Vor dem Island-Spiel Kampf und Ballack appellieren an die deutschen Tugenden


Nur der Sieg zählt im heutigen wichtigen EM-Qualispiel in Reykjavik. Während Kahn und Co. die deutschen Tugenden beschwören, setzt das isländische Team auf Mannschaftsgeist und ... Elfen.

Schon nach der Landung auf dem Flughafen «Keflavik» blies den deutschen Nationalspielern bei kühlen 13 Grad und Regen ein stürmischer Wind entgegen. Mit dem größten Druck seit der Fußball-Weltmeisterschaft in Asien und weiter gewachsenen Personalproblemen gehen Kapitän Oliver Kahn und Co. an diesem Samstag (19.30 Uhr/ARD) in das Europameisterschafts-Qualifikationsspiel gegen Tabellenführer Island. "Jetzt wird’s eng", sagte Rudi Völler, als er von seinen Sorgen um die Einsatzfähigkeit der Mittelfeldspieler Bernd Schneider und Jens Jeremies berichtete.

"Es zählen nur die drei Punkte"

Ob mit oder ohne dem an einem Virus erkrankten Schneider sowie dem wieder über Knie-Probleme klagenden Jeremies: Eine Bauchlandung im "Laugardalsvöllur"-Stadion wäre vier Tage vor dem zweiten Schlüsselspiel in Dortmund gegen Schottland fatal. "Es zählen nur die drei Punkte", betonte Michael Ballack und wies mit diesen wenigen Worten eindringlich darauf hin, dass die Diskussionen um Sebastian Deislers Comeback oder verletzt fehlende Leistungsträger keine Rolle spielen dürfen. "Die Mannschaft weiß, worum es geht", unterstrich auch Völler: «Wir spielen gegen den Tabellenführer.»

Kahn appelliert an deutsche Tugenden

Das solle mal auch auf dem Platz spüren. Mehr Durchsetzungsvermögen und Schlagkraft wünscht sich auch der Kapitän Oliver Kahn. "Wir haben zuletzt gegen Italien phasenweise guten Fußball gespielt. Aber uns fehlt der Killer-Instinkt.", wird der Tortitan in der "Bild" zitiert.Mehr Kampfwillen also ! Dafür spielt es eigentlich keine Rolle, ob jetzt Deisler auflaufen wird oder nicht. "Alles ist möglich", hält sich Völler weiter alle Optionen offen.Wie das Problem auf der linken Außenbahn zu lösen ist, bleibt auch noch Betriebsgeheimnis. Doch ein Einsatz von Christian Rahn, dem 24-jährigen Hamburger, wird immer wahrscheinlicher." Das hat schon Sinn. Rahn ist sehr jung und hat Entwicklungsmöglichkeiten", ließ sich Rudi entlocken. In der Problemzone Angriff sind die Würfel bereits zugunsten von Miroslav Klose und Oliver Neuville gefallen. "Gegen Italien haben wir zu viele Torchancen ausgelassen, das muss sich wieder ändern", gelobte Klose Besserung.

Euphorie in Island

Die isländische Nationalmannschaft schwebt dagegen auf einer Euphoriewelle und muss über keine Verletzungssorgen klagen. "Das ist das größte Spiel in der Geschichte des isländischen Fußballs", sagt Thordur Gudjonsson vom VfL Bochum stolz. Das Nationalstadion «Laugardalsvöllur» in Reykjavik bietet nur 7000 Zuschauern Platz, sonst hätte man nach Angaben des Nationaltrainers Asgeir Sigurvinsson 20 000 Zuschauer begrüssen können. Eine immense Anzahl, bedenkt man, daß auf der gesamten Insel nur 286 000 Menschen leben.

"Wir sind noch nie so nah dran gewesen"

Und die sportliche Bilanz in der Em-Quali übertrifft bisher alle Erwartungen. Mit drei Siegen in den drei Spielen seit der Amtsübernahme des ehemaligen Stuttgarters Sigurvinsson hat der Außenseiter die Tabellenführung in Gruppe 5 erobert und würde mit einem Heimerfolg gegen die auf Rang zwei zurück gefallenen Deutschen der direkten Qualifikation für die EM-Endrunde 2004 in Portugal ganz nahe kommen. "Wir sind noch nie so nah dran gewesen an einem großen Turnier", stellte der in Deutschland noch gut bekannte Island-Coach fest.

Die Kraft des Aberglaubens

Island sieht sich trotzdem als Aussenseiter im Duell mit dem dreifachen Weltmeister. "Deutschland muss das Spiel gewinnen, wir wollen gewinnen", bemerkt Sigurvinsson verschmitzt. Er setzt auf den Teamgeist der größtenteils in England spielenden Profis. "Wir spielen mit Herz - und hoffen auf ein bisschen Glück." Und ein bisschen Aberglaube kommt auch noch hinzu: "Wir glauben in Island an ungewöhnliche Kräfte", verriet der Bochumer Gudjonsson - zum Beispiel an Elfen: "Diese Geschichte gibt es über 100 Jahre."

DPA

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