Tim-Wiese-Patzer "Diesmal war alles scheiße"


Sollte Bremen nach dem Rückspiel gegen die Glasgow Rangers aus dem Uefa-Pokal fliegen, steht der Schuldige bereits fest: Mit zwei fatalen Fehlgriffen sorgte Werder-Keeper Tim Wiese Bremen allein für eine unnötige Niederlage im Hinspiel - es war nicht das erste Mal.

Nach dem Abpfiff wurde es so richtig einsam um Tim Wiese. Keine tröstenden Worte, kein aufmunternder Klaps - separiert wie ein Aussätziger trottete der sonst so extrovertierte Torhüter in sich gekehrt in die Kabine. Erst jetzt schien es dem Keeper langsam zu dämmern, was er da im Ibrox Park angerichtet hatte.

Ein Anfängerfehler in der 45. und ein weiterer schwerer Patzer in der 48. Minute waren gleichbedeutend mit einer 0:2 (0:1)-Niederlage von Werder Bremen bei den Glasgow Rangers und einer fast tonnenschweren Hypothek für das Rückspiel am 13. März in der Hansestadt. Nach dem Ausscheiden im Achtelfinale des DFB-Pokals könnte die Runde der letzten 16 nun auch im Uefa-Cup die Endstation bedeuten.

Wiese schenkte Glasgow die Tore

"Von einem erneuten Werder-Wunder will ich nicht sprechen, aber wir müssen wohl wieder im Weserstadion einen großen Abend fabrizieren", formulierte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs die Marschroute für das Gastspiel des schottischen Rekordmeisters an der Weser. Fast eine Halbzeit roch es nach höchst mittelmäßigem Fußball auf beiden Seiten nach einem 0:0, mit dem die Gäste prima hätten leben können, ehe Wiese den Rangers "die Tore geschenkt hat", wie Allofs durchaus kritisch anmerkte.

Sekunden vor dem Pausenpfiff ließ der 26-Jährige einen Verzweiflungsschuss von Daniel Cousin durch die Hände ins Tor gleiten, drei Minuten nach Wiederbeginn konnte er eine Hereingabe von Cousin nicht festhalten, Steven Davis staubte ab. Zur Erklärung für seine beiden Aussetzer hatte der Schlussmann nur Allgemeinplätze parat: "Dumm gelaufen, an diesem Abend sollte es einfach nicht sein. Diesmal war alles scheiße, aber da muss man eben durch."

Ein Fehlgriff wie vor zwei Jahren

Ganz so schnell wie ihr Torwart konnten und wollten seine Teamkollegen dann aber doch nicht zur Tagesordnung übergehen. Schließlich hatte Wiese schon vor fast genau zwei Jahren durch einen ähnlich haarsträubenden Fehlgriff in der Champions League die fast sichere Qualifikation für das Viertelfinale vermasselt. "Bis zum ersten Gegentor war eigentlich gar nichts passiert", ließ Mittelfeldregisseur Diego übersetzen und warf dabei dem nur fünf Meter entfernt stehenden Wiese einen halb kritischen, halb fragenden Blick zu.

Und selbst Trainer Thomas Schaaf hob zwar hervor, dass man "als Mannschaft verloren" habe, kam aber auch nicht umhin, die Fehler von Wiese klar anzusprechen: "Wir haben uns selbst geschlagen und müssen nun zusehen, dass wir in Bremen etwas gut machen."

Rangers sind auswärtsstark

Wahrlich keine leichte Aufgabe, denn die Schotten, die schon vor eigenem Publikum erstaunlich viel Wert auf eine solide Defensivarbeit legten, gelten gerade in dieser Saison als ausgesprochen auswärtsstark. So gelang ihnen beispielsweise in der Vorrunde der Champions League ein fast sensationeller 3:0-Sieg beim französischen Abonnement-Meister Olympique Lyon.

Doch vor der Kür im Uefa-Cup steht bereits am Samstag (15.30 Uhr/im stern.de-Liveticker) die Bundesliga-Pflicht mit einem Gastspiel beim deutschen Meister VfB Stuttgart auf dem Programm. Eine weitere Niederlage könnte dort bereits die letzten Meisterschaftsträume platzen lassen. Entgegen den ursprünglichen Planungen ließ Schaaf den Flug nach Stuttgart um vier Stunden vorverlegen, um das Abschlusstraining in Sindelfingen statt in Glasgow absolvieren zu können.

Die dennoch knappe Vorbereitungszeit soll aber keinen Anlass zu Ausreden geben, "auch wenn wir lieber mit einem Erfolgserlebnis nach Stuttgart gekommen wären", wie Mannschaftskapitän Frank Baumann einräumte. Auch Allofs erwartet, dass sich die Spieler zusammenreißen: "Die Alternative, nicht anzutreten, gibt es ja nun mal nicht."

Andreas Frank/SID SID

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