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WM 2014: Vorrunden-Bilanz: Die Gruppenphase war so spektakulär wie nie

Halbzeit in Brasilien: Während viele Teams die Koffer packen müssen, geht die WM für die Achtelfinalisten jetzt erst richtig los. Was ist bisher hängengeblieben - was war top, was ein Flop?

Das waren 15 Tage WM - und 15 Tage Emotionen pur: 48 der insgesamt 64 Spiele sind absolviert, noch 16 Partien stehen uns also bevor, ehe es am 13. Juli beim Finale im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro um den Titel geht. Zeit für ein schnelles Zwischenfazit.

Das war top:

1. Die vielen und schönen Tore

Insgesamt 136 Tore - und damit deutlich mehr als bei meisten vorherigen Weltmeisterschaften - sind bisher in Brasilien gefallen. Manche waren kurios, andere glücklich und eine Vielzahl vor allem eines: verdammt schön anzusehen! So kann es gern weitergehen.

2. Die Überraschungsteams

Wer hätte vor der WM auch nur einen Cent auf Costa Rica und Algerien gesetzt? Vielleicht ein paar Spekulanten, die auf hohe Gewinnquoten aus waren. Aber ernsthaft? Wohl niemand. Jetzt stehen die beiden Teams im Achtelfinale - Costa Rica wurde sensationell Gruppenerster in der Todesgruppe mit Italien, Uruguay und England, Algerien steht zum ersten Mal in der Geschichte des Landes im Achtelfinale. In beiden Ländern herrscht logischerweise der Ausnahmezustand.

3. Die kreativen Jubelszenen

Nicht nur viele Tore waren schön, auch das Bejubeln der Treffer geriet bisweilen zum Ereignis. Egal ob die Tanz-Choreographie der Ghanaer nach dem 2:1 gegen Deutschland oder Kloses Salto nach dem Ausgleich in der gleichen Partie - die Spieler bewiesen, dass sie sich im Training auch mit dem Feiern eines Tores beschäftigt haben. Bitte weiter so!

4. Die südamerikanischen Teams

In Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Urugay schafften fünf der sechs südamerikanischen Mannschaften den Einzug in die Finalrunde. Vor allem Chile, Kolumbien und Uruguay begeisterten mit ihrem intensiven, körperbetonten Spiel und den schnellen Kontern. Brasilien und Argentinien hüpften bisher jeweils so hoch, dass sie so gerade eben und ohne zu großen Aufwand über die Hürde kamen. Ein Finale Brasilien gegen Argentinien ist übrigens möglich. Das wäre wohl der Südamerikanische Traum.

5. Die Torlinientechnik

Was war im Vorfeld über den Sinn und Unsinn der Torlinientechnik diskutiert worden. Doch schon jetzt steht fest: Sie hat sich vollends bewährt. Gut, Honduras' Schlussmann Noel Valladares hat möglicherweise eine andere Sicht der Dinge. Aber Phantomtore wird es nicht mehr geben. Großartig!

Das war ein Flop:

1. Die vielen Fehlentscheidungen

Nicht oder zu unrecht gegebene Elfmeter, Abseits-Fehlentscheidungen, strittige Karten: Gerade zu WM-Beginn standen die Schiedsrichter in heftiger Kritik. Krasse Fauxpas sind seitdem zwar seltener geworden, doch noch immer wird nicht immer richtig gepfiffen. 16 Spiele bleiben den Referees ja noch, um sich mit guten Leistungen zu beweisen.

2. Die entthronten (Ex-)Weltmeister

Xavi, Iniesta und Co. hatten von der Titelverteidigung geträumt - und landeten auf dem harten Boden der Tatsachen. Nach zwei Niederlagen und einem Sieg war das Turnier für die Spanier bereits nach der Gruppenphase vorbei. Immmerhin befinden sie sich mit den früheren Weltmeistern Italien und England in illustrer Gesellschaft.

3. Die zum Teil rüden Fouls

Ellenbogenchecks, Kopfnüsse, Faustkämpfe, Tritte mit offener Sohle - die WM war reich an vielen brutalen und unnötigen Fouls. Es gab sieben rote Karten und zwei gelb-rote Karten. Viele Fouls wie das vom Franzosen Olivier Giroud gegen Ecuador wurden gar nicht geahndet. Der Einsatz der Spieler in allen Ehren: Bisweilen ging es zu unsportlich zur Sache!

4. Die egoistischen Afrika-Stars

Kameruns Samuel Eto'o wollte Trainer Volker Finke immer wieder in die Aufstellung reinreden, seine Teamkollegen Benoit Assou-Ekotto und Benjamin Moukandjo gerieten auf dem Spielfeld aneinander. Ghanas Kevin-Prince Boateng beleidigte wohl seinen Coach Kwesi Appiah, sein Teamkollege Sulley Muntari attackierte einen Verbands-Funktionär. All diese Stars brachten mit ihren Eitelkeiten jedes Trainer-Konzept durcheinander und schadeten ihren Teams. Dabei zeigen Nigeria und Algerien, wie es funktioniert: Beide Mannschaften überzeugen durch Geschlossenheit und stehen verdient im Achtelfinale.

5. Die Beißattacke von Luis Suárez

Man hätte die Beißattacke von Luis Suarez auch in der Kategorie "brutale Fouls" sehen können. Doch das hätte dieser unglaublichen Szene nicht genügend Rechnung getragen. Es war der größte Flop dieser WM! Dabei ist Suarez so ein begnadeter Torjäger. Den Fußballer hätte man gerne im Achtelfinale gesehen, doch der Vampir musste nach seiner Sperre für neun Spiele und vier Monate nach Hause reisen.

mod/feh

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