Klose-Transfer Willkommen im Wunderland


Miroslav Klose wird schon ab nächster Saison für Bayern München stürmen. Der bislang teuerste innerdeutsche Wechsel beendet die bizarre Posse um den WM-Torschützenkönig - eine Erleichterung für Werder Bremen. In Bayern hingegen wird es langsam eng auf der Ersatzbank.
Von Nico Stankewitz

Nach langwierigen Verhandlungen ist der teuerste innerdeutsche Wechsel in der Geschichte der Bundesliga über die Bühne gegangen: WM-Torschützenkönig Miroslav Klose wechselt nach drei Jahren an der Weser zum FC Bayern München, wo er für vier Jahre unterschreiben wird.

Dem jetzt bekannt gegebenen Wechsel war ein einjähriges Gezerre um den Bundesliga-Torschützenkönig von 2006 vorausgegangen. Klose war von seinem überforderten Berater Alexander Schütt in halb Europa angeboten worden, bis man sich schließlich dem FC Bayern zuwandte. Die Münchner Macher hatten vor drei Jahren noch abgewinkt. Damals trauten sie dem schüchtern wirkenden Klose die große Münchner Fußball-Bühne nicht zu. Diesmal griffen sie zu.

Die Preisdifferenz zwischen den gebotenen zehn Millionen und den von Werder Bremen geforderten 15 Millionen schien für Bayern-Verhältnisse nie groß zu sein, eine Einigung war nur eine Frage der Zeit. Unterm Strich zahlt Bayern nach Informationen aus dem Werder-Umfeld nun 12 Millionen, mit leistungsbezogenen Nachschlägen können die Bremer auf knapp 15 Millionen kommen.

Ursprünglich wollte Klose zu "Topclubs ins Ausland

Als strahlender WM-Held hatte Klose noch vor Jahresfrist verkündet, "nur zu einem Topclub ins Ausland" wechseln zu wollen, zumindest in Deutschland wurden ihm die dafür notwendigen Qualitäten auch zugetraut. In dieser Saison folgte dann der Absturz auf Raten: Zunächst gelang dem Nationalstürmer erneut kein Treffer in der Champions League, was ihn bei den absoluten Spitzenclubs einiges an Ansehen einbüßen ließ. Auch in der Nationalelf (letzter Treffer im September) lief es nicht mehr, nur in der Bundesliga gelang eine gute Hinrunde.

Mit den zunehmenden Transferspekulationen brachen Kloses Leistungen im Frühjahr dann vollends ein, in der Bundesliga gelangen ihm nur noch drei Treffer, dazu kamen schmutzige Gerüchte über sein Privatleben (Klose damals zu stern.de: "Die schmierigste Sache meiner Karriere").

Negativer Höhepunkt war sicherlich die Woche Ende April, als Klose sich zunächst am Dienstag vor dem Halbfinale im Uefa-Cup mit Hoeneß und Hitzfeld in Hannover traf, dann mit Werder in Barcelona unterging und dabei eine indiskutable Leistung ablieferte und schließlich beim Rückspiel in Bremen nach einer plumpen Schwalbe schon früh den Platz verlassen musste. Jegliches Interesse von Clubs aus der Champions League an dem 29-Jährigen war spätestens zu diesem Zeitpunkt erloschen und auch in Bremen drehte sich die Stimmung gegen den zuvor vergötterten Publikumsliebling.

Podolski wird Edel-Reservist

Mit den beiden spektakulären Neuzugängen Luca Toni (vom AC Florenz) und Klose hat Bayern jetzt ein Sturmduo erworben, das extrem kopfballstark ist und den Anforderungen der neuen Taktik mit schnellen und dribbelstarken Außenbahnspielern entgegen kommt. Beide sind zudem nicht langsam und könnten auch steil geschickt werden.

Diese Spezialität von Roy Makaay wird man wohl in München nicht mehr bewundern dürfen - als Edelreservist ist der Holländer, der wohl zum PSV Eindhoven wechseln wird, sich zu schade. Diese Rolle wird für Lukas Podolski bleiben, der in seinem ersten Bayern-Jahr die Erwartungen nicht erfüllen konnte und sich deutlich steigern muss, zumal ihm auch noch Jan Schlaudraff und Roque Santa Cruz im Nacken sitzen.

Klose wird beweisen müssen, dass er mit dem riesigen Mediendruck in München zu recht kommt und hier schnell seine Form wieder findet. Mit Hitzfeld bekommt er einen Trainer, der - wie zuvor schon Schaaf, Klinsmann und Löw - bedingungslos hinter ihm steht, aber Klose wird mit neuem Konkurrenzdruck die enormen Anforderungen in München und in der Nationalelf befriedigen müssen. Der Vertrag bis 2011 ist dabei zwar beruhigend, aber die Aufgabe ist sicherlich die größte Herausforderung in Kloses bisheriger Karriere.

Eine große Erleichterung für Werder

Zunächst ist der Wechsel von Klose für Fans, Spieler und Clubführung in Bremen eine große Erleichterung. Einen verunsicherten und erfolglosen Klose hätte man in der kommenden Saison in der Champions League kaum brauchen können, so kassiert Werder ja die Rekordablöse von bis zu 15 Millionen Euro - der bisherige Rekordtransfer innerhalb der Bundesliga waren die 12 Millionen, die Bayern 2004 für Lucio an Leverkusen zahlte - nicht schlecht für einen 2008 ablösefreien Spieler.

Mit dem verbliebenen Sturmtrio Rosenberg, Hunt und Hugo Almeida eine komplette Saison in drei Wettbewerben zu bestreiten, ist wohl keine ernsthafte Option, zumal gerade Hunt sehr verletzungsanfällig ist. Werder ist jetzt am Zug, einen Top-Stürmer (im Gespräch ist unter anderem der Argentinier Lavezzi) zu holen, wie es vor vier Jahren beim Abschied von Ailton vorzüglich gelang - der Nachfolger des Torschützenkönigs beim damaligen Meister hieß Miroslav Klose.


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