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Lahm reagiert auf Löw-Entscheidung: Vize-Kapitän wider Willen

Er fand diplomatische Worte. Was blieb ihm auch anderes übrig. Philipp Lahm hat die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw, Michael Ballack das Kapitänsamt zu lassen, akzeptiert. Richtig verstanden hat er sie wohl nicht.

Philipp Lahm verzog keine Miene, der Name Michael Ballack kam ihm nicht über die Lippen. "Es geht nicht um enttäuscht oder nicht enttäuscht. Die Entscheidung muss man akzeptieren und ich werde sie akzeptieren. Das lernt man als Fußballer schon von Kindesbeinen an", kommentierte der WM-Kapitän am Donnerstag leicht zerknirscht die Entscheidung von Bundestrainer Joachim Löw in der K-Frage bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zugunsten des Routiniers Ballack.

"Jetzt geht es für mich darum, die Mannschaft in den ersten beiden Spielen wieder als Kapitän zu führen. Das ist eine große Ehre für mich. Ich freue mich darauf, denn ich gehöre mit mehr als 70 Länderspielen mit Sicherheit zu den Spielern, die Verantwortung übernehmen", sagte Lahm nach der Ankunft der DFB-Auswahl in Brüssel, wo der WM-Dritte am Freitag gegen Belgien (20.45 Uhr/ARD live) in die EM-Qualifikation startet.

Dass sich der 71-malige Nationalspieler, der in Südafrika die Kapitänsbinde auch für die kommenden Jahre für sich reklamiert hatte, trotz der offiziellen Degradierung zum Vize-Kapitän für die Zukunft in Vorteil sieht, war aber zwischen den Zeilen zu lesen. "Unser primäres Ziel ist es, uns frühzeitig für die EM in Polen und der Ukraine zu qualifizieren. Zugleich wollen wir aber unsere Leistung bei der WM bestätigen und unseren in Südafrika gezeigten Spielstil weiter verbessern", sagte er und machte damit indirekt deutlich, dass ein Michael Ballack derzeit in der DFB-Auswahl nicht gebraucht wird.

Ballack nicht im Aufgebot

Löw hatte am Mittwoch entschieden, dass Ballack DFB-Kapitän bleibt. Allerdings gilt das nur für den Fall, dass der 33-Jährige auch wieder von Löw für Länderspiele nominiert wird. Solange das nicht passiert, bleibt Lahm Kapitän. Gegen Belgien und vier Tage später in Köln gegen Aserbaidschan wurde der Leverkusener Ballack wegen mangelnder Fitness noch nicht in das Aufgebot bestellt. Zudem setzt ihn derzeit eine Magen-Darm-Infektion außer Gefecht.

Wann der 98-malige Nationalspieler Ballack wieder vom Bundestrainer in die DFB-Auswahl berufen wird, steht derzeit allerdings in den Sternen. Löw sieht Real-Neuzugang Sami Khedira auf der defensiven Sechser-Position derzeit einen Tick vorne. Und dass Löw den derzeit schmollenden Ballack nur als Ergänzungsspieler für die Spiele im Oktober nominiert, scheint ausgeschlossen. Somit könnte die DFB-Karriere von Ballack noch vor dessen 100. Länderspiel zu Ende gehen.

Kampfansage auch von Khedira

Auch Khedira machte noch einmal deutlich, dass er seinen Platz im defensiven Mittelfeld nicht freiwillig räumen wird. "Ich finde es selbstverständlich, dass Michael Kapitän bleibt. Aber es ist auch die perfekte Lösung, dass das Leistungsprinzip Priorität hat", sagte der ehemalige Stuttgarter mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach seinen starken Leistungen in Südafrika.

Khedira betonte aber auch, dass er nicht nur im Konkurrenzkampf mit Ballack stehe: "Es gibt nicht nur Michael Ballack, sondern mehrere Konkurrenten für diese Position im Mittelfeld. Wenn einer besser sein sollte als ich, dann muss der spielen. Aber mein Ziel ist es, dem Trainer keine Chance zu lassen, an mir vorbeizugehen."

Von Jürgen Zelustek und Marc Schmidt/SID / SID

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