HOME

Wettskandal: "Digga, jetzt bist du mein Mann"

Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer hat am fünften Verhandlungstag dem Mitangeklagten Ante S. widersprochen: Nicht er, sondern der Kroate sei es gewesen, der die Initiative zur Spielmanipulation ergriffen habe.

Im Prozess um Spiel- und Wettmanipulation im deutschen Fußball hat Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer wesentliche Aussagen des mitangeklagten Wettprofis Ante S. als unwahr zurückgewiesen. Beim fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin erklärte Hoyzer, er habe die Zusage zur ersten gemeinsamen Spielmanipulation im "stark alkoholisierten" Zustand gegeben. Er habe "dann erstmal zugesagt". Ante S. hatte dagegen zuvor erklärt, in der Anfangsphase sei die Initiative von Hoyzer ausgegangen.

Hoyzer bestritt außerdem, dass er nach der ersten manipulierten Partie - es handelte sich demnach um die Begegnung Paderborn gegen Chemnitz am 22. Mai 2004 - um ein weiteres Spiel "gebettelt" habe. Gleichwohl habe er beim Spiel Wuppertal gegen die Amateure von Werder Bremen das Spiel im Sinne von Ante S. manipuliert und einen Strafstoß für Wuppertal gegeben, "den man geben konnte, aber nicht musste". Nach dem Sieg der Wuppertaler habe ihm Ante S. eine SMS mit den Worten: "Dicker, jetzt bist Du mein Mann." geschickt. Insgesamt habe er 4000 Euro für diese Manipulation bekommen. Hoyzer sagte weiter, er habe nie Geld auf ein von ihm manipuliertes Spiel gesetzt, wie Ante S. das behauptet habe. "Ich möchte nochmals unterstreichen, dass ich auf keines meiner Spiele jemals gewettet habe."

Haftstrafen bis zu zehn Jahren

Neben Hoyzer und Ante S. sind dessen Brüder Milan und Filip sowie der Ex-Schiedsrichter Dominik Marks und der ehemalige Chemnitzer Fußballprofi Steffen Karl angeklagt. Ihnen drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Aus dem Umfeld des Prozesses verlautete, Hoyzer gehe von einer auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe aus. Den Anwälten von Hoyzer wurde derweil eine so genannte Streitverkündung übergeben, sagte der Anwalt von Ante S., Nicolas Becker. Damit sei Hoyzer angeboten worden, einem zivilen Rechtsstreit gegen den Wettanbieter Oddset beizutreten. Hintergrund sind mögliche Schadenersatzforderungen von Oddset an Ante S. Die Streitverkündung soll letztendlich dazu beitragen, dass sich Hoyzer an Schadenersatz beteiligen muss.

Laut Hoyzer hat sein Vater Peter ihn das erste Mal mit Wettmanipulationen überhaupt in Verbindung gebracht. In einem Fall habe er einen Kontakt zu Dominik Marks herstellen sollen, damit der eine Partie zu Gunsten des FC Sachsen Leipzig verpfeife. In einem anderen Fall sei bei seinem Vater angefragt worden, ob der Sohn als gesetzter Schiedsrichter nicht die Partie Leipzig gegen Chemnitz (am 23. November 2003) manipulieren könne. In beiden Fällen sei es aber zu keiner Manipulation gekommen. Ein vorläufiges psychiatrisches Gutachten bescheinigt Ante S., spielsüchtig und damit "erheblich vermindert schuldfähig" zu sein. Das könnte sich strafmildernd auswirken. Laut Hoyzer soll Ante S. bei einem Tennisturnier in Ulm auch einen kroatischen Spieler und dessen Trainer bestochen und dadurch eine hohe Wette gewonnen haben, um seine Schulden auszugleichen.

Die Brüder bereuen

Milan und Filip S. haben bereits durch ihre Anwälte Erklärungen verlesen lassen. Beide erklärten darin, die ihnen zur Last gelegten Tatbeteiligungen zu bereuen. In dem von der Vorsitzenden Richterin Gerti Kramer geleiteten Verfahren sind noch 13 weitere Prozesstage angesetzt.

AP / AP

Wissenscommunity