Wildmoser-Affäre "Du bist letztlich nur eine Marionette"

Der FC Bayern ist verstimmt, der OB droht mit Rückzug: Ein Verbleib von Karl-Heinz Wildmoser als "Löwen-Chef" wird immer unwahrscheinlicher. Auch er selbst scheint inzwischen sein Kämpferherz verloren zu haben.

Vor der entscheidenden Sitzung über seine Zukunft als "König der Löwen" scheint Karl-Heinz Wildmoser sein Kämpferherz verloren zu haben. "Ich bin im Zweifel, was ich tun soll", sagte er der dpa. Sein Verbleiben als 1860-Chef macht er von der Atmosphäre beim Treffen des Aufsichtsrates ab. "Wenn mir einer blöd kommt, stehe ich auf und gehe. In so einem Amt bist du letztlich nur eine Marionette", sagte Wildmoser.

Ude fordert Rücktritt

Die aufgebrachte Stimmung bei den 1860-Fans, die nach dem 0:2 beim VfB Stuttgart und in immer größer werdender Abstiegsnot mit einer Sitzblockade protestierten, könne er nachvollziehen, sagte Wildmoser. Nicht nachvollziehen könne er die Forderung nach seinem Rücktritt von Münchens OB Christian Ude, der auch im 1860-Aufsichtsrat vertreten ist. Die Zeit des Monarchens sei vorbei, hatte er der "Abendzeitung" gesagt und den Aufsichtsrat anderenfalls zum handeln aufgefordert: "Wenn Wildmoser von sich aus nicht zurücktritt, muss der Aufsichtsrat Position einnehmen, weil Wildmoser sonst eine Belastung für den Verein wird".

"Ich möchte wissen, warum er so Gas gibt, wer ihm da was ins Ohr gesetzt hat. Schließlich sind wir befreundet", attackierte Wildmoser Udes Äußerungen. Sowohl Ude als auch den als Nachfolger bereit stehenden früheren bayerischen Kultus- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) hält er nicht für das Führungsamt geeignet: «Soll Ude es doch machen, ich glaube nicht, dass er es kann.» Zehetmair habe nicht die zeitlichen Möglichkeiten.

FC Bayern sagt gemeinsamen TV-Auftritt ab

Auch beim FC Bayern, Partner beim Stadion-Projekt, hat Wildmoser keine Freunde mehr. Der große Stadtrivale ging nach seinen Verbal-Attacken am Wochenende gegen Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge auf Distanz. "Solange die Vorwürfe gegen Herrn Wildmoser bestehen, werden wir uns mit ihm nicht mehr an einen Tisch setzen, dafür ist zu viel vorgefallen", sagte Manager Uli Hoeneß. Bayern-Präsident Beckenbauer, dem Wildmoser "Steuergeschichten" vorwarf, sagte als Reaktion den geplanten Auftritt am Montagabend im Bayerischen Fernsehen ab.

Darf Aufsichtsrat Wildmoser absetzen?

Unklarheit herrschte vor der Versammlung des Aufsichtsrates über die Befugnisse des Gremiums. Während Wildmoser davon ausging, dass er in jedem Fall bis zur nächsten Delegiertenversammlung im Amt bleibt, hielt Geschäftsführer Detlef Romeiko eine sofortige Absetzung für möglich. "Die Lage ist ein bisschen verzwickt, aber Wildmoser wurde im Januar 2001 vom Aufsichtsrat bestellt. Also endete die Amtszeit dieses Jahr im Januar. Der Aufsichtsrat kann einen neuen Präsidenten bestellen", betonte der Vereinsfunktionär. Wildmosers Schicksal ruhte in den Händen der nur acht von neun anwesenden Aufsichtsrats- Mitglieder. Der Vorschlag des Gremiums muss in jedem Fall von einer Delegiertenversammlung bestätigt werden.


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