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Auch rassistische Beschimpfungen Saka, Rashford, Sancho: Southgate muss für seine Elfmeterschützen-Auswahl Kritik einstecken

Der EM-Traum ist geplatzt: Bukayo Saka nach seinem verschossenen Final-Elfmeter
Der EM-Traum ist geplatzt: Bukayo Saka nach seinem verschossenen Final-Elfmeter
© Paul Ellis / AFP
Saka, Rashford, Sancho – ausgerechnet auf drei jungen Engländern lastete der Druck beim Elfmeterschießen gegen Italien. Sie verschossen. Trainer Gareth Southgate übernahm die Verantwortung.

Sie sind die tragischen Figuren des EM-Finales 2021 von Wembley: Bukayo Saka, 19 Jahre jung, Marcus Rashford, 23 Jahre, und Jadon Sancho, 21, weinten teils bittere Tränen.

Alle drei verschossen im Elfmeterschießen gegen Italien (2:3) und besiegelten damit die Finalniederlage der englischen Nationalmannschaft.

Trainer Gareth Southgate sieht Schuld bei sich

Doch dass sie überhaupt in diese Situation gebracht wurden, ist nach Überzeugung vieler Experten und Fans vor allem einem anzulasten: "Three Lions"-Coach Gareth Southgate. Er wechselte Saka in der 70. Minute ein, Sancho und Rashford explizit fürs Elfmeterschießen erst in der 120 Minute – mit dieser Entscheidung bürdete er den Druck von Millionen englischen Fußballfans den vergleichsweise unerfahrenen Spieler auf.

"Die Auswahl war nicht besonders glücklich von Southgate. Mich stört so ein bisschen die Balance zwischen Erfahrung und Jugendlichkeit", kommentierte etwa der deutsche Ex-Nationalspieler Michael Ballack bei Magenta TV. "Sehr fahrlässig" fand Rio-Weltmeister Per Mertesacker die Auswahl im ZDF. Zumindest Rashford und Sancho seien "in der Konstellation bei diesem Turnier nicht die richtige Wahl", sagte auch ZDF-Experte Kramer. Coach Southgate habe sie während der EM weitgehend "links liegen lassen", zudem seien sie "blutjung". Sie dann sehr spät in die Partie zu bringen mit dem Auftrag, einen Elfmeter zu verwandeln, sei "psychologisch einfach nicht gut. Sie haben sowieso kein gutes Gefühl, weil sie das ganze Turnier der Mannschaft nicht wirklich helfen konnten, weil sie nicht wichtig waren", sagte Kramer. "Puh, da hat er sich auch ein bisschen verpokert bei den Einwechslungen am Ende", meinte Ex-Nationalspieler Fredi Bobic bei Magenta TV.

Trainer Southgate zeigte nach der Final-Niederlage Größe und nahm die Verantwortung auf sich. "Niemand ist auf sich alleine gestellt. Wir gewinnen und verlieren als Team", sagte er. "Das ist meine Entscheidung, nicht die der Spieler. Wir haben die besten Schützen ausgewählt, die auf dem Feld standen." und weiter: "Für die Spieler ist es herzzerreißend, aber sie trifft keine Schuld daran, es war meine Entscheidung als Trainer."

Für England hatten im Elfmeterschießen nur Kapitän Harry Kane, 27, und Verteidiger Harry Maguire, 28, getroffen – zwei Männer mit Erfahrung, im Gegensatz zu den drei jungen Engländern.

Rassistische Beleidigungen

Trotz der sich als falsch erwiesenen Personalentscheidung von Southgate und der mangelhaft geschossenen Elfmeter – dass es noch deutlich schlechter geht, bewiesen nach der Finalniederlage einige Fans der "Three Lions". Sie beleidigten die drei glücklosen Schützen im Internet aufs Heftigste, unter anderem rassistisch.

Der englische Fußballverband reagierte noch in der Nacht deutlich. "Wir könnten nicht deutlicher machen, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, als Anhänger unseres Teams nicht willkommen ist. Wir werden tun, was wir können, um die betroffenen Spieler zu unterstützen und drängen zugleich auf die härtest möglichen Strafen für jeden, der verantwortlich ist", schrieb die FA bei Twitter.

Großbritanniens Premier Premier Boris Johnson äußerte sich ähnlich: "Dieses England-Team verdient es, als Helden verehrt und nicht rassistisch beschimpft zu werden", schrieb der Regierungschef am Morgen nach dem Finale. "Die Verantwortlichen für diese entsetzlichen Beschimpfungen sollten sich schämen." Die Londoner Polizei twitterte: "Dieser Missbrauch ist absolut nicht akzeptabel, wird nicht toleriert und untersucht werden."

wue / mi DPA-Material

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