo Zwanziger schließen nicht mehr aus, dass der Fahrplan bis zur Weltmeisterschaft kurzfristig verändert wird. Die DFB-Auswahl könnte zu weiteren Testpartien antreten, um dem Team nach dem 1:4-Debakel in Italien mehr Spielpraxis zu ermöglichen.

"Es gibt Experten, die so etwas wollen. Auch wir haben darüber diskutiert. Wir denken darüber nach, noch gegen kleinere Mannschaften zu spielen", sagte Team-Manager Oliver Bierhoff in Düsseldorf. Dort vertritt er Klinsmann gemeinsam mit Trainer-Assistent Joachim Löw beim WM-Workshop. Details wie Termine oder Gegner verriet er aber nicht. Auch von der Verbandsspitze kam bereits grünes Licht. "Wenn die sportliche Leitung zusätzliche Spiele vor der WM wünscht, steht der DFB dem sehr aufgeschlossen gegenüber", sagte Zwanziger dem Fußball-Fachblatt "Kicker".

Sind Sondertermine überhaupt möglich?

Bislang stehen in dem von Klinsmann erarbeiteten Zeitplan vor dem Eröffnungsspiel am 9. Juni gegen Costa Rica nur noch drei Testspiele an. Vor der Nominierung des WM-Kaders am 14. Mai ist die USA am 22. März gegen Dortmund der letzte Gegner, danach kommt es in der Woche vor WM-Beginn noch zu den Partien gegen Japan (30. Mai/Leverkusen) und Kolumbien (2. Juni/Mönchengladbach). Das Spiel gegen die Amateure vom FSV Luckenwalde am 16. Mai vor der Abreise in die Trainingslager auf Sardinien und der Schweiz hat keinen sportlichen Wert.

Weitere Partien würden allerdings wohl nur vor Bekanntgabe des WM- Kaders Sinn machen, damit Klinsmann die WM-Tauglichkeit testen kann. Sondertermine stünden nur zur Verfügung, wenn Bayern München und Werder Bremen in dieser Woche aus der Champions League ausscheiden würden und auch die UEFA-Cup-Teilnehmer Schalke 04 und Hamburger SV sich bald von der europäischen Bühne verabschiedeten. Als prominenter Befürworter weiterer Tests zeigte sich Ex-Bundestrainer Berti Vogts, der im "Kicker" auch Partien gegen Vereinsmannschaften ins Spiel brachte, sollte sich kein Nationalteam als Gegner anbieten.

Erste Klarheit in der Torhüterfrage

Die Bundesliga-Clubs müssten aber ausgerechnet im Meisterschafts- Endspurt ihre besten Spieler zur Verfügung stellen, was den Plan unwahrscheinlich werden lässt. "Ich glaube nicht, dass wir das vor dem letzten Bundesliga-Spieltag am 13. Mai hinbekommen würden. Aber wir müssten darüber reden", sagte Liga-Chef Werner Hackmann. Er wolle sich mit Zwanziger über dieses Thema beraten.

In der Torhüterfrage sorgte Klinsmann für erste Klarheit. Erst nach dem Saisonende werde er entscheiden, ob Oliver Kahn oder Jens Lehmann bei der WM im Tor stehen wird. Der 41-Jährige widersprach damit Medien-Berichten, wonach er sich schon nach dem USA-Länderspiel festlegen werde. "Es bleibt vorerst alles dabei, wie es besprochen wurde. Kahn ist Nummer eins und Lehmann der Herausforderer", sagte Bierhoff.

Klinsmann hat "jetzt mehr in Deutschland zu sein"

Von Beckenbauer, der sich unmittelbar nach dem Italien-Spiel mit scharfen Worten noch zurückgehalten hatte, bekam Klinsmann die Leviten gelesen. "Es hat einfach keinen Sinn. Ich habe oft mit ihm gesprochen, dass er jetzt mehr in Deutschland zu sein hat. Es ist die Hauptzeit", sagte er. Das Fehlen Klinsmanns in Düsseldorf konnte der "Kaiser" nicht akzeptieren.

"Der Bundestrainer des Gastgeberlandes hätte da sein müssen. Das ist überhaupt keine Frage", schimpfte Beckenbauer bei der Eröffnung des Workshops und war sichtlich bemüht, seinen Zorn im Zaum zu halten: "Wenn ich weiter darüber nachdenken würde, würde meine Wortwahl noch drastischer."

Bierhoff versuchte umgehend die Wogen zu glätten: "Ich kann eine gewisse Verärgerung verstehen", sagte der Ex-Profi. Allerdings würde Klinsmann in den USA intensiv an der WM-Planung arbeiten. Man wisse, wie wichtig eine enge und gute Kooperation mit Beckenbauer sei. "Ich bin überzeugt, dass es bei der WM gut laufen wird."

Arne Richter und Andreas Schirmer/DPA DPA

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