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WM-Emotionen: Sieger und Verlierer

Im Fußball liegen Euphorie und Trauer dicht beeinander. Vor allem, wenn es bei der WM um alles geht. Nach dem Viertelfinale wurde in Portugal und Frankreich gefeiert, in London und Rio gab es dicke Tränen.

Tiefe Trauer bei den Engländern und Brasilianern, Jubel und Freude bei Portugiesen und Franzosen: Teils mit Tränen in den Augen verließen zehntausende englische Fans am Samstagabend Gelsenkirchen nach der Niederlage ihrer Mannschaft gegen Portugal. Größere Zwischenfälle blieben aus.

Die Polizei nahm bei kleineren Reibereien insgesamt 110 Fans fest oder in Gewahrsam, darunter 80 Engländer. Die Bundespolizei musste zeitweise den Gelsenkirchener Hauptbahnhof sperren, weil die Menge der abreisenden Fans die Kapazitäten sprengte. "Es ist aber alles friedlich geblieben", sagte ein Sprecher.

Insgesamt war der Ansturm der englischen Fans etwas schwächer als erwartet ausgefallen, sagte Polizeisprecher Thomas Weise. 70.000 Fans waren siegessicher angereist, etwas weniger als erwartet, dazu 15.000 Portugiesen.

Ein friedliches Fußballfest erlebten die Fans auch am letzten WM- Spieltag in Frankfurt. Die Gäste aus Frankreich und Brasilien feierten gemeinsam; nach der.0:1-Niederlage war die Enttäuschung der Brasilianer allerdings groß. "So einen Ansturm wie heute hatten wir noch nie", berichtete Kurt Stroscher von der Touristik und Congress GmbH aus der Main-Arena. Dort hatten nach seinen Angaben erneut bis zu 80.000 Menschen die beiden Viertelfinale auf drei Riesen- Bildschirmen verfolgt.

Das unerwartete Aus bei der Fußball-WM in Deutschland hat Brasilien tief getroffen. In Rio de Janeiro und anderen Großstädten des südamerikanischen Landes herrschte nach dem Abpfiff Totenstille. Die öffentlichen Plätze, in denen sich Zehntausende versammelt hatten, um das Spiel zu verfolgen, leerten sich am späten Nachmittag in Sekundenschnelle. Das Fernsehen zeigte Bilder von Stadtzentren, wo inmitten der plötzlichen Leere einige wenige Menschen hemmungslos weinten.

Die Onlineausgabe der Zeitung "Estado de São Paulo" schrieb unterdessen von "einer der größten Tragödien des brasilianischen Fußballs". Die Mannschaft habe gegen Frankreich sehr schlecht gespielt. Der frühere Weltstar Falcão sparte als Kommentator des Fernsehsenders "Globo" nicht mit Kritik. Die "Seleção" sei überheblich gewesen, sagte er. Die Spieler des ausgeschiedenen Titelverteidigers gaben im brasilianischen Fernsehen zunächst keine Interviews.

Mit Hupkonzerten auf den Champs-Élysées feierten Tausende Franzosen den Sieg ihrer Mannschaft und besonders deren Stars Zinedine Zidane und Thierry Henry, der den Siegtreffer geschossen hatte. Überall in Paris wurde gesungen und die Trikolore geschwenkt, auch in den Vororten hängte man sich voller Stolz die blau-weiß-rote Schärpe um den Hals.

DPA / DPA

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