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P. Köster: Kabinenpredigt: Die seltsame AfD-Fragerei des ZDF-Sportstudios

Bloß keine Haltung zeigen! Der Präsident von Eintracht Frankfurt musste sich im ZDF-Sportstudio für seine klare Kante gegenüber der AfD rechtfertigen – wieso eigentlich?   

Von Philipp Köster

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, kritisierte bei der Mitgliederversammlung die AfD

DPA

Wer am späten Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" zu Gast ist, muss in der Regel keine allzu unbequemen Fragen befürchten. Bei leicht gedimmtem Licht wird gerne mal mitfühlend nach der überstandenen Verletzung und nach den Zielen fürs nächste Jahr gefragt. Außer der Gast heißt Peter Fischer, ist Präsident von Eintracht Frankfurt und hat sich erdreistet, bei der Hauptversammlung seines Klubs darauf hinzuweisen, dass die rassistischen Ausfälle und das menschenfeindliche Weltbild vieler -Politiker unvereinbar mit den ethischen Grundsätzen der Eintracht sind. 

Und so fand sich plötzlich mitten im Verhör wieder. "Brauchten Sie das Thema 'Angriff auf die AfD' für Ihre Wiederwahl?", fragte Sportstudio-Moderator Sven Voss gleich mal als Einstieg und suggerierte damit, Fischer habe ansonsten um seinen Posten bangen müssen. Was gleich doppelter Unsinn war, gab es doch erstens keinen Gegenkandidaten und wird Fischer zweitens seit jeher stets mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Dass Fischer nicht sofort unter der Last der Beweise zusammenbrach, sondern den Populismus-Vorwurf damit entkräftete, dass eine klare Positionierung gegen die AfD viel Gegenwind erzeugt, brachte den überforderten Voss sofort derart aus dem Konzept, dass er fortan erratische Fragen stellte, deren Sinn sich auch nach mehrfachem Hören nicht erschloss ("Wenn die Leute sagen, das hätte Ihnen eher schaden können, dann ist es natürlich leicht, auf die AfD einzuschlagen?!").  

Nazi-Vergleich der AfD bleibt unkommentiert

Es ist Fischer hoch anzurechnen, dass er im Folgenden ruhig und besonnen blieb. Etwa als Moderator ihn partout nochmal als Populisten vorführen wollte ("Halten wir fest, dass es Ihrer Wiederwahl nicht geschadet hat, das Thema 'AfD' aufzumachen"). Und auch, als in einem Einspieler geradezu zwanghaft der Eindruck erweckt wurde, Fischer dränge die Wähler einer erzdemokratischen Partei ohne Not aus dem Klub.  "Ausgrenzung statt Eintracht?", barmte der Sprecher und ließ dann einen AfD-Sprecher zu Wort kommen, der Fischers Rede tatsächlich mit der Ausgrenzung politisch Andersdenkender in der Nazi-Diktatur verglich. Eine ungeheuerliche Analogie – vom ZDF unkommentiert gesendet.

Anstatt den durchschaubaren Versuch der AfD, sich abermals als unschuldig verfolgtes Opfer des Systems zu inszenieren, wenigstens zu thematisieren, wurde Fischer anschließend noch mehr unter Druck gesetzt, durch eine kurze Sequenz aus einer Pressekonferenz mit Freiburgs Trainer Christian Streich. Der verkündete, auch AfD-Wähler hätten "ein Grundrecht". Da klatschte das Publikum im Sportstudio und Voss atmete erleichtert auf: "Da kann man ihm mal zustimmen!" Dabei war das bei allem Respekt vor Streich eine komplette Null-Aussage. Es gibt Grundrechte, die in der Verfassung der Bundesrepublik geregelt sind. Mitglied von zu werden, gehört eher nicht dazu.

Chance vertan

Nun wäre das Gespräch mit Peter Fischer ja eine gute Gelegenheit gewesen, darüber zu sprechen, wie Sportvereine mit einer Partei umgehen wollen, die bekennende Rassisten und Antisemiten in ihren Reihen duldet, die Demagogen und Scharfmacher wie Björn Höcke nicht aus der Partei ausschließt und die ganz gezielt Stimmung gegen Ausländer macht.

Manch ein Klub schwört auf geduldige Überzeugungsarbeit, andere Klubs halten sich einfach raus. Fischer hingegen setzt auf klare Abgrenzung. Das ist wohltuend konsequent, angesichts der gerade herrschenden Tendenz, die ständigen Ausfälle der AfD-Funktionäre nicht mehr so schlimm zu finden, wo die Partei doch inzwischen im Bundestag sitzt. Es wird der Eindruck erweckt, es habe neben all dem Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit und des Nationalismus auch noch irgendwie tolerable Gründe gegeben, die AfD zu wählen. Oder um es mit den Worten von Sven Voss zu formulieren: "Es geht vielleicht doch zu weit, sechs Millionen AfD-Wähler als Rassisten zu bezeichnen?"

Dabei hat Fischer das gar nicht. Und er hat auch nicht angekündigt, jedes Eintracht-Mitglied nach seiner Wahlentscheidung zu befragen. Fischer versteht sich nicht als Großinquisitor. Aber er hat völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass nur der Mitglied in einem Sportverein sein kann, der dessen Werte unterstützt.

Eine Selbstverständlichkeit, für die sich Fischer eigentlich überhaupt nicht rechtfertigen müsste. Außer er ist zu Gast bei Sven Voss im Aktuellen Sportstudio. 

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