Rudis Euro-Kicker Ziege darf auch zur EM


Teamchef Rudi Völler muss personell umdisponieren: Ausgerechnet Christian Ziege ersetzt den verletzten Hamburger Christian Rahn. Der zur Zeit vereinslose Mitteldfeldspieler hat im WM-Finale 2002 sein letztes Länderspiel bestritten.

Schon am zweiten Tag der EM-Vorbereitung griff der erste Notplan, aber gegen Fußball-Zwerg Malta soll mit den schlechten Nachrichten wenigstens für einen Abend Schluss sein.

Nach einer eingehenden medizinischen Untersuchung musste am Mittwoch der Hamburger Christian Rahn für die Europameisterschaft passen. Rahn hätte wegen seines noch nicht auskurierten Faserrisses erst in zehn Tagen wieder ins Mannschaftstraining einsteigen können. Für Völler bedeutete dies ein zu großes Risiko.In einer Blitzaktion beorderte Rudi Völler daraufhin Routinier Christian Ziege in das Vorbereitungsquartier in Winden im Elztal.

"Er brennt darauf, dabei zu sein", berichtete der DFB-Teamchef über seinen Gemütszustand. Der 32-Jährige signalisierte trotz Monate langen Verletzungssorgen hundertprozentige Einsatzbereitschaft: "Dass es doch noch geklappt hat, ist echt super und ein absoluter Traum. Ich habe schon zuvor immer gesagt, dass die Nationalmannschaft mir sehr viel bedeutet und dass ich notfalls auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad komme", freute sich Ziege.

Ziege auf der Suche nach einem Verein

Christian Ziege hatte seinen letzten von 71 DFB-Einsätzen im WM-Finale 2002. Er stand zuletzt beim englischen Premiership-Club Tottenham Hotspur unter Vertrag. Der Londoner Verein hatte jedoch kein Interesse an einer weiteren Verpflichtung Zieges. Zurzeit ist der verletzungsanfällige Mittelfeldspieler auf der Suche nach einem neuen Club. "Zumindest auf der Bank", werde der gebürtige Berliner auch im Benefizspiel der DFB-Stiftung Egidius Braun am Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) gegen Malta dabei sein, kündigte Völler an.

Weitere Verletzungssorgen

Rahn war der größte, aber nicht der einzige Problemfall. Auch einige andere Spieler haben noch mit Verletzungen zu kämpfen. Der überraschend nominierte Thomas Brdaric fehlt gegen Malta wegen einer Muskelverhärtung im Oberschenkel. Sebastian Kehl (Oberschenkel- Prellung), Kevin Kuranyi (Erkältung) und Paul Freier (Fingerbruch) sind ebenfalls nicht hundertprozentig fit.

Völler hat vorsorglich auch anderen Abruf-Kandidaten noch ein Fitness-Programm verordnet. "Ich hoffe aber nicht, dass wir diesen Aderlass haben wie vor zwei Jahren." Zur WM 2002 nach Asien musste der Teamchef ohne die eingeplanten Jens Nowotny, Mehmet Scholl Sebastian Deisler, Jörg Heinrich und Christian Wörns reisen.

"Kaiser" lobt Völler-Kader

Obwohl nun schon für den ersten unmittelbaren EM-Test wieder die Spieler ausgehen, bekam Völler Rückendeckung von Franz Beckenbauer. "Der Teamchef Völler hat aus den Fehlern von Teamchef Beckenbauer gelernt", übermittelte der Bayern-Präsident via "Bild". Beckenbauer hatte 1986 vier Spieler mehr mit ins WM-Trainingslager genommen, die er dann aussortieren musste. Das sei der "Stimmungs-Killer" gewesen.

Lehmann gegen Malta im Tor - Kahn soll trainieren

Das will Völler nach dem ohnehin bedrückenden 1:5 in Rumänien unbedingt vermeiden. "Es wird uns nicht gelingen, dieses Resultat umzudrehen. Aber die positive Stimmung, die wir davor hatten, wollen wir in den nächsten drei Spielen zurück holen", betonte er. Völler stellt gegen Malta Jens Lehmann ins Tor. Seiner Nummer eins, Oliver Kahn, verordnete er dagegen auch am Spieltag eine Übungseinheit. Erst in einer Woche gegen die Schweiz wird er ins Tor zurückkehren. "Er soll die Zeit nutzen, um sich in die Form zu bringen, die wir alle von ihm erwarten", meinte Völler.

Sorgenkind Ballack

Dagegen sollen Akteure wie Miroslav Klose, Andreas Hinkel oder Nowotny durch Spielpraxis an der persönlichen EM-Form arbeiten. Spezielles Augenmerk richtet der Teamchef allerdings auf Michael Ballack. Nach einer "schwierigen Saison beim FC Bayern" soll der 27- Jährige wieder für eine solche Führungs-Rolle befähigt werden, wie er sie bei der WM vor zwei Jahren ausfüllte. Für ihn heißt es laut Völler in den Testspielen: "Je größer die Erfolgserlebnisse, umso besser geht es ihm dann."

Wiedergutmachung gegen Malta?

Völler versprach wie vor zwei Jahren beim 7:0 gegen Kuwait gegen die von seinem ehemaligen Trainer Horst Heese betreuten Malteser bedingungslose Offensive. Die Versager von Bukarest wollen sich zumindest einige "Bonuspunkte" zurück holen, wie es Paul Freier ausdrückte. "Wir müssen auch gegen Malta hundertprozentig heran gehen", meinte der Bochumer.

Jens Mende und Klaus Bergmann, DPA DPA

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