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WM-Qualifikation: Arschawin - Russlands extravaganter Prinz

"Shawa" nennen Russlands Fußball-Fans den kleinen Tempodribbler, der sich in der absoluten Weltklasse etabliert hat. Russland hat wieder einen Superstar und Andrej Arschawin ist es, den die deutsche Mannschaft am Samstag am meisten fürchtet. Aber der eigenwillige Star hat auch ganz besondere Facetten.

Von Nico Stankewitz

Russland hat seit langer Zeit mal wieder einen Star, nicht nur einen ausgezeichneten Fußballspieler, sondern eine schillernde Figur im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Der 28-Jährige Andrei Arschawin aus St. Petersburg bringt die Fans zum Träumen und trägt die Hoffnungen seiner Landsleute beim vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel im Moskauer Luschniki-Stadion. Der Offensivspieler von Arsenal London ist ein Star, wie es Günter Netzer in seiner schillernsten Zeit als Discothekenbesitzer und Ferrarifahrer einst war. Arschawin ist der Liebling der Londoner Medien: ein interessanter, extrovertierter Typ, der regelmäßig die Boulevardpresse beschäftigt.

Designer und Mathematiker

Geboren und aufgewachsen in St. Petersburg (damals Leningrad) entschied sich schon früh Arschawins Weg, als er mit sieben Jahren in die Nachwuchs-Akademie "Smena" von Zenit St. Petersburg aufgenommen wurde. Sofort zeigte sich sein außergewöhnliches Talent, gepaart mit einer starken mathematischen Begabung, die seine Bewunderer auch heute noch zu erkennen glauben, wenn er mit überraschender Präzision Bälle verteilt und Räume erkennt.

Arschawin, der Irrwisch im Strafraum, ist auch außerhalb des Platzes für andere kaum berechenbar. Obwohl schon Jungprofi, studierte er nebenbei Modedesign, fiel durch Thesenpapiere über die Produktion von Sportbekleidung auf, erklärte aber nachdem er das Diplom in der Tasche hatte, er habe nur studiert, weil das "eine gute Gelegenheit sei, um Mädchen kennen zu lernen." Bis heute hat er allerdings in Russland eine erfolgreiche eigene Modelinie, für die er selber Stücke entwirft.

Wechsel nach dem Durchbruch

Nach seinem großen internationalen Durchbruch während der Europameisterschaft 2008, als er in nur drei Spielen die gesamte Fußballwelt verzückte, stand die gesamte Creme de la Creme des europäischen Fußballs in der Warteschlange: Real Madrid, Barcelona und Manchester United. Zähe Ablöseverhandlungen begannen, am Ende wechselte Arschawin Anfang Februar 2009 zu Arsenal London, wo er sich schnell gut einfügte.

Nur drei Monate nach seinem Debüt führte er die "Gunners" bereits als Kapitän aufs Feld, sein größter Auftritt bisher war am 21. April, als er beim 4:4 von Arsenal an der Anfield Road in Liverpool alle vier Treffer markierte. Auch in London wird der Russe bereits von den Fans verehrt – und er ist durch Trainer Arsene Wenger vielleicht noch stärker, kompletter, torgefährlicher geworden.

Enfant Terrible und Familienmensch

So ausgeflippt und vielseitig er sich auf dem Fußballplatz gibt, so skandalfrei ist sein Familienleben, wo er seit Jahren mit seiner Freundin Yulia zusammen ist (er nennt sie "meine Frau"). Die beiden haben zwei kleine Kinder, Artem (3) und Yana (7 Monate). Der gleiche Mensch ist allerdings schon mehrfach mit Trainern aneinander geraten, insbesondere nächtliche Discobesuche vor wichtigen Spielen sorgten für viel Ärger bei seinem Heimatverein.

Immer wieder sorgt der gelernte Mittelfeldspieler, der in Nationalelf und Verein als hängende zweite Spitze seine Rolle gefunden hat, mit starken Sprüchen für Aufsehen, so würde er am liebsten Frauen das Autofahren und das Rauchen verbieten und äußerst sich gern und regelmäßig öffentlich zu den verschiedensten Themenbereichen. Dementsprechend auch der Titel seines (bisher nur in Russland veröffentlichten) Bestsellers: "555 Fragen und Antworten über Frauen, Geld, Politik und Fußball."

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