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Nationalmannschaft: Das Glück der Tüchtigen

Der großen Erleichterung über das glückliche Ende der sechsmonatigen Durststrecke ließ Rudi Völler eine eindringliche Mahnung an die Vereins-Trainer folgen. "Dieses Spiel war vor allem wichtig für das Innenverhältnis zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft.

Der großen Erleichterung über das glückliche Ende der sechsmonatigen Durststrecke ließ Rudi Völler eine eindringliche Mahnung an die Vereins-Trainer folgen. "Dieses Spiel war vor allem wichtig für das Innenverhältnis zwischen Bundesliga und Nationalmannschaft. Zwischen den Trainern muss ein Geben und Nehmen sein, heute habe ich gegeben", sinnierte der DFB-Teamchef nach dem glanzlosen 1:0-Sieg seiner Notelf in Bremen gegen Serbien und Montenegro, den Sebastian Kehl (60.) mit einem haltbaren Verzweiflungsschuss aus 30 Metern unter Dach und Fach gebracht hatte.

Absage-Frust beim Bundestrainer

Aus Völlers Worten nach dem ersten Erfolgserlebnis in diesem Jahr sprach der Frust der zurückliegenden Tage. Intern extrem angespannt, aber nach außen still leidend, hatte er Absage über Absage erduldet, hatte leicht angeschlagene Spieler vor allem aus den Reihen des FC Bayern (Kahn, Jeremies, Ballack) von sich aus ziehen lassen, die im Ernstfall hätten spielen können. Und auch bei denen, die sich für den Dienst im Nationaltrikot tauglich gemeldet hatten, musste der 43- Jährige haufenweise Kompromisse über die Einsatzzeiten aushandeln.

Rücksicht auf Belastungen in den Vereinen

"Die Auswechslungen von Arne Friedrich und Paul Freier erfolgten mit Rücksicht auf die Belastungen der Spieler in ihren Vereinen, auch Miro Klose sollte nicht mehr als eine Halbzeit spielen", schilderte Völler. "Irgendwann", sagte der Teamchef, werde er den Ausgleich für seine Vorleistung einfordern: "Da wird es Spiele geben, bei denen ich wieder egoistischer sein muss."

Dies könnte schon in einem Monat geschehen, wenn der Vize- Weltmeister zu den Weg weisenden EM-Qualifikationsspielen nach Schottland (7. Juni) und auf die Färöer-Inseln (11. Juni) reist. Zwar bot die Verlegenheits-Elf von Bremen eine kämpferisch tadellose und temporeiche Vorstellung, die man vom DFB-Stammpersonal in einem Testspiel selten zu Gesicht bekommt. Spielerisch aber blieben viele Wünsche offen, was angesichts von nur einer gemeinsamen Trainingseinheit und der individuellen Schwächen der Reservisten auch nicht anders zu erwarten war.

Würdige Mannschaft

"Ich bin hochzufrieden. Ungeachtet der ganzen Absagen haben wir eine würdige deutsche Nationalmannschaft gesehen", lautete Völlers Resümee. "Jeder hat gezeigt, dass er zu Recht hier war und Deutschland würdig vertreten hat", meinte auch der Schalker Torhüter Frank Rost, der mit drei erstklassigen Paraden einen Rückstand verhinderte. Dass auf der Gegenseite Dragoslav Jevric nach einer Stunde Kehls "Flatterball" durch die fangbereiten Hände rutschen ließ, war nach Völlers Ansicht der gerechte Lohn für die eigenen Bemühungen: "Man kann sein Glück auch erzwingen. Das haben wir getan, deshalb war es ein verdienter Sieg."

"Für die Psyche ganz wichtig"

Zumindest war es nach drei sieglosen Spielen in Serie, darunter das blamable 1:1 vor einem Monat gegen Litauen, endlich wieder ein Erfolgserlebnis. "Für die Psyche ganz wichtig", meinte der Berliner Friedrich, der auf der rechten Seite gemeinsam mit Freier wenigstens gelegentlich Angriffsdruck entwickelte und neben Rost bester deutscher Akteur war.

Die Gewinner des Abends

Zu den Gewinnern des Abends zählten auch die Debütanten Michael Hartmann und Andreas Hinkel. Der 28-jährige Hartmann, als Notnagel wegen seiner Schussqualitäten mit dem linken Fuß kurzfristig aus Berlin eingeflogen, beackerte seine Seite so wie meist auch im Verein: verlässlich und unspektakulär. "Bei ihm hat man gesehen, dass er bereits ein abgezockter Hase ist", lobte Völler. Große Hoffnungen auf weitere Berufungen aber macht sich Hartmann nicht: "Viele Spieler waren ausgefallen, die ein Recht darauf haben, wieder eingeladen zu werden." Der erst 21-jährige Stuttgarter Hinkel, nach 66 Minuten für Friedrich eingewechselt, hat altersbedingt andere Ambitionen. "Er hatte sich gleich etwas zugetraut und einige gute Aktionen", kommentierte der Teamchef.

Kritik von Magath

VfB-Teammanager Felix Magath konnte sich darüber jedoch ebenso wenig freuen wie über Kevin Kuranyis zweites Länderspiel. "Wenn ich Einfluss gehabt hätte, hätte ich ihnen gesagt: Spielt nicht", meinte Magath. Die zusammengewürfelte DFB-Mannschaft werde in dieser Besetzung mit Sicherheit nie wieder spielen. "Das ist nicht das Umfeld, wo neue Spieler integriert werden können", kritisierte der VfB-Coach.

Gleiches gilt auch für den Torschützen des Abends. "Mir ist eine ganze Last von den Schultern gefallen", sagte Sebastian Kehl nach seinem zweiten Länderspieltor. Bei Borussia Dortmund wartet er noch immer auf den ersten Saisontreffer, und diese mangelnde Torgefahr ist mit ein Grund, warum bei dem 23-Jährigen sowohl in Nationalelf als auch bei seinem Arbeitgeber der Durchbruch auf sich warten lässt. Zumindest bei Völler meint Kehl, wie die gesamte Mannschaft einen Schritt nach vorn gemacht zu haben: "Ich glaube, wir sind auf dem Weg der Besserung."

DPA

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