Schalke 04 Ab in den Schacht

Die Schalker haben das Spiel gegen den AS Nancy versaut. Null Mannschaftsarbeit und fehlender Durchblick beherrschten das Spiel der Blau-weißen. Das bittere Sahnehäubchen bildete der sechsmonatige Ausfall Asamoahs - Beinbruch nach Foulspiel.

Der starre Blick von Mirko Slomka sprach Bände. Dem Trainer des FC Schalke 04 fiel es extrem schwer, den doppelten Schock von Nancy zu verarbeiten. Nicht nur die über weite Strecken desolate Leistung bei der 1:3-Pleite seiner Elf und das unerwartete Scheitern in der ersten Runde des UEFA-Pokals beim französischen Vertreter AS Nancy machten ihm zu schaffen. Fast noch schlimmer war das Drama um Gerald Asamoah. Der Fußball-Nationalstürmer zog sich 20 Minuten nach seiner Einwechslung zur Pause bei einer überharten Attacke von Pape Diakhatè einen Schien- und Wadenbeinbruch zu, wurde noch nach dem Spiel am Donnerstagabend in Frankreich operiert und fällt rund sechs Monate aus.

Nahe am sportlichen Genickbruch

"Das ist ein ganz bitterer Tag für uns. Wir sind international nicht mehr im Rennen. Dazu die schwere Verletzung von Gerald. Das war für alle ein Schock", sagte der 39-jährige Slomka, der sich mit Blick auf die Bundesliga-Partie des Tabellen-Zweiten bei Bayer Leverkusen am Sonntag um eine positive Sichtweise bemühte: "Wir müssen den Kopf hoch nehmen, auch wenn der Hals dreckig ist. Solche Dinge können auch zusammenschweißen. Die nächsten Spiele sind entscheidend."

Nach den Turbulenzen um die vorübergehende Suspendierung Asamoahs, der "Maulwurf"-Affäre und der von Kapitän Marcelo Bordon zusätzlich angeheizten Dauerdiskussion um die angeblich zerstrittene Mannschaft folgte nun der sportliche und finanzielle Rückschlag. Zwangsläufig, sagen die Kritiker. "Das hat damit nichts zu tun", behauptet Andreas Müller. Der Manager glaubt nicht, "dass diese Dinge die Spieler so beeinflusst haben, dass sie dann Fehlpässe spielen, unkonzentriert und überhaupt nicht präsent sind".

Wirklich nicht? Bordons Kernaussage, er bezweifle, dass mit der Mannschaft derzeit "dauerhafter Erfolg" möglich sei, weil sie kein "eingeschworenes Team" ist, bestätigte sich im Stadion Marcel Picot. Zufall? "Das ist eine Momentaufnahme", betonte Müller. "Es war einfach ein Tag, an dem alles gegen uns gelaufen ist. Wir haben einen auf den Deckel bekommen. Jetzt müssen wir wieder aufstehen und noch enger zusammenrücken. Ich bin sicher, die Jungs werden schon in Leverkusen beweisen, dass sie eine gute Mannschaft sind."

Druck von den Franzosen, Druck von der Vereinsführung

Beim französischen Tabellen-Vierten war davon nicht viel zu sehen. Trotz guten Starts lag der Halbfinalist der Vorsaison durch Tore von André Luiz (19.), der das 1:0 der Schalker aus dem Hinspiel egalisierte, und Mareco Curbelo schon nach 25 Minuten 0:2 zurück. In der 70. Minute legte der überragende Issiar Dia das dritte Tor nach, ehe Bordon (78.) mit dem 1:3 bei den rund 1300 Schalke-Fans noch einmal Hoffnung aufkommen ließ. "Wir haben bis zum Ende alles versucht", sagte Slomka, der zu allem Überfluss vom spanischen Schiedsrichter Eduardo Gonzalez vom Feld geschickt wurde (49.).

Die Auswirkungen der Pleite sind noch nicht absehbar. Sicher ist, dass dem klammen Revierclub rund drei Millionen Euro fehlen, die als Einnahme aus der Gruppenphase eingeplant waren. Der finanzielle Verlust könne kompensiert werden, wenn "wir in der Bundesliga vorn mitspielen und im DFB-Pokal weit kommen. Wir müssen uns jetzt auf diese beiden Wettbewerbe konzentrieren", sagte Müller. Das Erreichen eines Champions-League-Platzes wird damit immer mehr zur Pflicht, der Druck nimmt zu. "Wir müssen uns diesem Druck stellen", sagte Hamit Altintop. Müller will das Fazit erst am Saisonende ziehen: "Dann wissen wir, ob wir das Team weiter verstärken können oder nicht."

Ulli Brünger/DPA DPA

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