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Schiedsrichter-Studie: Eigentlich müsste Schalke Meister sein

Spielt Bayern München im neuen Stadion künftig noch erfolgreicher? Einer Studie zufolge pfeifen Schiedsrichter in reinen Fußballarenen anders als in Allzweckstadien - sehr zur Freude der Heimmannschaften.

Wenn der Fußball streng wissenschaftlichen Kriterien gehorchen würde, wäre Schalke 04 und nicht Bayern München Deutscher Meister 2005. Eine Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und der Universität Bonn belegt nämlich, dass Bundesligaclubs mit reinen Fußballstadien, also solche ohne Tartanbahn, eklatante Heimvorteile genießen. Für die am Dienstag veröffentlichte Studie haben die Ökonomen mehr als 3500 Begegnungen unter die Lupe genommen.

Eines der Ergebnisse: Die Schiedrichter gestanden zurückliegenden Heimteams in Stadien ohne Laufbahn erheblich mehr Nachspielzeit zu. So hatten Heimmannschaften länger die Chance, den Rückstand noch wettzumachen. In konkreten Zahlen ausgedrückt: Wenn das Heimteam ein Tor zurücklag, verlängerte sich die Nachspielzeit gegenüber der Situation "Heimteam ein Tor vor" um fast eine Minute - allerdings galt das nur für Stadien ohne Tartanbahn. War das Spielfeld durch eine Laufbahn von den Rängen getrennt, war die Nachspielzeit dagegen unabhängig vom Spielergebnis. "Wahrscheinlich ist der Schiedsrichter einem höheren sozialen Druck ausgesetzt, wenn sich die Zuschauer direkt am Spielfeld befinden", sagt der Forscher Thomas Dohmen über dieses Ergebnis.

Dafür, dass sich Schiedsrichter unbewusst dem Zuschauer-Druck beugen, spricht auch eine weitere Beobachtung: Je näher die rivalisierenden Teams beieinander wohnten, desto geringer fiel die Begünstigung der Heimmannschaft durch den Unparteiischen aus. "Je näher der Gegner, desto mehr Fans fahren zu einem Auswärtsspiel", sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der am IZA und der Universität Bonn forscht. "Zu weit entfernten Spielen reisen dagegen weit weniger Fans von auswärts an. Umso erdrückender ist dort natürlich die Heimmacht auf den Rängen und damit der Druck auf den Referee."

Für seine Studie "Sozialer Druck beeinflusst die Entscheidungen von Individuen" hat Dohmen insgesamt 3519 Erstliga-Begegnungen zwischen 1992 und 2003 unter die Lupe genommen. Dabei griff er auf Daten der Firma "Innovative Medientechnik und Planung" (IMP) zurück. Die IMP sammelt pro Spiel mehr als 2000 Einzelfakten - darunter zum Beispiel die Länge der Nachspielzeit. Zusätzlich bewertet sie, ob die Schiedsrichter-Entscheidungen im jeweiligen Spiel korrekt waren. Laut IMP-Daten waren fünf Prozent der Torentscheidungen für das Heimteam umstritten oder gar falsch. Für das Auswärtsteam lag diese Quote bei vier Prozent. Auch hier gilt: Wenn die Zuschauer näher am Geschehen sind, trifft der Unparteiische eher eine umstrittene oder falsche Entscheidung.

Umstrittene Entscheidungen für die Hausherren

Das gilt auch für Strafstöße: 857 Mal entschied der Schiri vom Beginn der Saison 1993/94 bis zur Winterpause 2003/04 auf Elfmeter. Unabhängig vom Stadiontyp zählten die IMP-Experten häufiger falsche oder umstrittene Entscheidungen für die Hausherren: Die Referees gaben 35 Prozent aller "Heim-Elfer" zu Unrecht. Bei Strafstößen für die Gäste lag die Quote hingegen nur bei 28 Prozent.

Dass die Formel "Richtiges Stadion = Deutscher Meister" nicht aufgeht, macht Bayern München seit Jahren vor. Aber vielleicht wird es ab der nächsten Saison trotzdem noch schwieriger, in München zu gewinnen. Denn in Kürze zieht der Rekordmeister in die neue Allianz Arena um - und die hat keine Laufbahn.

AP / AP

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