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Unruhe bei Werder: Allofs bestellt Klose zum Rapport

Früher liebten ihn die Werder-Fans, heute beschimpfen sie ihn als "Bayern-Schwein". Für Miro Klose brechen nach seiner desolaten Vorstellung bei Bremens 0:3-Pleite in Barcelona schwere Zeiten an: Die Clubführung droht Klose wegen seines Flirts mit den Bayern jetzt Konsequenzen an.

Die Wut und der Frust der Werder-Fans trafen vor allem Miroslav Klose. "Wir wollen keine Bayern-Schweine", schrie ein Teil der rund 500 mitgereisten Bremer Anhänger nach der 0:3- Niederlage bei Espanyol Barcelona. Der einstige Liebling ist durch die Meldungen über ein Geheimtreffen mit Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß und Trainer Ottmar Hitzfeld zwei Tage vor der wichtigen Uefa-Cup-Partie in der Gunst tief gesunken. Die Vereinsführung reagierte nun und bestellte den Spieler und seinen Berater zum Rapport, Trainer Thomas Schaaf drohte nach der schwachen Leistung zudem mit der Ersatzbank beim Spiel am Sonntag in Bielefeld.

"Es scheint sich zu verdichten, dass es dieses Treffen gegeben hat", sagte Manager Klaus Allofs, der ein Telefonat von Klose-Berater Alexander Schütt erhalten haben soll. "Ich hatte in den letzten Tagen kein Interesse, das Thema zu behandeln", erklärte Allofs. "Ich ziehe es vor, mit dem Spieler und dem Berater persönlich zu reden. Wir haben auch großes Interesse zu erfahren, was da wirklich gelaufen ist." Einen Wechsel Kloses zu den Bayern hatte er bereits kategorisch ausgeschlossen.

Elf Ballkontakte, ein Torschuss

Schaaf, der seinen Stürmerstar bei der 0:3-Niederlage in Barcelona ausgewechselt hatte, entzog dem WM-Torschützenkönig die Stammplatzgarantie. "Ob wir am Sonntag in Bielefeld mit Miro oder ohne ihn spielen, werden wir sehen", sagte der Trainer. Man müsse die Leistung hinterfragen. "Miro ist ein wichtiger Teil der Mannschaft, aber die Mannschaft steht an erster Stelle."

An Klose ist der Wirbel um seinen zukünftigen Verein offensichtlich nicht spurlos vorübergegangen. Der Stürmer bot gegen Espanyol eine erschreckende Vorstellung und lieferte das schwächste Spiel in einer Reihe von mehreren schlechten Partien in dieser Saison ab. Gerade einmal elf Ballkontakte hatte der WM- und Bundesliga-Torjäger des vergangenen Jahres - das dürften weniger als bei den meisten Balljungen gewesen sein. Klose, der seit Monaten über seine Zukunft grübelt und mit dem FC Bayern und dem FC Barcelona in Verbindung gebracht wird, spielte zaghaft und zögerlich.

"So einfach machen wir es uns nicht"

Dass die Berichterstattung der vergangenen Tage Einfluss auf seine Leistung gehabt habe, wies Klose zurück. "Ich habe mich aufs Spiel konzentriert. Es wird so viel verbreitet, dass mich das gar nicht mehr beschäftigt", versicherte der Nationalstürmer. Mehr war von ihm zu diesem Thema nicht zu erfahren. Die Meldungen über ein Treffen mit den Bayern-Verantwortlichen wollte er nicht dementieren. Zu Berichten spanischer Zeitungen über einen möglichen Wechsel zum FC Barcelona äußerte er sich nicht.

"Es wird viel geschrieben und erzählt", sagte Klose und verweigerte die Beantwortung weiterer Fragen: "Sie können mich zum Spiel fragen, zu allem anderen sage ich nichts." Zu der verlorenen Partie erklärte er: "Es lag daran, dass wir als Mannschaft ziemlich versagt haben, dass keiner auch nur annähernd an seine Leistung gekommen ist."

Das Wechsel-Thema zehrt augenscheinlich aber nicht nur an den Nerven von Klose, dessen Vertrag bei Werder noch bis 2008 läuft. Einen Zusammenhang mit dem schwachen Auftritt der Mannschaft wollte aber kein Bremer herstellen. "Diese Niederlage an den Schlagzeilen festzumachen ist absoluter Blödsinn", sagte Nationalspieler Clemens Fritz. Und Manager Allofs erklärte: "Das wäre eine Ausrede. So einfach machen wir es uns nicht. Wenn es so wäre, hätte es die Mannschaft auch schon die letzten Wochen belasten müssen."

DPA/kbe

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