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WM 2010: Niederlande gegen Uruguay: Ans Finale denken verboten!

Noch eine Hürde, dann können die Niederlande um den WM-Pokal spielen. Bondscoach Bert van Marwijk hat alle Mühe, im "Oranje"-Team die Gedanken an Deutschland oder Spanien zu vertreiben: Erstmal muss im Halbfinale Uruguay geschlagen werden.

Bert van Marwijk hat das Finale zum Tabuthema erklärt, doch die "Oranje"-Stars träumen schon vom goldenen WM-Pokal. "Unser Ziel war nicht das Erreichen des Halbfinales", sagte Münchens Flügelflitzer Arjen Robben vor dem Halbfinale Hollands gegen das unbequeme Überraschungsteam aus Uruguay am Dienstag (20.30 Uhr) in Kapstadt. "Wir wollen noch mehr - den Titel."

Wie 1974 und '78 kann Holland ins Endspiel stürmen und dort gegen Deutschland oder Spanien den so ersehnten ersten Titel auf der Weltbühne des Fußballs erobern. Bayern-Kapitän Mark van Bommel kündigte an, dass sein Team "wie Löwen" um den Sieg kämpfen werde. "Das ist eine einzigartige Chance", sagte Regisseur Wesley Sneijder.

Der Triumph gegen Rekordweltmeister Brasilien hat den Niederländern Flügeln wachsen und den Stotterstart bei diesem Turnier vergessen lassen. Die "Oranje"-Fans in der Heimat und Südafrika sind schon völlig aus dem Häuschen. Sneijder appellierte an die Anhänger: "Unterstützt uns weiter! Dann kommen wir vielleicht mit dem Weltpokal nach Hause."

Van Marwijk will vom Endspiel jedoch nichts hören. Der Bondscoach sprach zwar von der "Mission, Weltmeister zu werden", doch das voreilige Gerede von einem möglichen Triumph passt dem früheren Trainer von Borussia Dortmund gar nicht. "In Holland und der ganzen Welt sprechen alle bereits über das Finale - wir tun das nicht", betonte er. "Das ist ein sehr gefährlicher Gegner. Wir sind auf alles vorbereitet - auch auf Elfmeter."

Sein Trainerteam habe sich "absolut noch nicht" mit den möglichen Endspielgegnern beschäftigt: "Auf Deutschland gegen Spanien habe ich keinen Einfluss, und da muss ich mich deshalb auch nicht drum zu kümmern." Uruguay sei ein "lebensgefährlicher Gegner". Das "Algemeen Dagblad" warnte: "Nicht über das Finale reden, bitte!"

Nach 24 Spielen ohne Niederlage soll gegen die "Urus" ein Jubiläumssieg her. Zuletzt stand das "Oranje"-Team 1998 im Halbfinale, unterlag aber Brasilien im Elfmeterschießen. "Wir haben ein gemeinsames Ziel. Dafür unterstützen wir einander, gehen durch dick und dünn. Das ist die Stärke dieser Mannschaft, das ist unser Geheimnis", erklärte Stürmer Dirk Kuyt vom FC Liverpool. "Wir machen es nicht mit elf Spielern auf dem Feld, sondern mit allen 23 in der Mannschaft. Wir leben in einer Art Tunnel, sind total fokussiert."

Gegen Uruguay müssen Profis aus der zweiten Garde ran: Khalid Boulahrouz soll auf der rechten Abwehrseite Gregory van der Wiel ersetzen. "Ich gehe schon davon aus, dass ich im Halbfinale spiele", sagte der Stuttgarter Bundesliga-Profi. Für den ebenfalls gesperrten Nigel de Jong dürfte Demy de Zeeuw neben van Bommel im defensiven Mittelfeld auflaufen.

Wieder gesund gemeldet haben sich HSV-Profi Joris Mathijsen, der im Viertelfinale wegen Kniebeschwerden fehlte, und Robin van Persie. "Zur Not spiele ich auch mit gebrochenem Arm. Ein WM-Halbfinale lasse ich mir nicht entgehen", sagte der Stürmer. Die letzten Zweifel an ihrem Einsatz räumte van Marwijk am Montag nach dem Abschlusstraining aus: "Alle haben trainiert, alle sind fit."

In vier Begegnungen konnte Holland nur einmal gegen die "Celeste" gewinnen: Beim 2:0 in der WM-Vorrunde 1974. Die Uruguayer - erstmals seit 1970 (1:3 gegen Brasilien) wieder in einem Halbfinale - sind nicht gewillt, sich von der Erfolgsspur abbringen zu lassen. "Wir opfern uns auf für den Sieg", versprach Egidio Arevalo Rios. "Der Gegner hat mehr Erfahrung. Aber wir können wir es schaffen."

Der letzte Vertreter Lateinamerikas hat seit 1970 (1:0 gegen die UdSSR) keinen europäischen Gegner mehr bei einer WM bezwungen. "Um Geschichte zu schreiben, müssen wir Weltmeister werden", sagte Kapitän Diego Lugano, dessen Einsatz wegen Kniebeschwerden fraglich ist. "Wir haben noch zwei Endspiele, das ist ebenso schwierig wie möglich."

Die Verletzungen von Lugano und Nicolás Lodeiro sowie die Sperren von Luis Suárez und Jorge Fucile bereiten Trainer Oscar Tabárez Kopfschmerzen. Ausgerechnet Suárez, der "Handheld" vom Ghana-Spiel und Angreifer von Ajax Amsterdam, fehlt gegen Holland wegen seiner Roten Karte vom Viertelfinale. Der "Maestro", wie Tabárez alle nennen, muss nun vor allem auf seinen Star Diego Forlán vom Europa- League-Sieger Atlético Madrid setzen. "Der Mann ist echt lebensgefährlich, wenn er aus größerer Entfernung zum Schuss kommt. Das kann niemand besser als er", warnte "Oranje"-Profi John Heitinga.

Aber die Auswahl des 3,5-Millionen-Einwohner-Landes Uruguay kann ganz locker in die große Herausforderung gehen. "Wir haben keinen Druck mehr, nur den Stolz, als so kleines Land so weit gekommen zu sein bei so einem wichtigen Turnier", sagte Mittelfeldspieler Diego Pérez, "wir sind ruhig und voller Vorfreude."

Ulrike John und Heinz Büse, DPA / DPA

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