Rudis EM-Aufgebot "Viele werden sich noch umschauen"


Mit einer Kampfansage an die EM-Gegner stellte Teamchef Rudi Völler sein 23-köpfiges Aufgebot für Portugal vor. Überraschenderweise mit dabei: Hannovers Stürmer Thomas Brdaric. Einen Platz ließ er noch offen: Für Schweinsteiger oder Podolski?

Rudi Völler hat auf den Denkzettel von Rumänien reagiert und Vize-Weltmeister Oliver Neuville im Kader für die Fußball-Europameisterschaft durch Thomas Brdaric ersetzt. Neben dem Überraschungscoup mit dem Torjäger von Hannover 96 reservierte der Teamchef einen Platz in seinem 23-köpfigen Aufgebot für einen Neuling aus der U 21-Auswahl. Der Top-Favorit auf das Last-Minute- Ticket nach Portugal ist Senkrechtstarter Lukas Podolski.

Podolski Favorit auf den noch offenen Platz

"Lukas hat die besten Chancen", sagte Völler am Montag bei der Nominierung seines EM-Aufgebotes über den 18-jährigen Stürmer, der sich in der abgelaufenen Bundesliga-Saison mit zehn Treffern nicht nur in die Herzen der Fans des 1. FC Köln geschossen hatte. Ärgster Konkurrent ist der ein Jahr ältere Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger vom FC Bayern München, obwohl derzeit alles für den Kölner spricht. "Podolski würde uns auch positionsbedingt mehr helfen als Schweinsteiger", erklärte Völler.

Völler: "Gesunde Mischung" aus Alt und Jung

Der Teamchef berief noch zehn Vize-Weltmeister von Japan und Südkorea für die am 12. Juni beginnende EM-Endrunde in Portugal. 11 der 23 Akteure sind 25 Jahre oder jünger. Völler sieht eine "gesunde Mischung" aus erfahrenen Akteuren wie Kapitän Oliver Kahn oder Michael Ballack sowie Turnier-Neulingen wie den Stuttgarter Jungstars Kevin Kuranyi und Philipp Lahm.

Überraschende Entscheidung für Brdaric

Als dritter Torwart hinter Kahn und Jens Lehmann erhielt der Stuttgarter Timo Hildebrand "nach einer überragenden Saison" (Völler) den Vorzug gegenüber dem Schalker Frank Rost. Spektakulärer war aber der Zuschlag für Brdaric. Mit 12 Treffern war der 29-Jährige in der Bundesliga nach Martin Max (20 Tore) zweitbester deutscher Schütze und erfolgreicher als die übrigen drei nominierten Angreifer Kevin Kuranyi (11) Miroslav Klose (10) und Fredi Bobic (7).

"Thomas hat in der Rückrunde geglänzt", begründete Völler sein Votum für den 29 Jahre alten Brdaric. Die Konterstärke macht ihn zur echten Alternative, weil Kuranyi, Klose und Bobic ihre Stärken alle mehr im Strafraum haben: «Brdaric hat Kontertore wie Ailton erzielt, die ich von deutschen Spielern selten gesehen habe», erläuterte Völler. Am 27. März 2002 hat Brdaric beim 4:2 gegen die USA sein einziges Länderspiel bestritten. Bezeichnender Weise wurde er beim Rostocker 11-Minuten-Einsatz für Neuville eingewechselt, den er nun aus dem EM-Kader verdrängte.

Noch Änderungen bis 02. Juni möglich

Bis zum Ablauf der endgültigen Nominierungsfrist am 2. Juni (24.00 Uhr) kann es aber auch noch Veränderungen geben. Vor allem Verletzungen könnten dazu führen, dass Podolski und Schweinsteiger doch noch gemeinsam im EM-Flieger nach Portugal sitzen. Sie sollen sich bei der am Donnerstag beginnenden U 21-EM in Deutschland anbieten. "Ich wollte mit dem freien Platz bewusst einen Reiz setzen", sagte Völler im Hinblick auf die Junioren-Auswahl, die ums Olympia-Ticket kämpft.

Rahn-Einsatz bleibt fraglich

Insbesondere der Hamburger Christian Rahn geht nach einem gerade erst auskurierten dritten Muskelfaserriss als großer Wackelkandidat in das am Dienstag beginnende Trainingslager im Elztal. "Christian ist noch angeschlagen. Wir müssen gucken, ob er die Fitness erreicht, um bei der EM hundertprozentig da zu sein", sagte Völler skeptisch. Das erste Testspiel am Donnerstag in Freiburg gegen Malta komme noch zu früh für Rahn. Ein Ersatzmann könnte ebenfalls aus der U 21 kommen oder von der inoffiziellen Liste mit Nachrückern, zu denen der Schalker Jörg Böhme gehört. Mit Böhme hatte Völler am Sonntag ebenso telefoniert wie mit dem Bochumer Frank Fahrenhorst, der für ihn "ein Nachrücker im Abwehrbereich ist, wenn etwas passiert".

Bei der knapp zweiwöchigen Vorbereitung orientiert sich Völler an der WM 2002. Wie vor zwei Jahren bezieht man am Dienstag Quartier im Schwarzwald.

Wieder gibt es drei Testspiele: Zunächst ein erhofftes lockeres Warmschießen gegen den Fußball-"Zwerg" Malta, danach am 2. Juni ein Auswärtsspiel in Basel gegen den EM-Teilnehmer Schweiz sowie zum Abschluss (6. Juni) die EM-Generalprobe gegen die von Lothar Matthäus trainierten Ungarn in Kaiserslautern.

Drei Tage später fliegt die DFB-Elf nach Portugal, "topfit und hochmotiviert", wie Völler versprach. "Wir haben eine Mannschaft, die man erst einmal schlagen muss bei der EM. Da werden sich viele noch umschauen", sagte Völler den Gruppengegnern Niederlande, Tschechien und Lettland selbstbewusst den Kampf an.

Klaus Bergmann, DPA DPA

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