HOME
Kommentar

Timo Werner von RB Leipzig: Peinliche Schwalbe - doch Ralf Rangnick ist Fairplay egal

Eine billige Schwalbe von Timo Werner leitete Schalkes Niederlage in Leipzig ein. RB-Sportchef Ralf Rangnick zeigt sogar Verständnis für seinen Spieler. Damit tritt er den Fairnessgedanken mit Füßen.

Ralf Rangnick über Timo Werner

Ralf Rangnick nahm seinen Spieler Timo Werner in Schutz, der eine offensichtliche Schwalbe produziert hatte.

Schiedsrichter Bastian Dankert war nach dem Abpfiff der Partie die ärmste Sau im Stadion. Er hatte mit seinem Elfmeterpfiff Schalke auf die Verliererstraße gebracht, war nach nur 19 Sekunden auf Timo Werners billige Flugeinlage hereingefallen. Zwar hatte Dankert den vermeintlich gefoulten nach eigener Aussage befragt. Doch "da kam nix", wie der Referee nach dem Spiel zu Protokoll gab.

Timo Werner hätte also die Möglichkeit gehabt, seinen Fehler noch vor Ausführung des Elfmeters zu korrigieren. Hätte als sportliches Vorbild aus dem Abend hervorgehen können. Der 20-Jährige zog es jedoch vor, auch nach dem Spiel weiter zu behaupten, er sei gefoult worden. Ein Trikotzupfer von Naldo soll seinen Sturz ausgelöst haben - obwohl er danach noch mehrere Schritte weiterlaufen konnte.

Von nun an gilt Timo Werner als Schwalbenkönig

Damit hat sich Werner vor einem Millionenpublikum als Lügner geoutet. Als ein Spieler, dem der Fairnessgedanke nichts bedeutet. Die Quittung wird er in den kommenden Wochen bekommen, wenn er zu Auswärtsspielen in andere Stadion reist und dort ausgepfiffen wird. Fans verachten nichts mehr als Schwalbenkönige - Arjen Robben kann ein Lied davon singen.

So enttäuschend Werners Verhalten ist - er ist nicht der erste Spieler, und wird auch nicht der letzte sein, der sich mit unsportlichen Mitteln einen Vorteil verschafft. Schlimm ist, dass dieses Verhalten von der Leipziger Vereinsführung gedeckt wird. Bei seinem Interview im "Aktuellen Sportstudio" gestand RB-Sportchef Ralf Rangnick zwar ein, dass es kein Elfmeter war - was hätte er auch anderes sagen sollen angesichts der Fernsehbilder? -, wollte seinen Stürmer jedoch nicht kritisieren. 

Ob er sich gewünscht hätte, dass Werner klarer zum Schiedsrichter geht und den Irrtum aufklärt, wurde der Sportfunktionär gefragt. Seine Antwort zeigt deutlich, wie wichtig ihm Fairplay ist: "Wir müssen bei allem Fairnessgedanken irgendwo die Kirche im Dorf lassen", konterte Rangnick. "Dass ein Spieler in so einer Situation von sich aus zum Schiedsrichter geht und sagt: 'War kein Elfmeter, nehmen Sie den wieder zurück' - Weiß ich nicht, ob man das von dem Spieler verlangen kann."

Es gibt Vorbilder im Fußball

Aber warum eigentlich nicht? Ist nicht genau das die Art von Profi, die wir uns wünschen? Spieler wie Bastian Schweinsteiger, die auf dem Platz unermüdlich kämpfen, dabei jedoch immer sportlich bleiben und den Gegner respektieren. Der Fußball lebt von diesen Vorbildern. Denn sie zeigen: Erfolg und Fairness schließen sich nicht aus.

Natürlich geht es im Fußball um vieles: Geld, Siege, Titel. Ein Spieler ist immer verführt, die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten. Aber wir reden hier nicht von der 89. Minute in einem Pokalfinale. In einer solchen Situation wäre immerhin nachvollziehbar, wenn ein Spieler keine Courage zeigt.

Werners Schwalbe ereignete sich jedoch nach 19 Sekunden. Auch ohne den geschenkten Elfer hätte RB Leipzig 90 Minuten Zeit gehabt, um das Spiel gegen Schalke 04 zu gewinnen - sogar auf faire Weise. Wann, wenn nicht in dieser Situation, kann man von einem Spieler sportlich korrektes Verhalten erwarten?

Rangnick hat klar gemacht, dass zumindest er genau das von seinen Spielern nicht erwartet. Fairness ist für ihn offenbar ein Luxusgut, nicht der Kern des Sports. Damit zeigt er aber auch: Der Bulle stinkt vom Kopf her.

Wissenscommunity