Rudi Assauer "Mister Schalke" gibt sich nebulös


Schalke-Manager Rudi Assauer will sich zurückziehen - das zumindest ist klar. Aber wann? Über den Zeitpunkt stiftet er selbst Verwirrung. Selbst "Ziehsohn" Andreas Müller muss "erst mit Rudi sprechen".

Die Manager-Ära von Rudi Assauer beim FC Schalke.04 neigt sich unwiderruflich dem Ende entgegen, doch um den Zeitpunkt seines endgültigen Rückzugs herrscht in der Führungsetage des Clubs offenbar weiterhin Uneinigkeit. Einen Tag vor dem Uefa-Cup-Spiel gegen Espanyol Barcelona sorgte Assauer mit nebulösen Äußerungen für Verwirrung, nachdem die künftige Aufgabenverteilung vom Sommer 2006 an eigentlich schon klar geregelt schien. Nun kündigte der 61-Jährige Überlegungen an, sich (erst) in zwei Jahren aus dem "operativen Geschäft" zurückzuziehen.

"Ich habe mir in den letzten Wochen Gedanken gemacht. Ich glaube, dass ich den Wunsch habe, 2008 aus dem Geschäft auszuscheiden", erklärte Assauer. Nach fast 30 Jahren im Fußball sei es "an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen". In seinem Alter täglich 14 bis 16 Stunden zu arbeiten, sei ein "bisschen viel". Man dürfe nicht vergessen, dass es eine harte Zeit war: "In den ersten sieben Jahren habe ich keinen Tag Urlaub gehabt."

Assauer will kein "Frühstücksdirektor" sein

Was klang, als würde Assauer zwar schweren Herzens, aber aus freien Stücken vorzeitig den Weg frei machen für die Neuordnung der Führungsspitze, war im Grunde eher das Gegenteil. Denn am 13. Januar hatte der Revierclub bereits mitgeteilt, wie die Zukunft aussehen soll. Auf Betreiben des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies wird Assauer am 1. August 2006 den bisherigen Präsidenten Gerhard Rehberg ablösen. "An der bereits vorhandenen Aufgabenverteilung im Vorstand wird auch künftig festgehalten", hieß es. Assauer werde als Vorsitzender zusätzlich die Repräsentationsaufgaben von Rehberg übernehmen und weiterhin Andreas Müller zur Seite stehen, der "dann als Manager für alle sportlichen Belange verantwortlich zeichnet".

Assauer stellte klar, dass sein Rückzug nicht das Präsidentenamt betreffe. Schon vor Wochen hatte er betont, dass er kein "Frühstücksdirektor" sein werde und nicht nur "Grab- und Geburtstagsreden" halten wolle. Gleichwohl kommen seine jüngsten Äußerungen überraschend und machen Widersprüche deutlich. Allen Beteuerungen zum Trotz gibt es weiter unterschiedliche Auffassungen über die Aufgabenverteilung ab 2006 und den Zeitpunkt von Assauers Rückzug aus dem sportlichen Tagesgeschäft.

Assauer wirkte zuletzt "ein wenig deprimiert"

Dabei geht es auch um Macht und Einfluss, aber für den 61-jährigen "Mister Schalke" wohl eher um das Gefühl, weiter mitmischen zu können und gebraucht zu werden. Er kann nicht von heute auf morgen ganz loslassen. Teammanager Müller hatte bereits festgestellt, dass Assauer zuletzt "ein wenig deprimiert wirkte". In der TV-Sendung "Doppelpass" am Sonntag sagte er: "Rudi ist mein wichtigster Ratgeber. Ich möchte ihn motivieren, dass er dabei bleibt. Er ist das Aushängeschild von Schalke 04. Wir versuchen, ihn wieder zu pushen."

Dennoch ging nicht nur Müller davon aus, Assauer werde ihm bereits im Sommer das Feld komplett überlassen. Doch nun spricht Assauer von seinem geplanten Rückzug 2008. Selbst Müller, der schon seit längerem alle sportlichen Entscheidungen federführend trifft, war überrascht vom Vorstoß seines "Ziehvaters". Es gibt offenbar Klärungsbedarf. Müller: "Ich sage dazu nichts. Ich muss erst mit Rudi sprechen."

DPA DPA

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