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Südafrika: Rückflug zum Arbeitsamt

Der südafrikanische Fußball steckt tief in der Krise. Trainer Stuart Baxter steht im Testspiel gegen Deutschland mächtig unter Druck.

Von Klaus Bellstedt, Bremen

"Bafana, Bafana" ("Die Jungs") werden die Spieler der südafrikanischen Nationalmannschaft in ihrer Heimat gerufen. Aber zuletzt wurden die Anfeuerungsrufe der Fans immer leiser. Und spätestens nach der jüngsten 1:3-Niederlage gegen Burkina Faso und dem damit verbundenen Scheitern in der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland sind sie ganz verstummt.

Die Mannschaft von Coach Stuart Baxter belegt in der Afrika-Gruppe 2 nur noch den dritten Platz hinter Ghana und der demokratischen Republik Kongo und hat damit erstmals seit 1994 wieder eine WM-Endrunde verpasst. Schon das Testspiel gegen die deutsche Nationalelf am Mittwoch in Bremen (ab 20.15 Uhr live in der ARD) ist für das Team vom Kap der guten Hoffnung gleichbedeutend mit einem Neuanfang. Die Zukunft von Trainer Stuart Baxter ist dabei mehr als ungewiss.

Stars verdienen in Europa ihr Geld

Aber egal, ob mit Baxter oder ohne ihn, Südafrika will schon jetzt mit dem Aufbau einer jungen Mannschaft beginnen, die wenigstens 2010 konkurrenzfähig sein soll. Denn dann finden die Titelkämpfe im eigenen Land statt. Um den erst 24-jährigen Kapitän Aaron Mokoena, der in der englischen Premier League bei den Blackburn Rovers unter Vertrag steht, sollen weitere junge Spieler wie Steven Pienaar (23, Ajax Amsterdam), Elrio van Heerden (22, FC Kopenhagen) oder Nasief Morris (24, Panathinaikos Athen) das Gerüst des Teams 2010 bilden.

Die Jungstars, aber auch Routiniers und Leistungsträger wie Dortmunds Delron Buckley, Bielefelds Sibusiso Zuma oder Portos Torjäger Benny McCarthy verdienen ihr Geld allesamt auf dem europäischen Kontinent. In ihrer Heimat am Kap werden sie als Zugpferde schmerzlich vermisst. Dazu kommt, dass sich die nachrückenden Talente in der von chaotischen Umständen begleiteten nationalen Liga nicht entwickeln können. Insofern wäre eine WM-Teilnahme in Deutschland doppelt wichtig gewesen, hätte sie doch neben finanziellem Nutzen auch eine neue Aufbruchstimmung einleiten und vom Wirrwarr in Südafrika ablenken können.

Coach Baxter vor der Entlassung

Der einst rasante Aufstieg der "Bafana Bafana", der mit dem Gewinn der Afrika-Meisterschaft im Jahr 1996 seinen vorläufigen Höhepunkt fand, ist endgültig gestoppt. Man darf gespannt sein, wie sich das Team im Test gegen Deutschland in der ersten Partie nach der verpassten WM-Qualifikation präsentieren wird. Gut möglich, dass der englische Trainer Stuart Baxter nach den 90 Minuten von Bremen seinen Rückflug als arbeitsloser Coach antreten muss. Und im Hinblick auf 2010 wäre eine Trainerentlassung vermutlich das richtige Zeichen für einen echten Neustart.

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