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Trainerwechsel: Löw macht den Klinsmann

Jürgen Klinsmann hat seinen Rücktritt erklärt. Sein bisheriger Assistent Joachim Löw wird neuer Bundestrainer. Er fühle sich ausgebrannt, begründete Klinsmann seinen Schritt auf einer bewegenden Pressekonferenz.

Die Ära Jürgen Klinsmann ist nach nur zwei Jahren beendet - jetzt soll der bisherige Assistenzcoach Joachim Löw als neuer Bundestrainer die Nationalmannschaft zum EM-Titel 2008 führen. In einer bewegenden Pressekonferenz begründete Klinsmann am Mittwoch in Frankfurt seinen Rückzug mit dem großen Wunsch, nach der WM "wieder in die Normalität mit der Familie zurückzukehren". Löw versprach, den Weg mit jungen Spielern und attraktivem Fußball fortzusetzen. Dies sei die einzige Möglichkeit, sich dauerhaft an der Weltspitze zu etablieren. Die Führungsspieler Michael Ballack und Jens Lehmann äußerten sich zufrieden mit der Wahl des neuen Bundestrainers.

Die bisherigen Bundestrainer

Dr. Otto Nerz

1926-1936

Sepp Herberger

1936-1964

Helmut Schön

1964 -1978

Jupp Derwall

1978-1984

Franz Beckenbauer

1984-1990

Berti Vogts

1990-1998

Erich Ribbeck

1998-2000

Rudi Völler

2000-2004

Jürgen Klinsmann

2004-2006

Joachim Löw

2006-?

Klinsmann will erstmal kein Angebot annehmen

Jürgen Klinsmann musste während der Pressekonferenz immer wieder mit den Tränen kämpfen. "Ich habe das Gefühl, innen einfach ausgebrannt zu sein", begründete er seinen Schritt. Er habe sehr viel Kraft gelassen während der letzten zwei Jahre und fühle sich absolut nicht im Stande, diese Arbeit mit der gleichen Energie weiter zu führen. Seine Zukunft ließ der 41-Jährige offen: "Ich habe vor, mir absolut erst einmal ein halbes Jahr Urlaub zu gönnen. Ich werde in keinster Weise irgendetwas anderes annehmen." Er sei froh, zunächst wieder in sein früheres Geschäftsleben zurückzukehren. Klinsmann warb darum, die von ihm eingeführte Spielphilosophie und Spielkultur mit noch mehr Leben zu erfüllen. Der frühere Nationalspieler und Weltmeister zeigte sich überzeugt davon, dass Löw die beste Wahl für seine Nachfolge ist: "Für mich war Löw nie ein Assistenztrainer." Vielmehr habe dieser die eigentliche Arbeit verrichtet und von Training bis hin zu Videoanalysen alles selbstständig geführt. Er selbst habe eher die Funktion eines Supervisors gehabt, der schaue, das eins ins andere greife.

Bedauern über Entscheidung

Die Führung des Deutschen Fußball-Bundes bedauerte ebenso wie Spieler und Politiker die Entscheidung Klinsmanns und würdigte zugleich dessen "im Grunde unvorstellbare" Leistung, wie DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sagte. Klinsmann habe der Mannschaft Glaube und Zuversicht gegeben und eine Bewegung in das ganze Volk gebracht, wie er sie sich nicht habe vorstellen können. Teammanager Oliver Bierhoff zeigte sich zuversichtlich, dass der Erfolg fortgesetzt werden kann: "Wir haben ein Gerüst aufgebaut, das auch ohne Klinsmann funktioniert und funktionieren muss."

Projekt EM-Titel 2008

Der neue Bundestrainer Löw erhält einen Zweijahresvertrag erhielt; er versprach, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen, und gab den Gewinn der Europameisterschaft als klares Ziel aus und: "Wir haben eine junge Mannschaft, die immer noch in der Entwicklung steckt, die bei der WM Großartiges geleistet, den attraktivsten und schönsten Fußball gespielt und viele Herzen gewonnen hat." Deutschland habe ein Ensemble hoch qualifizierter Spieler - darunter auch viele Talente, die noch an das Nationalteam herangeführt werden sollten.

Noch keine Entscheidung über neuen Assistenten

Keine Entscheidung ist nach Angaben des neuen Bundestrainers bislang über den künftigen Assistenzcoach gefällt. Dieter Eilts werde auf jeden Fall weiterhin die U-21-Mannschaft betreuen. Auch den Trainer vom FSV Mainz, Jürgen Klopp, schloss er als Kandidaten aus. Mayer-Vorfelder wünschte Löw neben Erfolg im Fußball auch Standfestigkeit: "Es werden wieder Angriffe kommen", sagte der DFB-Präsident mit Blick auf die frühere Kritik etwa an neuen Trainingsmethoden.

Froben Homburger/AP / AP

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