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WM-Auslosung: Des einen Freud, des andern Leid

Während Deutschland mit seinen Vorrundengegnern Costa Rica, Polen und Ekuador im Losglück schwelgt, hadern andere Nationen mit ihren zugeteilten Kontrahenten. Allen voran die Niederlande, die sich jetzt schon als Verlierer fühlen.

Genüsslich blickte Klinsmann auf das Tableau, auf dem der deutsche WM-Weg aufgezeichnet war: 9. Juni in München gegen Costa Rica, 14. Juni in Dortmund gegen Polen und am 20. Juni in Berlin gegen Ekuador. Da blieb dem Bundestrainer gar nichts anderes übrig als zu sagen: "Wir nehmen die Favoritenrolle an." Auch Franz Beckenbauer ließ keinen Zweifel aufkommen, dass es die DFB-Elf härter hätte treffen können. "Es gibt sicher schwierigere Gruppen als unsere", sagte Beckenbauer. Der WM-OK-Chef mahnte aber: "Eröffnungsspiele sind oft peinlich und mit einer bösen Überraschung für den Favoriten ausgegangen." Vor vier Jahren hatte Titelverteidiger Frankreich in Seoul gegen Senegal mit einem sensationellen 0:1 sein Vorrunden-Aus eingeleitet.

Die Bilanz spricht aber für Deutschland. Gegen den vermeintlich stärksten Gegner Polen hat die DFB-Auswahl in 14 Spielen bei zehn Siegen noch nie verloren. Keine einzige Partie bestritt der dreifache Weltmeister in seiner über 100-jährigen Geschichte gegen Costa Rica und Ekuador. Diese Gegner liegen aber auf den Positionen 21 (Costa Rica) und 37 (Ekuador) in der FIFA-Weltrangliste ebenso hinter den Deutschen (Rang 16) wie Polen (23). "Wir werden keine dieser Mannschaften in irgendeiner Form unterschätzen. Wir werden sie bis ins Detail studieren", kündigte der Bundestrainer an.

Lange Gesichter in den Niederlanden

Die deutschen Gegner waren ebenso glücklich mit den von Pele, Johan Cruyff, Matthäus und Roger Milla gezogenen Losen. "Das ist das wichtigste Spiel in unserer Geschichte. Wir sind glücklich, das erste Spiel der WM bestreiten zu können", sagte Costa Ricas Trainer Alexandre Guimaraes. Sein Kollege aus Ekuador, Luis Suarez, gab Freude strahlend Interviews: "Das ist für uns eine ganz große Herausforderung, gegen Deutschland zu spielen. Wir wollen zeigen, was wir gelernt haben." Polens Coach Pawel Janas, als Spieler WM-Dritter 1982, jubilierte ebenfalls: "Das ist eine Riesensache. Schade nur, dass wir nicht das Eröffnungsspiel machen." Und sein Kollege Luis Fernando Suarez aus Ecuadors befand: "Das letzte Spiel gegen Deutschland spielen zu können, ist eine große Herausforderung. Da können wir zeigen, was wir bei der WM gelernt haben. Wir hoffen auf einen guten Start, damit das letzte Spiel nicht mehr entscheidend ist."

Lange Gesichter machten andere: Den Niederlanden blieb ein auf beiden Seiten gefürchtetes Duell mit Nachbar und Erzrivale Deutschland erspart. Dafür wurden Argentinien, Serbien-Montenegro und die Elfenbeinküste zugelost, weshalb sich "Oranje" als großer Verlierer des Abends fühlte. "Das ist eine richtig harte Gruppe. Es ist überhaupt nicht sicher, dass wir weiter kommen", sagte Bondscoach Marco van Basten. Für Beckenbauer war aber keineswegs die Gruppe C der dickste Brocken, sondern die Gruppe E mit Italien, Ghana, den USA und Tschechien. "Die scheint mir sogar noch ein bisschen schwerer."

"Heidi führt uns in die Hölle"

Regelrecht schockiert zeigten sich die serbischen Medien von ihrer Einteilung in die Gruppe C: Das Zusammentreffen mit ihren Gegnern Holland, Argentinien und Elfenbeinküste interpretierten sie katastrophale Fügung, die Tageszeitung "Blic" schrieb gar: "Heidi Klum führt uns in die Hölle". Und auch die Schweizer hätten sich leichtere Kontrahenten in ihrer Gruppe G gewünscht. Sie müssen es nicht nur mit dem Weltmeister von 1998, Frankreich, aufnehmen, sondern auch gegen Südkorea, Vierte der vergangenen WM, und Togo antreten.

Insgesamt haben 8,14 Millionen deutsche Zuschauer am Freitagabend die Live-Übertragung der WM-Auslosung in Leipzig vor dem Fernseher verfolgt. Das entspricht nach Angaben der ARD einem Marktanteil von 25,8 Prozent.

DPA/pie / DPA

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