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Biografie Podcast "11 Leben" über Uli Hoeneß: Wie ein "Stiefbruder", den man liebt und hasst

Uli Hoeneß vor einem Jahr auf einer Pressekonferenz
Uli Hoeneß vor einem Jahr auf einer Pressekonferenz
© Sven Hoppe / DPA
In dem Podcast "11 Leben" zeichnet der Journalist Max-Jacob Ost das pralle Leben von Uli Hoeneß nach. Das ist hörenswert, weil er ein großes Stück Bundesliga-Geschichte erzählt – und vom Leiden eines Bayern-Fans an dieser widersprüchlichen Figur.

Das pralle Leben von Uli Hoeneß in einem Podcast erzählen? Auf diese Idee kam der Sportjournalist Max-Jacob Ost vor zwei Jahren. Seine Idee lautete: "Die Welt von Hoeneß verstehen" – ein hoher Anspruch, den er sehr hörenswert und unterhaltsam in seinem Podcast "11 Leben" erfüllt. So viel sei vorweg genommen. 

Zunächst einmal stand die einfache Idee nur auf einem Flipchart in einem kargen Büroraum irgendwo in München. Es folgten intensive Recherchen und Reisen kreuz und quer durch die Republik, um mit Weggefährten zu sprechen. Ehemalige Mitspieler in seiner Jugend beim VfB Ulm, Lehrer, Journalisten wie den stern-Reporter Johannes Röhrig, dessen Artikel "Das geheime Fußballkonto" 2013 Hoeneß zur Selbstanzeige trieb, Rivalen wie Willi Lemke und Christoph Daum oder frühere Bayernstars wie Lothar Matthäus und Thomas Helmer.

Ost ist ein Profi

50 Jahre prägte und formte der Metzgersohn aus Ulm den FC Bayern zu dem Klub von Weltrang. Und genauso lange war (und ist) Hoeneß fester Bestandteil der Bundesliga-Geschichte. "Weltmeister, Europameister, Sportinvalide, jüngster Manager der Liga, Titelsammler, Wohltäter, Steuerhinterzieher, Idol, Hassfigur, einziger Überlebender eines Flugzeugabsturzes, Millionär und Gefängnisinsasse. Es gibt Netflix-Serien, in denen weniger passiert", sagt Ost gleich zu Anfang der ersten Folge.

Das Problem: Es gibt bereits fünf Hoeneß-Biografien. Das Leben dieses Mannes ist in all seiner Widersprüchlichkeit auserzählt. Doch Ost, der auch den Podcast "Rasenfunk" erstellt, ist ein Profi. Es gelingt ihm, die Vorzüge des Audioformats zu nutzen und die Geschichten wieder lebendig werden zu lassen.

In der ersten Folge, in der Kindheit und Jugend von Hoeneß in Ulm behandelt werden, lässt Ost frühe Mitspieler vom VfB Ulm und einen ehemaliger Lehrer vom "Uli" zu Wort kommen. Sie erzählen bekannte Anekdoten, in denen sich schon Charakter und das Wesen von Hoeneß offenbaren. Zum Beispiel, dass sich Hoeneß von seinem Vater mehrmals in der Woche lange vor Schulbeginn wecken ließ, um Waldläufe zu absolvieren: "Wenn ihr auch weiterkommen wolltet, müsst ihr das auch machen", soll Hoeneß zu den Mitspielern gesagt haben. Die machen dann ein paarmal mit, hören aber schnell wieder auf.

"11 Leben" ist auch die Geschichte eines Fans

Ein anderer Zeitzeuge ist der Sportjournalist Peter Bizer, der 1975 die erste Biografie über Hoeneß verfasste. Bizer war in den sechziger Jahren Redakteur bei der Ulmer Lokalzeitung und berichtet im Podcast folgende Anekdote: Hoeneß kam nach einem Spiel der DFB-Jugendauswahl gegen England im Berliner Olympiastadion, das die Deutsche Nachwuchsmannschaft mit 6:0 gewonnen hatte (Hoeneß hatte zwei Tore erzielt), persönlich zu ihm in die Redaktion der Ulmer Lokalzeitung, um ihm einen selbstgeschriebenen Spielbericht zu übergeben. Hoeneß ging davon aus, dass das die Ulmer Leser interessieren würde. 15 Jahre war er damals alt. Bis zur A-Jugend ging das so, Hoeneß radelte nach Spielen verschwitzt in die Redaktion, um seine Spielberichte abzuliefern. Und er handelte den Preis hoch: von sieben auf neun Pfennig pro Zeile. Wie auch in den anderen bekannten Anekdoten sind hier schon der maßlose Ehrgeiz und das Verhandlungsgeschick zu erkennen, die Hoeneß zeit seines Lebens ausmachten – und Hoeneß' Leidenschaft fürs Geld, die sich immer zeigt.

Dennoch erzählt Ost nicht nur eine Biografie im Audio-Format. Er, leidenschaftlicher FC-Bayern-Fan seit Kindertagen, berichtet in Einschüben davon, wie es ist, mit Hoeneß aufzuwachsen. Von Streitereien auf dem Schulhof bis zum ersten Triple-Triumph im Londoner Wembley-Stadion 2013, als sich Ost in der Kurve die Seele aus dem Leib schrie. Hoeneß war immer eine Art "entfernter Stiefbruder", dem man vieles übel nimmt, den man aber gleichzeitig bewundert und verteidigt, wenn andere ihn kritisieren.

Genau das macht den größten Mehrwert von "11 Leben" aus. Es ist genauso eine Geschichte, die davon erzählt, ein Bayern-Anhänger zu sein, der zeit seines Lebens diese Überfigur bewunderte und dem es genauso peinlich war, wenn ein vor Wut rotköpfiger Hoeneß einen seiner Gegner wieder einmal verbal in die Tonne kloppte.

Die ersten drei Folgen von "11 Leben" von Max-Jacob Ost sind exklusiv und kostenlos bei Audio Now zu hören. Auf allen anderen Plattformen erscheint er im wöchentlichen Rhythmus.


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