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Spielerstreik Mainz, wie es knallt und kracht – ein Klub zerlegt sich selbst

Der Mainzer Profi Adam Szalai bleibt suspendiert, bestätigte der Trainer Achim  Beierlorzer
Der Mainzer Profi Adam Szalai bleibt suspendiert, bestätigte der Trainer Achim  Beierlorzer
© Thomas Frey / DPA
Der 1. FSV Mainz hat bislang ein positives Image gehabt. Trainer wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel machten den Klub groß, seit elf Jahren ist er fester Bestandteil der Bundesliga. Doch nach dem Eklat um Profi Adam Szalai hat das Bild Risse bekommen.

Der 1. FSV Mainz ist schon vor dem zweiten Spieltag in eine handfeste Krise gerutscht. Dass liegt weniger an der Auftakt-Niederlage gegen RB Leipzig, die einen Klassenunterschied offenbarte und viel höher als 1:3 hätte ausfallen können, sondern an einem schweren Konflikt zwischen Trainer und Vereinsführung auf der einen Seite und der Mannschaft auf der anderen.

Mittwoch war es zum Eklat gekommen: Trainer Achim Beierlorzer hatte Angreifer Adam Szalai zu Wochenbeginn in die U23 verbannt – aus sportlichen Gründen, wie es offiziell hieß. Zwei Tage trat der Rest der Mannschaft aus Solidarität mit dem Ungarn in den Streik und verweigerte das Training. So etwas gab es bislang noch nie in der Bundesliga. Es folgten intensive Gespräche zwischen Vereinsführung und Spielern, und am Donnerstagnachmittag wurde wieder trainiert. Die Verbannung Szalais blieb bestehen. 

Szalais Rauswurf wird nicht zurückgenommen

Den Abschluss des außergewöhnlichen Vorgangs bildete schließlich eine Pressekonferenz der Vereinsführung. Sportvorstand Rouven Schröder und Trainer Beierlorzer gaben eine Pressekonferenz, um den Schaden zu begrenzen – gelungen ist ihnen das nicht. "Das war kein schöner Moment. Allen ist bewusst geworden, dass dies eine einzigartige Situation ist", sagte Schröder unter anderem. Und: "Es muss weitergehen. Ich bin überzeugt, dass wir nicht noch einmal in eine solche Situation kommen." Eine Rücknahme des Rauswurfs schloss Beierlorzer kategorisch aus: "Es geht so weiter, wie es entschieden wurde. Ich bleibe dabei."

Über die Inhalte der Krisengespräche mit den Profis machten die Verantwortlichen keine Angaben. "Es ist auch ein Wunsch der Mannschaft, sämtliche Dinge intern zu halten", bekräftigte Schröder. Er räumte zumindest Fehler in der Kommunikation mit den Spielern ein. Man habe gewusst, dass die Suspendierung von Szalai eine unpopuläre Entscheidung gewesen sei. Danach hätten sich die Dinge aufgeladen und zu einem Konflikt ausgeweitet. Beierlorzer appellierte daher: "Der Fußball muss wieder in den Vordergrund rücken. Wir wollen gegen Stuttgart begeisternd auftreten."

Das Internetportal "Sport1" nannte den Auftritt "rätselhaft" und sprach von "kryptischen Aussagen" – nicht ganz zu unrecht.

Denn das eigentliche Thema, das dem Streit zugrunde liegt, wurde mit keinem Wort genannt: der Konflikt um den Gehaltsverzicht in der Coronakrise. Es ist nicht offiziell bestätigt, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass es in Mainz auch darum ging. Beim FSV wie auch bei anderen Klubs haben die Spieler wohl nicht auf einen Teil ihres Gehalts (meist zehn bis 15 Prozent) verzichtet, wie es oft hieß, sondern dem Verein nur einen Aufschub gewährt, um den finanziellen Engpass zu überwinden. Der Plan war, das Geld auszuzahlen, wenn die Einnahmen wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen. Das Problem an der Regelung: Die Krise dauert an, weil nur maximal 20 Prozent der Zuschauer zugelassen sind. Und das wird noch lange so bleiben.

Der Schaden für Mainz ist groß

Möglicherweise hat Szalai zu offensiv darauf bestanden, dass die gestundeten Teilgehälter aus dem Frühjahr nun ausgezahlt werden. Der in der Mannschaft beliebte Profi gehörte damals wie heute zum Mannschaftsrat und war an den Verhandlungen beteiligt. Möglicherweise ist das eigentliche Grund für die Verbannung. Dass der 32-Jährige zusätzlich nicht mehr ganz auf der Höhe seines früheren Leistungsniveaus ist, hat die Degradierung vielleicht erleichtert. Es wäre auch nicht der erste Fall dieser Art. Union Berlin warf den Profi Sebastian Polter hochkant aus dem Team, als der sich Ende Mai kategorisch weigerte, den vereinbarten Gehaltsverzicht mitzumachen.

Der Schaden für Mainz ist groß und der absehbare Abstiegskampf wird dadurch nicht leichter. Szalais Berater kündigte, sich gegen die Suspendierung zu wehren. Das birgt weiteren Konfliktstoff.

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