Wettskandal Wege aus der Krise


Die Ermittlungen im Wettskandal laufen auf Hochtouren. Gleichzeitig machen sich DFB und DFL Gedanken über Konsequenzen. Im Gespräch sind Spielwiederholungen und ein Frühwarnsystem.

Zur Sicherung des Fußball-Spielbetriebs angesichts des Betrugsskandals hat DFB-Präsident Theo Zwanziger vorgeschlagen, alle offenbar manipulierten Spiele "vorläufig zu wiederholen". So sei es möglich, "die Saison zu sichern", sagte er dem "Focus". Sollte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds später gegen den Sieger entscheiden, wäre das Ergebnis zu annullieren, meinte er.

"Mehrere spieltechnische Varianten im Gespräch"

Das Sportgericht wird am kommenden Freitag, den 11. Februar, ab 12.30 Uhr in Frankfurt am Main als erstes über das umstrittene Erstrundenspiel im DFB-Pokal zwischen dem Regionalligisten SC Paderborn und Bundesligist Hamburger SV verhandeln, wie der DFB mitteilte. Es ist eins der vier Spiele, die der frühere DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer nach eigenen Angaben manipuliert hat. Die Partie am 21. August 2004 hatte mit einem 4:2 für Paderborn geendet. Sollte das Sportgericht eine Wiederholung anordnen, müssen möglicherweise alle Pokalspiele von der zweiten Runde an neu gespielt werden. DFB-Chefjustiziar Goetz Eilers sagte dazu, derzeit seien "mehrere spieltechnische Varianten im Gespräch".

DFB-Präsident Theo Zwanziger schließt dagegen eine Wiederholung der DFB-Pokal-Partie so gut wie aus. "Jede Maßnahme, die den HSV zurück in den Wettbewerb bringt, tangiert die Rechte anderer Vereine. Das sehe ich als schwierig an. Da müssen auch Dritte mitmachen", sagte Zwanziger. Mit seiner Ansicht wolle er dem Urteil des DFB-Sportgerichts aber nicht vorgreifen.

Zwanziger hält eine Lösung in Form einer finanziellen Entschädigung für den Erstligisten für realistischer und deutete für diesen Fall deutete "sachgerechte Gespräche" an. "Der HSV muss sehen, dass man nicht einfach sagen kann: Jetzt werdet ihr entschädigt, weil ihr ins Endspiel gekommen wäret", erklärte er. Der HSV fordert eine Neuansetzung des von Schiedsrichter Robert Hoyzer geleiteten Erstrundenspiels, das der Regionalligist 4:2 gewonnen hatte. Auch der MSV Duisburg plädiert für eine Neuansetzung. Der Zweitligist hatte in der 2. Runde gegen Paderborn verloren.

Gut stehen dagegen die Chancen für eine Wiederholung des ebenfalls von Hoyzer manipulierten Zweitligaspiels LR Ahlen - Wacker Burghausen vom 22. Oktober 2004. "In einem laufenden Wettbewerb könnte ich mir vorstellen, dass dies die beste Lösung wäre", argumentierte der DFB- Präsident. Das Sportgericht wird nach seiner Überzeugung "Ende der nächsten Woche oder Anfang der übernächsten" die ersten beiden Urteile fällen. "Diese Entscheidungen haben Pilotcharakter", sagte Zwanziger.

Um Spielmanipulationen in der Zukunft so weit wie möglich auszuschließen, hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) einerseits eine Neuordnung des Schiedsrichterwesens und andererseits die Einführung eines Frühwarnsystems gefordert. DFL-Präsident Werner Hackmann kündigte die Kooperation mit der Firma "Betradar" an. Der Vertag mit dem Unternehmen, das weltweit zu den führenden Informationslieferanten für Buchmacher zählt, stehe unmittelbar bevor. "Bereits jetzt besteht ein enger Kontakt mit dem Unternehmen, um den Spieltag an diesem Wochenende abzusichern", so Hackmann.

"Betradar.com" arbeitet mit etwa 130 europäischen Wettanbietern, darunter auch Oddset, zusammen. Das Unternehmen mit Hauptsitz im norwegischen Trondheim sammelt und vergleicht die Quoten der jeweiligen Wettanbieter. Wenn Auffälligkeiten wie außergewöhnlich hohe Wetteinsätze bei einem einzelnen Spiel auftreten, wird der Kunde sofort alarmiert. "Wenn wir rechtzeitig Hinweise bekommen, haben wir die Möglichkeit, eine Partie intensiver zu beobachten", erklärte Hackmann.

Darüber hinaus verlangt die DFL, künftig Regie und Kontrolle über die Referees zu erhalten. Bisher liegt diese beim DFB. "Als wir die DFL gegründet haben, war ich schon ein vehementer Verfechter davon, dass für Bundesliga und Zweite Liga auch das Schiedsrichterwesen zur DFL kommt. Da bin ich auf entschiedenen Widerstand des DFB gestoßen", so DFL-Chef Hackmann.

Kontakt bestätigt

Der von der Staatsanwaltschaft der Beihilfe zum Betrug beschuldigte Spieler von Dynamo Dresden, Torsten Bittermann, sowie der Dresdner Schiedsrichterbetreuer Wieland Ziller bestätigten unterdessen, dass sie Kontakt zu dem Kroaten Ante S. hatten, der als mutmaßlicher Strippenzieher des Betrugs in Berlin in Untersuchungshaft sitzt. Bittermann sagte: "Das ist richtig."

Ziller gab an, er sei Ante S. erstmals am 18. Juli 2004 während eines Testspiels gegen Nürnberg begegnet. Den Kontakt mit dem seriös aussehenden jungen Mann, der sich als "Anton" vorstellte, habe der Spieler Bittermann hergestellt, sagte Ziller. Ante S. habe sich für Mauscheleien ehemaliger DDR-Schiedsrichter interessiert. Als "Anton" aktuelle Manipulationsmöglichkeiten ins Spiel gebracht habe, "habe ich die Gespräche abgebrochen", sagte Ziller. Den DFB habe er aber nicht informiert, weil er den Hintergrund der Avancen "nicht so deutlich" erkannt habe.

DPA DPA

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