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Krise bei den Bayern: Lahm legt Finger in die Bayern-Wunden

Die massive Kritik von Philipp Lahm an den Bayern-Bossen und der Eklat um Luca Toni haben zu ersten Konsequenzen geführt. Beide Spieler mussten zum Rapport antreten und wurden zu hohen Geldstrafen verdonnert.

Wieder kein Sieg, aber noch mehr Ärger - der FC Bayern München wird zum Tollhaus. Mit Vorstands-Kritiker Philipp Lahm und Stadion-Flüchtling Luca Toni machte der Fußball-Rekordmeister am Sonntag kurzen Prozess - beide wurden zu Geldstrafen verdonnert. Dass Magier Felix Magath seinem Ex-Club mit dem FC Schalke 04 auch wegen des mutigen Schachzugs mit dem 18 Jahre alten Bundesliga-Nobody Joel Matip beim 1:1 zwei Punkte "klaute", verblasste hinter dem Wirbel um den sonst so loyalen Nationalspieler Lahm und den nach seiner Auswechslung zur Pause wutentbrannt heimgebrausten Weltmeister Toni.

Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge und Trainer Louis van Gaal zitierten die beiden Profis am Sonntagmorgen noch vor dem Training zum Rapport, sprachen auch in der Kabine zur gesamten Mannschaft. Es herrscht Alarm an der Säbener Straße. Lahm traf es nach seiner in der "Süddeutschen Zeitung" geäußerten Fundamentalkritik an den Club-Bossen, aber auch an Trainer und Teamkollegen härter als Toni.

Der Vize-Kapitän habe in "eklatanter und unverzeihlicher Art und Weise gegen interne Regeln verstoßen", erklärte der Vorstand und sprach von einem Tabu-Bruch. Darum wurde Lahm "mit einer Geldstrafe belegt, wie es sie in dieser Höhe beim FC Bayern noch nicht gegeben hat", so Rummenigge. Die Strafe müsste über 50.000 Euro liegen.

Lahm hat sich nicht entschuldigt


"Empfindlich" soll die Buße für Spitzenverdiener Toni sein, dem eine "unakzeptable Disziplinlosigkeit" vorgeworfen wurde. Toni habe sich inzwischen beim Club und seinen Teamkollegen entschuldigt, von Lahm wurde Ähnliches in der Presse-Erklärung nicht überliefert. Der Vorstand ging auch weiterhin nicht inhaltlich auf Lahms Aussagen ein.

Ungemütlich bleibt der Münchner Herbststurm, der sich auf der Hauptversammlung am 27. November mit dem geplanten Stabwechsel von Franz Beckenbauer zu Uli Hoeneß im Präsidentenamt in einem Orkan entladen könnte, auch für Louis van Gaal - obwohl der Trainer akut nicht um seinen Job bangen muss. "Es war kein katastrophales Spiel, sondern ein ordentliches. Wir werden in aller Ruhe bis Weihnachten abwarten und gucken, wie das Zwischenergebnis ist", sagte Hoeneß.

Trotz Mittelmaß, Platz acht und sechs Punkten Rückstand auf Tabellenführer Bayer Leverkusen hielt der Manager an seiner kühnen Platz-1-Prognose zum Jahresende fest: "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Aber sie schwindet, zumal Abwehrchef Daniel van Buyten (31.) einmal mehr als Torschütze für die indisponierten Stürmer einspringen musste. Youngster Matip konnte per Kopf ausgleichen (43.). "Das war ein großes Erlebnis für mich - ein Super-Film", jubelte der 18 Jahre alte Schüler nach seinem Traum-Debüt bei den Profis.

Die Tore fehlen


"Die Tore fehlen, es ist frustrierend", stöhnte van Gaal. Das Heimspiel gegen Leverkusen in zwei Wochen werde aber nicht zu seinem persönlichen Endspiel: "Das denke ich niemals. Wir haben aus den letzten neun Spielen 18 Punkte geholt. Mit einem Durchschnitt von zwei Punkten kann man Meister werden."

Trotz der raschen Bestrafung von Lahm und Toni bleibt der innere Betriebsfrieden gestört. Kritiker Lahm legte den Finger in viele Münchner Wunden. Er monierte besonders die "nicht immer glücklichen Transfers" der Vereinsführung, die keinen erkennbaren Plan und eine klare Linie habe. Eine "Spiel-Philosophie" wie bei Manchester United oder dem FC Barcelona "gibt es bei uns nicht". Auch die Kollegen wurden nicht verschont. Im Mittelfeld sieht er "das größte Problem".

Rumms, das saß! Der seit 30 Jahren als Manager amtierende Hoeneß reagierte verärgert: "Sie können sich sicher sein, dass er dieses Interview noch bedauern wird." Hoeneß sieht Lahm, der nach dem Spiel schwieg, fremdgesteuert durch seinen Berater Roman Grill, "den nicht angenommenen Manager beim Hamburger SV". Hoeneß bezeichnete Lahms Vorgehen "als nicht klug in so einer Phase" und betonte: "Man kann mit uns über alles sprechen, aber bei uns hinter der Tür."

Die Nerven liegen blank


Wie blank die Nerven liegen, bewies das Revanchefoul von Arjen Robben an Lukas Schmitz - zum Glück für Bayern zog Schiedsrichter Florian Meyer Gelb statt Rot: "Es war definitiv keine Tätlichkeit. Robben stößt mit der Brust, nicht mit den Armen und nicht ins Gesicht", erläuterte Meyer. Doch Lahm, Toni, Robben und die Krise - Torschütze van Buyten schlug Alarm: "Wir müssen jetzt den FC Bayern zusammenhalten. Nur so werden wir da rauskommen. Wenn jeder seinen Weg geht, wird es schwierig."

Bei Schalke gibt nur einer die Richtung vor - Felix Magath. Der Meister-Coach zauberte in Matip ein neues Juwel aus dem Ärmel.

DPA/tis / DPA

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