Stefan Effenberg exklusiv Hoffenheim und Rangnick sind nur Durchschnitt


Wenig überrascht zeigt sich stern.de-Experte Stefan Effenberg über den Abwärtstrend bei der TSG Hoffenheim. Effe macht sich auch seine Gedanken über die Außendarstellung von Ralf Rangnick. Einen Rat über hat Bayerns Ex-Kapitän für Bremens Krisen-Coach Thomas Schaaf.

Neuer Trainer, keine Wirkung: Bei Hannover 96 wird die Situation nach der Heimpleite gegen Nürnberg immer brenzliger. Und Mirko Slomka, den ich sehr schätze, tut mir irgendwie Leid. Er wusste, was er sich mit seinem neuen Job bei den Niedersachsen antun würde. Umso mehr bewundere ich ihn dafür - weil es ja auch perspektivisch, was seine berufliche Zukunft betrifft, ein heikles Unterfangen ist. Scheitert er in Hannover, ist er als Trainer erstmal weg von der Bildfläche. Die Qualität bei den "Roten" reicht einfach nicht aus. Genau das ist Slomkas Problem. Ich weiß nicht, wie sehr der Tod von Robert Enke die Spieler immer noch belastet. Aber so schlimm das alles auch war, dieser tragische und unfassbare Fall darf kein Alibi mehr sein. Auch weil inzwischen viel Zeit vergangen ist - und ja auch ein neuer Trainer am Ruder ist. Es wird für Hannover ganz schwer, die Klasse zu halten. Slomka könnte dafür dann nichts.

Die Leistungen der TSG Hoffenheim überraschen mich ebenfalls nicht. Der Club steht exakt dort, wo er hingehört: im Mittelfeld. Das Team hat in der Hinrunde der letzten Saison weit über die eigenen Verhältnisse gespielt. Das hat so manchem dort im Umfeld den Blick für die Realität verstellt. Rangnick hat ein durchschnittliches Team in der Bundesliga etabliert, in der Spitze hat diese Mannschaft aber nichts zu suchen. Noch zwei Sätze zum Trainer: Ich finde, dass Ralf Rangnick ein bisschen mehr Lockerheit gut zu Gesicht stehen würde. Er wirkt immer so verbissen und verbiestert. Als Spieler - und das weiß ich aus eigener Erfahrung - braucht man auch mal einen lustigen Spruch seines Trainers. Selbstironie und Humor, das sind zwei Tugenden, die ein Trainer meines Erachtens unbedingt mitbringen muss - auch um Erfolg zu haben. Bei Rangnick habe ich da so meine Zweifel.

Werders Krise ist für mich dagegen eine der Negativüberraschungen dieser Saison. Mensch, diese Klasse-Mannschaft gehört für mich auf einen der drei ersten Plätze. Vieles ist bei den Bremern hausgemacht. Özil wurde mir beispielweise viel zu früh zum Superstar hochstilisiert. Das geht mir in Deutschland sowieso immer zu schnell, kaum macht einer drei gute Spiele am Stück, genießt er bereits Heldenstatus. Es war doch völlig klar, dass Özil nicht sofort in Diegos Fußstapfen treten würde. Diego ist Diego, der Brasilianer ist ein Weltstar. Özil steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Sicher hat er gute Anlagen, aber ob er jemals ein Spieler von internationalem Format wird, muss er erst noch beweisen. Eines ist schon mal klar: Özil übernimmt bei Werder keine Verantwortung, das sieht man derzeit Woche für Woche. Umso wichtiger, dass die alten Haudegen Frings und Pizarro sich dieser stellen. Vielleicht muss auch Per Mertesacker mal ein bisschen lauter werden, er ist ein gestandener Nationalspieler. Da muss man von ihm erwarten. Ich bin ein Fan von Thomas Schaaf, aber auch von ihm erwarte ich in dieser für Werder so gefährlichen Situation, dass er Dinge umstellt. Ich glaube, die Bremer Politik der ruhigen Hand ist jetzt für die Spieler das völlig falsche Signal.


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