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Polizeipräsenz in Fußballstadien: Gewerkschafter greifen DFB und DFL an

Der DFB glaube, ein Staat im Staate zu sein, schimpft Rainer Wendt, Chef der Polizeigewerkschaft. Jeder Bürger müsse auch Gebühren für den Personalausweis zahlen, argumentiert Bodo Pfalzgraf.

Die Debatte um die Kosten für Polizeieinsätze in Deutschlands Fußball-Stadien ist voll entbrannt. Nun gießt auch die Polizeigewerkschaft noch zusätzlich Öl ins Feuer. Für das Verlegen eines Länderspiels von Bremen nach Nürnberg greift der Bundesvorsitzende Rainer Wendt Verband und Liga an. "Beim DFB und der DFL herrscht ein mangelhaftes Demokratieverständnis. Offenbar hat man dort das Gefühl, ein Staat im Staate zu sein", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Das war ein dreistes Stück, auf diesem Wege zu versuchen, ein frei gewähltes Parlament unter Druck setzen zu wollen."

Das Bundesland Bremen hatte angekündigt, künftig Gebühren zu verlangen, wenn statt der üblichen 100 bis 200 Polizisten bei Risikospielen bis zu 1000 Beamte eingesetzt würden. Der DFB hatte der Stadt daraufhin das EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar entzogen.

Auch der Berliner Landesvorsitzende Bodo Pfalzgraf will eine Beteiligung der DFL an den Kosten, sagte er im rbb-Inforadio. Die DFL habe in der letzten Saison 2,17 Milliarden Euro Umsatz gemacht und 383 Millionen Euro Gewinn: "Das heißt, die sind durchaus in der Lage, so etwas zu zahlen."

Es gehe nicht darum, die Vereine etwa zu Lasten der Jugendarbeit zur Kasse zu bitten oder "die Löhne der Millionäre in kurzen Hosen zu beschneiden". Ein Wirtschaftsunternehmen wie die DFL müsse jedoch an den hohen Kosten beteiligt werden, die sonst der Steuerzahler alleine trage. Zwar zahle auch die DFL Steuern. "Aber jeder Bürger, der seinen Ausweis vom Bürgeramt abholt, muss dafür auch eine Gebühr bezahlen, obwohl er Steuerzahler ist. Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun."

Baden-Württemberg verzichtet auf Tests

Nordrhein-Westfalen kündigte am Montag an, in einem Pilotprojekt über vier Bundesliga-Spieltage die Polizeipräsenz in und um die Stadien zu verringern. "Bereits jetzt verwendet die Bereitschaftspolizei ein Drittel ihrer Einsatzzeit nur für die Sicherheit bei Fußballspielen. Machten wir weiter wie bisher, würde sich das nochmal deutlich erhöhen. Das kann ich dem Steuerzahler nicht mehr vermitteln", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger.

Die Polizei will laut des Erlasses einige Spiele fast ohne Einsatzkräfte durchführen. Sowohl in den Arenen als auch rund um die Bahnhöfe und Anfahrtswege sollen die Polizisten aus Kostengründen reduziert werden. "Es geht uns allein um die Spiele, die in den letzten drei Jahren ohne Krawalle geblieben sind. Hier wollen wir den Kräfteeinsatz der Bereitschaftspolizei lageangepasst runterfahren", teilte Jäger mit.

Auch das baden-württembergische Innenministerium kündigte inzwischen an, der "NRW-Linie zu folgen". Während in NRW bis zum 27. September im Pilotprojekt geprüft wird, ob sich das neue Konzept bewähren könnte, will man in Baden-Württemberg den reduzierten Polizeieinsatz ohne Testphase in der laufenden Ligasaison starten.

Wendt fordert 50 Millionen Euro von der Liga

Wendt hatte bereits vergangene Woche die Summe von 50 Millionen Euro jährlich von den Vereinen für Einsätze rund um die Partien gefordert. Wie dieser Betrag auf die Vereine und Bundesländer umgelegt werden könnte und aus welchen Berechnungen er stammt, blieb er schuldig.

Die Bundesliga-Clubs lehnen die finanzielle Verantwortung ab, weil ihr Einfluss auf Gewalttäter außerhalb des Stadions, etwa an öffentlichen Bahnhöfen, sehr begrenzt ist. Zudem argumentiert die Liga mit rund einer Milliarde Steuerzahlungen pro Jahr.

nck/DPA / DPA

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