WM 2010 - Gruppe H Spanien bangt, Schweiz hofft


Noch ein Favorit in Bedrängnis: Spanien muss gegen den Gruppenersten Chile gewinnen, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Die Schweiz fiebert vor dem Einsatz gegen Honduras einem Alpen-Sommermärchen entgegen.

Für Spanien steht ein Endspiel an: Das Team von Vicente del Bosque startete als einer der Favoriten in diese Fußball-WM. Doch im ersten Spiel gegen die Schweiz blamierte sich die "rote Furie". Mit einem Tor Rückstand verloren sie gegen die Eidgenossen. Trotz des Siegs gegen Honduras starten die Spanier daher mit drei Punkten nur als Zweiter in den letzten Spieltag der Gruppe H. Im Loftus Versfeld Stadion in Pretoria (20.30 Uhr/ZDF und Sky sowie im stern.de-Liveticker) müssen sie gegen Chile unbedingt gewinnen, um ein blamables Ausscheiden sicher zu vermeiden.

Den Chilenen reicht mit aktuell sechs Punkten ein Remis, um als Gruppenerster ins Achtelfinale einzuziehen. Allerdings droht im Fall einer Niederlage selbst mit nur einem Tor Unterschied die Heimreise, es sei denn, Schlusslicht Honduras könnte überraschend Schützenhilfe im Spiel gegen Ottmar Hitzfelds "Nati" leisten.

Spanien kann im "Schicksalsspiel" auf David Villas Schlagkraft setzen: Der Stürmer wurde trotz seines Rückhandwischers nachträglich nicht gesperrt. "Ihn im Team zu haben, ist eine Garantie", sagt der nach einer Fußverletzung wieder fitte Mittelfeldmann Andrés Iniesta über seinen Kollegen.

An eine frühe Heimreise verschwenden die Spanier keine ernsthaften Gedanken. Der 2:0-Erfolg gegen Außenseiter Honduras, der bei konsequenter Chancenverwertung zum Schützenfest geworden wäre, hat ihr nach dem Alptraum-Auftakt sichtlich angekratzte Selbstvertrauen wieder hergestellt. "Wir sind für die Schlacht bereit", versichert Trainer Vicente del Bosque ungewohnt martialisch.

Auch Chile fiebert der Partie entgegen. Eine zerrissene und schmutzige Nationalflagge, die ein Junge nach dem fürchterlichen Erdbeben und dem folgenden verheerenden Tsunami im Februar aus dem Schlamm gerettet hatte und die nun im Trainingsquartier in Nelspruit steht, motiviert die Südamerikaner zusätzlich. "Diese Fahne zeigt das Leiden, das unser Land erlebt", sagt Innenverteidiger Waldo Ponce.

Das Team des aus Argentinien stammenden Trainers Marcelo Bielsa strotzt angesichts seines bislang überzeugenden Auftritts in Südafrika vor Selbstvertrauen. "Wir sind weder überheblich noch unterschätzen wir Spanien", sagt Torhüter Claudio Bravo. "Wir spielen wie immer." Verteidiger Mauricio Isla versichert: "Wir werden nicht auf unentschieden spielen."

Schweizer müssen stürmen

Die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft stand bei dieser WM bislang so sicher wie eine Schweizer Bank. Im Gruppenfinale gegen Honduras (20.30 Uhr/RTL und Sky sowie im stern.de-Liveticker) ist aber eine andere Qualität gefragt: stürmen. Die Schweiz braucht einen Sieg mit zwei Toren Unterschied, um relativ sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Andernfalls wäre fremde Hilfe aus dem Spiel Chile gegen Spanien nötig. "Wir werden gegen Honduras ganz anders auftreten. Dieses Spiel ist wie ein Champions-League-Halbfinale", sagt Trainer Ottmar Hitzfeld vor der Partie in Bloemfontein.

"Hitzfelds Weg in die Offensive" titelte der "Tages-Anzeiger" aus Zürich und schrieb dazu: "Jetzt gibt es nur noch einen Weg. Und der heißt Angriff, nicht blind, aber mutig, nicht naiv, aber entschlossen." Andere Medien im Land haben allerdings Zweifel daran, dass die Mannschaft das beherrscht. Gegen Spanien (1:0) und Chile (0:1) war die Ausrichtung jeweils komplett gegensätzlich, und vor dem Honduras-Spiel bereitet dem Trainer seine Offensiv-Abteilung Sorgen. Valon Behrami ist rotgesperrt. Kapitän und Rekordtorjäger Alex Frei fehlt nach seiner Sprunggelenk-Verletzung die Spielpraxis. "Aber ich glaube an mein Team und an meine Offensivspieler", sagt Hitzfeld.

Ob Frei am Freitag auch den zweiten Platz im Angriff neben Blaise Nkufo erhält, oder ob er dafür den Leverkusener Eren Derdiyok oder den ehemaligen Stuttgarter Hakan Yakin (FC Luzern) favorisiert, lässt der Trainer noch offen. Sicher ist sich der 61-Jährige nur in der Bewertung der Ausgangslage. "Wir können uns aus eigener Kraft qualifizieren und sind nicht von anderen abhängig. Das ist ein großer Vorteil."

Honduras hat nur noch mathematische Chancen, die K.o.-Runde zu erreichen. Sie müssten deutlich gegen die Schweiz gewinnen und auf einen ähnlich klaren Sieg Chiles gegen Spanien hoffen. Immerhin hält Hitzfeld Honduras vorne für stärker als hinten: "Suazo und Pavon können Tore aus dem Nichts machen", warnt er.

Die Situation in der Gruppe H

Chile (6 Punkte, 2:0 Tore) kommt weiter:

  • bei einem Sieg oder Unentschieden gegen Spanien
  • bei einer Niederlage gegen Spanien, wenn die Schweiz nicht gegen Honduras gewinnt
  • bei einer Niederlage gegen Spanien, wenn die Schweiz trotz eines Sieges gegen Honduras nicht den Rückstand von zwei Toren aufholt

Spanien (3 Punkte, 2:1 Tore) kommt weiter:

  • bei einem Sieg gegen Chile
  • bei einem Unentschieden gegen Chile, wenn die Schweiz nicht gegen Honduras gewinnt
  • bei einer Niederlage gegen Chile, wenn Honduras gegen die Schweiz gewinnt, dabei aber nicht den Rückstand von vier Toren aufholt

Die Schweiz (3 Punkte, 1:1 Tore) kommt weiter:

  • bei einem Sieg gegen Honduras, wenn Chile gegen Spanien gewinnt oder Unentschieden spielt
  • bei einem Sieg gegen Honduras, wenn Spanien gegen Chile gewinnt und der Rückstand von zwei Toren gegenüber Chile dadurch aufgeholt wird
  • bei einem Unentschieden gegen Honduras, wenn Chile gegen Spanien gewinnt
  • bei einer Niederlage gegen Honduras, wenn Chile gegen Spanien gewinnt und dabei der Rückstand von einem Tor auf Spanien aufgeholt und der Vorsprung von drei Toren auf Honduras nicht verspielt wird

Honduras (0 Punkte, 0:3 Tore) kommt weiter:

  • bei einem Sieg gegen die Schweiz, wenn Chile gegen Spanien gewinnt und dabei der Rückstand von vier Toren auf Spanien und drei Toren auf die Schweiz aufgeholt wird
DPA/SID DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker