Spanien gegen Portugal Iberer kämpfen "um Leben und Tod"


Das letzte Achtelfinale der WM 2010 wird unter Nachbarn ausgespielt. In Kapstadt treffen Spanien und Portugal am Dienstagabend aufeinander. Der Europameister zittert vor allem vor einem einzelnen Mann.

Es geht um mehr als nur den Einzug in die Runde der letzten Acht: Das Nachbarschaftsduell zwischen Portugal und Spanien (20.30 Uhr im stern.de-Liveticker) wird zur "Schlacht von Kapstadt" aufgebauscht. Es geht "um Leben und Tod" – diese Parole hat Spaniens Trainer Vicente Del Bosque ausgegeben.

Der Europameister ist Favorit, doch er zittert vor Cristiano Ronaldo. "Jeder weiß, dass Cristiano ihr entscheidender Mann ist, ihr Leader, ihr Kapitän", sagt Torjäger Fernando Torres, und Ex-Trainer Luis Aragones ergänzt: "Ronaldo ist außergewöhnlich. Er kann immer treffen, zu jeder Zeit, weil er in einer ganz eigenen Liga spielt." Die Medien geben zwar zu bedenken, dass Ronaldo in Südafrika noch nicht recht überzeugt hat, doch der "Dschungelkönig" könne im ersten WM-Duell der Nachbarn "explodieren" (El Mundo). Schließlich, schreibt Marca, sei er "die größte Bedrohung. Wir müssen aufpassen!"

Zudem hat Cristiano noch eine Rechnung offen – und zwar mit dem heimischen Publikum. Er will bei dieser WM in Südafrika endlich die Herzen seiner Landsleute erobern und mit einer rauschenden Leistung im Nationaltrikot alle Skeptiker in Lissabon und Porto überzeugen. Ein Freund des Weltfußballers von 2008 sagte der portugiesischen Zeitung "Diario de Noticias", Ronaldo sei "sehr heiß": Er wolle Weltmeister, "aber nun erst recht auch zum besten Torschützen und besten Spieler der WM werden". Dass dem Stürmer beim 7:0-Kantersieg gegen Nordkorea das erste Tor im Nationalteam nach 16-monatiger Durststrecke gelang, ist Medien und Fans zu Hause alles andere als genug. "Er hat wieder vergessen, für das Team zu spielen. Und seine Schussgenauigkeit ist sehr mangelhaft", klagte die seriöse Zeitung "Público" nach dem 0:0 gegen Brasilien.

Portugal mit starker Abwehr

Cristiano Ronaldo hin, zehn Vorrundentore her: Die wahre Stärke Portugals liegt in der Defensive. "Portugal hat eine hervorragende Mannschaft, in der nicht nur Cristiano überzeugt. Er gehört zwar zu den besten Spielern, aber wir sollten nicht vergessen, dass die Portugiesen noch kein Gegentor hinnehmen mussten. Das ist das einzige Team, dem das gelungen ist", sagt Trainer Del Bosque. "Das ist einer der schwersten Gegner bei dieser WM."

Und tatsächlich: Die Seleccao hat 19 Spiele nicht verloren und zuletzt am 5. September 2009 gegen Dänemark ein Gegentor kassiert. Torhüter Eduardo hält einen nationalen Rekord, ist seit 701 Minuten unbezwungen. In 18 Länderspielen musste er erst dreimal hinter sich greifen. "Cristiano ist klasse, aber ihre größte Stärke ist es, dass sie verdammt wenig Tore kassieren", sagt Torres, der selbst bei der WM noch auf seinen ersten Treffer wartet.

Portugal wittert seine Chance. "Wir haben großen Respekt vor Spanien - aber keine Angst", betont Stürmer Simao. Trainer Carlos Queiroz will der "portugiesischen Nation ihren Wunsch erfüllen" und den Nachbarn bezwingen. Davon, dass das klappt, ist er felsenfest überzeugt: "Wir werden als Team immer besser und können auch Spanien schlagen. Wir sind bereit, unseren WM-Aufenthalt zu verlängern."

Während sich bei den Portugiesen alles um die männliche Diva "CR 7“ dreht, setzen die Spanier trotz überragender Einzelkönner wie Xavi, Fernando Torres, David Villa oder Andrés Iniesta auf Teamwork. Die Chancen im Green-Point-Stadion in Kapstadt stehen 50:50. Entscheidend dürfte vor allem sein, ob es den Spaniern gelingt, Ronaldo weitgehend zur Wirkungslosigkeit zu verurteilen.

Spanien will Favoriten-Status gerecht werden

Eine Schlüsselrolle kommt dabei Abwehrstratege Gerard Piqué zu. In den bisherigen Duellen mit dem teuersten Fußballer der Welt, für den Real Madrid 94 Millionen Euro berappte, hat der "spanische Beckenbauer" diese schwierige Aufgabe stets bravourös gemeistert. In der Primera División konnte der portugiesische Weltklasse-Stürmer gegen Piqué, der sein Geld beim FC Barcelona verdient, noch nie ein Tor erzielen. Jetzt geht es für Cristiano Ronaldo und "Piquenbauer", wie spanische Medien den Innenverteidiger respektvoll nennen, beim ersten Aufeinandertreffen auf Auswahl-Ebene gleich um Alles oder Nichts. "Das wird ein schweres Spiel, aber ich freue mich darauf", sagte Piqué.

Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und einer Spezialbewachung für den "Weltfußballer" von 2008 wollen die Spanier nach der unerwartet holprig verlaufenen Gruppenphase endlich ihrem Favoriten-Status in Südafrika gerecht werden. Dazu bedarf es gegen den hoch eingeschätzten Kontrahenten einer deutlichen Steigerung. Zudem muss del Bosque den voraussichtlich wegen einer Knöchelverstauchung ausfallenden Mittelfeldmann Xabi Alonso ersetzen. Für ihn könnte Cesc Fabregas oder Nachwuchsmann Javier Martínez in die Startelf rücken.

Der portugiesische Trainer Carlos Queiroz bangt unterdessen um den Einsatz von Duda und Stürmer Danny. Der 32 Jahre alte Deco, der die zwei letzten Spiele wegen einer Hüftverletzung gefehlt hat, machte am Samstag im Training eine sehr gute Figur und ist einsatzbereit. Und das "Gelbfieber" grasiert. Nicht weniger als sieben Spieler der "Lusos" sind vorbelastet, darunter Ronaldo. "Ich muss sagen, die Schiedsrichter bereiten mir schon etwas Angst", sagte Queiroz.

swd/DPA/SID DPA

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