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"Menschenrechte für alle" Wegen "politischer Botschaft": Fifa verbietet dänisches Trainingstrikot für die WM

Christian Eriksen präsentiert das dänische Trikot für die WM in Katar
Schwarz gekleidet und Logos, die sich farblich kaum vom Trikot abheben: Dänemark um Christian Eriksen protestiert mit den Trikots gegen die Menschenrechtslage in Katar – ganz zum Ärger der Fifa.
© Mads Claus Rasmussen / AFP
Kaum eine teilnehmende Nation steht der WM in Katar so offen kritisch gegenüber wie Dänemark. Die Fifa hat den Dänen nun das Tragen eines speziellen Trainingstrikots untersagt. 

Die Fifa hat den Antrag der dänischen Fußball-Nationalmannschaft abgelehnt, beim Training während der Fußball-WM in Katar Trikots mit der Aufschrift "Menschenrechte für alle" tragen zu dürfen. Die Antwort auf Dänemarks Anfrage sei "negativ" ausgefallen, sagte der Chef des dänischen Fußballverbands, Jakob Jensen, am Donnertag der Nachrichtenagentur Ritzau. "Wir bedauern das, aber wir müssen es berücksichtigen."

Der dänische Fußballverband hatte sich gegen die Ausrichtung der WM in Katar ausgesprochen. Beim Einsatz für die Menschenrechte während des Turniers wollte er beispielgebend sein und hatte "kritische Botschaften" auf den Trainingstrikots angekündigt. Zwei Sponsoren hatten zugestimmt, zugunsten solcher Botschaften auf ihr Logo auf den Shirts zu verzichten. Auch das Spieltrikot der Dänen wird ein Ausdruck des Protests sein. Ausrüster Hummel kündigte im September an, dass Logo auf das Trikot gedruckt sind, sich farblich aber nicht abheben werden. Auch ein komplett schwarzes Trikot ist Ausdruck des Protests.

WM in Katar: Fifa warnt teilnehmende Teams

Die Fifa, die alle politischen Botschaften verbietet, hatte die an der WM teilnehmenden Mannschaften in der vergangenen Woche aufgefordert, sich "auf den Fußball zu konzentrieren" und den Sport nicht "in jede ideologische oder politische Schlacht" hineinzuziehen.

Der dänische Verband bestreitet, dass es sich bei dem Slogan "Menschenrechte für alle" um eine politische Botschaft handelt, wird sich aber nach eigenen Angaben an die Fifa-Entscheidung halten, um Geldstrafen und Sanktionen zu vermeiden.

Katar als WM-Gastgeber steht seit Jahren wegen seines Umgangs mit ausländischen Arbeitskräften, mit Frauen und Vertretern der LGBTQ-Gemeinschaft in der Kritik. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer. Homosexualität ist in dem Emirat strafbar. Erst Anfang der Woche hatte Katars WM-Botschafter Khalid Salman in einem Gespräch mit dem ZDF-Journalisten Jochen Breyer Homosexualität als "geistigen Schaden" bezeichnet. 

Hansi Flick sendet deutliche Botschaft

Die Fifa wird die Politisierung der WM auch kaum unterbinden können. "Es ist enorm wichtig, dass wir als DFB auf der einen Seite uns auf das Sportliche konzentrieren, aber auch klar ansprechen müssen, was die Menschenrechtssituation in Katar ist. Da müssen wir unsere Augen und Ohren offenhalten. Wir wollen uns nicht wegducken und ganz klar auf die Missstände aufmerksam machen", erklärte Bundestrainer Hansi Flick noch vor der Bekanntgabe des Kaders am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. 

Flick sagte, ohne die Salman-Aussagen konkret anzusprechen, jeder habe "die Dinge auch mitbekommen, was von Katar-Seite passiert ist, was uns sprachlos macht, fassungslos". Vor Ort habe der DFB "nochmal einen Hebel. Dafür steht der DFB, dafür steht die Mannschaft." Er betonte die Bedeutung der Chance, dass sich das Team auf den Fußball konzentrieren könne. Delegationsleiter - und vorrangig für gesellschaftspolitische Themen verantwortlich - wird in Katar DFB-Präsident Bernd Neuendorf sein.

sei AFP DPA

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