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Nationalspieler im Ausland: Lukas Podolski - Prinz im Abwärtsstrudel

Nach einer verkorksten EM wollte Lukas Podolski bei seinem neuen Klub endlich wieder durchstarten. Aber auch beim FC Arsenal läuft es nicht rund. Poldis Karriere steht auf dem Spiel.

Von Klaus Bellstedt

Nein, an seinem Englisch liegt es nicht. Lukas Podolski spricht die Sprache in Wahrheit sogar besser, als man vielleicht denken könnte. Die Interviews nach seinen ersten beiden Pflichtspielen für den FC Arsenal meisterte der 13-Millionen-Euro-Einkauf erstaunlich problemlos. Sowohl gegen Sunderland als auch am vergangenen Wochenende im Kräftemessen mit Stoke City stand der frühere Kölner in der Startaufstellung der Edeltruppe des französischen Startrainers Arsene Wenger. Und zwei Mal enttäuschte Podolski. Die Spiele endeten jeweils 0:0. Viel zu wenig für die Ansprüche von Arsenal.

In der Saison 2003/2004 wurden die Londoner zuletzt englischer Meister. Es war die Zeit von Thierry Henry - und von Jens Lehmann. Der ehemalige Torwart der deutschen Nationalmannschaft war nie der Liebling der Fans im alten Highbury Stadion. Dafür war Lehman von seiner Art her zu distanziert. Trotzdem wurde er in höchstem Maß geachtet und manches Mal sogar besungen. Lukas Podolski, der kölsche Volksheld, kann natürlich immer noch Publikumsliebling in seiner neuen Wahlheimat werden. Der Außenstürmer muss nur langsam damit anfangen, das zu demonstrieren, weshalb man ihn verpflichtet hat.

Versprechen an Arsenal-Fans

Podolski, das haben seine ersten Auftritt in der neuen Premier-League-Saison gezeigt, ist im englischen Fußball noch nicht angekommen. Dabei waren die Hoffnungen groß, dass der Nationalspieler mit seinem Spielstil perfekt zu den One-Touch-Fußballern von Arsenal London passen würde. Aber Podolski ist derzeit nur ein Fremdkörper in einer Mannschaft, die schwer mit dem Verlust Robin van Persies zu kämpfen hat. "Podolski zeigte erneut keinerlei Torgefahr", kritisierte die "Sun" nach dem zweiten wirkungslosen Auftritt des Deutschen hintereinander beim 0:0 gegen Stoke. Sollte Poldi im nächsten Match keine Leistungssteigerung gelingen, ist der Stammplatz bei Konkurrenten wie Alex Oxlade-Chamberlain oder Theo Walcott keineswegs garantiert.

Rückblick: Als der Transfer Podolskis vom FC rüber auf die Insel Ende April endlich verkündet wurde, stand die EM kurz bevor. Der 27-Jährige gab vor Beginn des Turniers in Polen und der Ukraine ein kleines Versprechen ab: "Tatsächlich bin ich sehr erfreut darüber, dass mich die Arsenal-Fans bei einem Turnier wie diesem spielen sehen können und sie sich vorstellen können, was ich auf höchstem Niveau zu leisten im Stande bin. Bald werde ich das auch in London zeigen." Podolskis EM-Zeugnis sollte ein Appetizer für die Anhänger von Arsenal werden. Daraus wurde nichts. Und Wunsch und Wirklichkeit liegen auch jetzt noch weit auseinander. Was ist bloß los mit diesem wunderbaren Fußballer?

Die Wohlfühloase des DFB

Per Mertesacker, Poldis Teamkollege beim DFB und auch auf Klubebene, ist schon ein Jahr länger in London. Beide kennen sich gut, beide sind Mitglieder des Mannschaftsrats der Nationalmannschaft. Mertesacker hat ein Problem ausgemacht, an dem es liegen könnte: "Es ist jetzt noch etwas schwer für ihn so rüber zu kommen, wie in Deutschland. Hier lachen halt noch nicht 20 Mann, sondern die zwei, die Deutsch sprechen, wenn er einen Spaß macht." Also doch ein Sprachproblem? Podolski großes Plus, abgesehen von seinen enormen fußballerischen Fähigkeiten, war auch immer seine Authentizität und eine gewisse Unbekümmertheit. Beides ist dem Prinzen derzeit abhanden gekommen. Und Besserung ist nicht in Sicht. Zumal auch die Nationalmannschaft nicht mehr das ist, was sie für Podolski mal war.

Die Wohlfühloase des DFB betrat und verließ der Ex-Kölner früher stets gut gelaunt. Poldi war mal einer der Symbolfiguren dieser talentierten Mannschaft. Aber das war einmal. Nach einer für ihn enttäuschenden EM ist auch in der Nationalmannschaft der Stammplatz in Gefahr. André Schürrle macht seit der Vorbereitung enorm Druck auf Löws Sorgenkind. Podolski hält dem nur bedingt stand. In einer Woche trifft sich das deutsche Team zum Auftakt der WM-Qualifikation. Kurz danach, am 7. und 11. September, stehen die Spiele gegen die Faröer Inseln und Österreich an. Leichte Gegner. Die sechs Punkte sind fest eingeplant. Für Podolski steht in diesen Partien aber weit mehr auf dem Spiel - gerade auch im Hinblick auf sein weiteres Engagement beim FC Arsenal. Er braucht jetzt neues Selbstbewusstsein. Sonst drohen auch in England weitere negative Schlagzeilen.

Auch Özil in der Kritik

Apropos: Mit Mesut Özil hat es derzeit ein weiterer deutscher Nationalspieler im Ausland schwer. Nach dem dritten glanzlosen Auftritt steht der Spielmacher von Real Madrid schon früh in der Saison unter Druck. Beim 1:1 gegen Valencia vor einer Woche wurde der 23-Jährige von den Medien als schlechtester Königlicher gescholten, beim 1:2 gegen Getafe ging er wie das gesamte Team unter. Özil ergeht es gerade wie Podolski: Er findet einfach nicht zu seinem Spiel. Am Ende der Saison werden sich die beiden auch an Titeln messen lassen müssen.

Özil hat schon bewiesen, dass er mit Rückschlägen umgehen kann. Während seiner Zeit in Madrid kämpfte er schon öfter gegen kleine Tiefs und vernichtende Kritiken an. Letztlich aber war er es, der die Mannschaft in der vergangenen Saison gemeinsam mit Cristiano Ronaldo zum Titel in Spanien führte. Bei Lukas Podolski fällt einem diese Vorstellung schwerer.

P.S. Glauben Sie, dass Lukas Podolski noch sein Fußballglück bei Arsenal findet? Oder kann Poldi "nur" Köln? Diskutieren Sie mit in der Fankurve, unser Seite für Fußballfans auf Facebook.

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