HOME

Ex-Fußballnationalspieler: Nach Kritik an Uiguren-Verfolgung: So geht die chinesische Presse mit "Marionette" Özil um

Die Kritik des deutschen Ex-Fußballnationalspielers Mesut Özil an der Uiguren-Verfolgung in China zieht weite Kreise. In China wirft man ihm vor, "Fake News" zu verbreiten. Und sein eigener Verein distanziert sich von ihm.

Von Philipp Mattheis

Mesut Özil hat die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang kritisiert

Mesut Özil hat die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjiang kritisiert

DPA

Es war nur eine Frage der Zeit, wie lange es dauern würde, bis jemand von "verletzten Gefühlen" sprechen würde. In diesem Fall war es ein Statement auf der chinesischen Fußball-Website "Dongqiudi": "Meinungsfreiheit hat Grenzen, und sie sollte auf der Basis gegenseitigen Respekts und der Souveränität der jeweiligen Staaten existieren. (…) Özils Post aber hat die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt."

Anlass war ein Instagram-Post des Fußballers Mesut Özil: Darin hatte er auf Türkisch die Verfolgung der uigurischen Minderheit und das Schweigen der muslimischen Welt dazu angeprangert. Den Text mag man wahlweise als poetisch oder theatralisch bezeichnen. Am Ende des Sermons heißt es: "Wissen sie nicht, dass es nicht das Leiden unserer gefolterten Brüder ist, das in Erinnerung bleiben wird, sondern unser Schweigen. Oh Gott, bitte hilf unseren Brüdern in Ostturkestan."

Dokumente belegen Misshandlung von Uighuren

Spätestens beim Begriff Ostturkestan dürften in der Propaganda-Abteilung in Peking die Alarm-Glocken schrill geläutet haben. Keine drei Wochen ist es her, da enthüllten mehrere Zeitungen geheime Dokumente, die die Unterdrückung der muslimischen Minderheit in Xinjiang belegen. Seit Jahren betreibt Peking dort eine Assimiliations- und Siedlungspolitik, um das muslimische Turk-Volk zu marginalisieren. Die Dokumente belegen, mit welcher Brutalität Peking Uighuren dort in sogenannte "Ausbildungszentren" interniert. Dabei werden Familien auseinandergerissen, Menschen misshandelt und gegen ihren Willen festgehalten. 

Die staatlich kontrollierte Presse Chinas versucht das Thema einerseits klein zu halten, andererseits mit der üblichen Argumentation dagegenzuhalten. Einerseits sei, so die "Global Times" am Montag, Özil "eine Marionette westlicher Anti-China-Mächte". Andererseits empfahl man den eigenen Lesern, die Sache nicht zu ernst zu nehmen: "Chinesen sollten sich bewusst sein, dass Özil eine Clown Show abgegeben hat. Es ist notwendig, seinen Post zu kritisieren, aber man muss auch keine große Sache daraus machen. Sein Post ist ein Kratzer, der nicht lange braucht zu verheilen." Nachrichten über die Misshandlung der Uighuren in Xinjiang seien ohnehin nur Gerüchte oder Fake News.

Arsenal distanziert sich von Mesut Özil

Eine Fan-Site Özils, "Özil Tieba", schloss sich laut der chinesischen Zeitung "Global Times" gleich selbst: "Angesichts nationaler Interessen, sind persönliche Hobbys nicht wichtig", hieß es in einem Statement dort.

Özils Verein Arsenal distanzierte sich bereits am Wochenende von seinem Spieler. "Die Inhalte sind Özils persönliche Meinung. Als Fußballklub hat sich Arsenal immer an den Grundsatz gehalten, sich nicht politisch zu engagieren", hieß es in einem Statement auf der chinesischen Plattform Weibo. Für den Verein ist der chinesische Markt extrem wichtig. Allein fünf Millionen Follower hat Arsenal auf der chinesischen Plattform Weibo. Dort dürfte man Angst haben, dasselbe Schicksal zu erleiden wie die amerikanische Basektball-Liga: Der Manager des amerikanischen Basketball-Teams Rockets, Daryl Morey, hatte sich solidarisch mit den Demonstranten in Hongkong erklärt. Peking geriet in Rage: Sponsoren sprangen ab und der Staatssender CCTV stoppte die Übertragung von NBA-Spielen.

Autokraten als Trauzeuge: "Integration gescheitert" – Auf Twitter hagelt es erbitterte Kritik für Özil

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Özils Lieblingspräsident und Trauzeuge, Recep Tayip Erdogan, ist auffallend stumm, wenn es um das türkische Brudervolk geht. Man mutmaßt, chinesische Direktinvestitionen im Rahmen der neuen Seidenstraße könnten der Grund dafür sein.

Wissenscommunity