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WM-Qualifikation: Die bessere Wahl heißt Klose

In München sitzt er auf der Bank. Doch im Nationalteam ist Miroslav Klose unverzichtbar. Zwei Treffer sind ihm beim 4:0 gegen Aserbaidschan gelungen. Seine Klasse verdeutlicht auch die Defizite seines Klubkollegen Mario Gomez. Von Stefan Osterhaus, Hannover

Wann hat ihn zuletzt jemand in dieser Verfassung erlebt? So schlagfertig, so beredt, dass man es beinahe schon humorvoll nennen möchte. Berti Vogts, ehemaliger deutscher Nationalcoach, nunmehr Trainer der Nationalmannschaft Aserbaidschans, sinnierte über einen taktischen Zug, der das WM-Qualifikationsspiel in Hannover zum Desaster für seine Mannschaft werden ließ. "Ich hab vor dem Spiel gesagt: Schön, dass Jogi Löw den Miroslav Klose nicht spielen lässt. Aber dann hat er doch den Fehler gemacht, ihn einzuwechseln. Das zeigt, dass er keinen Respekt mehr vor mir hat."

Klose traf zwei Mal, in der 55. und der 66. Minute. 4:0 gewann Deutschland, ein Pflichtsieg auf dem Weg zur WM-Qualifikation. Im nächsten Monat wartet mit Russland ein anderes Kaliber auf die Deutschen. Als Klose nach der Halbzeit ins Spiel kam, stand es 0:1 aus Sicht des Außenseiters. Michael Ballack hatte in der 14. Minute einen Elfmeter mit gewohnter Eiseskälte verwandelt. Und bis dahin hatte sich Vogts Mannschaft recht wacker gewehrt. Dicht gestaffelt, ließ die Combo trotz Rückstandes wenige Möglichkeiten zu, die Organisation war durchaus respektabel, wenngleich nicht sonderlich schön anzusehen. Doch mit Kloses Einwechslung gewann das Angriffspiel der Deutschen deutlich an Bewegung, und der Elan des in München von Trainer Louis van Gaal bisher so beharrlich ignorierten Stürmers riss Podolski mit: Der Kölner traf in der 71. Minute zum 4:0.

"Dann lief die deutsche Kombinationsmaschine"

Ein Platzverweis in der 50. Minute begünstigte das klare Ergebnis, was Vogts auch lauthals beklagte. "Dann lief die deutsche Kombinationsmaschine. In Unterzahl hatten wir keine Chance." Doch er fand kaum Gehör. Bundestrainer Joachim Löw kam in seiner Analyse nicht mit einem Wort auf die 40-minütige Überzahl zu sprechen. Er sah andere Probleme: "Absolut unzufrieden" war er mit der ersten Halbzeit nach der Führung gewesen, kein ordentliches Zweikampfverhalten hätten seine Männer gezeigt.

Schon in der Halbzeit dürfte die Ansprache durchaus deftig gewesen sein, denn die Deutschen gingen deutlich engagierter zu Werke. Dazu konnte Philipp Lahm endlich wieder auf seiner angestammten Position als Linksverteidiger spielen, weil Andreas Beck den überforderten Wolfsburger Marcel Schäfer ersetzte und zeigte, was ein erstklassiger Außenverteidiger können muss.

Nibelungentreuer Trainer

Doch der Mann des Spiels war zweifellos Klose. Er wirkte nach dem Spiel selbstbewusst ("Ich weiss, was ich kann") und betonte, dass seine Fitness noch nicht für ganz große Auftritte ausreiche ("Bin noch nicht bei 100 Prozent"). Sein Auftritt dürfte ihn in der DFB-Hierarchie zumindest wieder auf eine Stufe mit seinem Münchner Klubkollegen Mario Gomez gehievt haben.

Gomez war in der ersten Hälfte nicht oft zu sehen und zeigte deutliche Defizite im Aufbauspiel: Wann immer es an ihm war, den Ball auf die Außenposition zu spielen, dauerte es eine Wimpernschlag zu lange. Und weil eine solche Tempoverschleppung erfolgreiche Angriffe gegen eine so massive Abwehr wie die der Vogts-Truppe unmöglich macht, erwies sich Klose als die bessere Wahl.

Löw, der nibelungentreu auch in schwärzesten Momenten zu seinem Angreifer steht, bekräftigte noch einmal den Stellenwert des 31-Jährigen: "Es war für mich nie eine Frage, ob ich einen Spieler wie Miroslav Klose nominiere oder nicht." Er sei überzeugt von den Fähigkeiten Kloses, mag der "auch mal drei Spiele nicht treffen".

Verfolgen Sie auf der nächsten Seite noch einmal den Spielverlauf im stern.de-Ticker.

90. Minute: Schlusspfiff. Deutschland siegt nach deutlicher Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit verdient mit 4:0 gegen Aserbaidschan. Jetzt kann Russland kommen!

86. Minute:

Einen Freistoß von Trochowski kann Aserbaidschans Torwart Agajew nur mit Mühe von der Linie kratzen. Knapp!

71. Minute

: Jetzt fallen die Tore im Minutentakt: Kopfballvorlage von Ballack im Strafraum und Lukas Podolski zieht aus kurzer Distanz mit Vollspann ab. 4:0 für Deutschland.

67.Minute:

Trochowski kommt für Schweinsteiger - sicher nicht das beste Spiel des Müncheners.

66. Minute:

Schon wieder Tor für Deutschland! Schon wieder Klose. Der Bayern-Stürmer, der bei seinem Verein derzeit nur auf der Bank sitzt, nimmt eine Hereingabe vom rechten Flügel direkt und verwandelt sicher. Die Flanke kam vom zweiten Einwechselspieler Beck.

55. Minute:

Tor!! Glückliches Händchen für Bundestrainer Jogi Löw: Bayern-Stürmer Miroslav Klose trifft nur wenige Minuten nach seiner Einwechselung - halbhoch ins rechte Eck aus acht Metern - keine Chance für Agajew.

51.Minute:

Gelb-Rote Karte für Mittelfeldspiel Abbasow nach einem Foul an Klose.

46. Minute:

Es geht wieder los. Bundestrainer Jogi Löw hat auf die pomadige Vorstellung seiner Elf reagiert: Andereas Beck ersetzt Marcel Schäfer auf der Außenverteidigerposition, Miroslav Klose kommt für Gomez ins Spiel. Am Spielsystem ändert sich nichts.

45. Minute:

Halbzeit in Hannover, ein gellendes Pfeifkonzert von den Rängen begleitet die Mannschaft in die Kabine - das war zu wenig!

41. Minute:

Erste Pfiffe gegen die deutsche Mannschaft, die in den letzten 20 Minuten nicht mehr viel zu Wege gebracht hat. Schlafwagenfußball!

38. Minute:

Auch der Eckball bringt nochmal Gefahr für das deutsche Tor - doch Adler hält im Nachfassen sicher. Zwei Chancen für Aserbaidschan innerhalb von zwei Minuten - das ist die Konsequenz daraus, dass Deutschland nach dem Tor das Tempo gedrosselt hat und die Führung nur noch verwaltet.

37. Minute:

Huch! Quasi aus dem Nichts zieht Tschertogasow aus gut 35 Metern ab - Adler kann den Ball gerade noch zur Ecke lenken.

Nach 20 Minuten führt Deutschland völlig verdient gegen Aserbaidschan. Das Team um Kapitän Michael Ballack ist der Elf von Trainer Berti Vogst in allen Belangen überlegen und hatte schon mehrere große Torchancen. René Adler dagegen musste nur zwei einfache Bälle halten, ist ansonsten nahezu beschäftigungslos.

14. Minute:

Tor für Deutschland! Michael Ballack verwandelt einen Elfmeter - ein strammer Schuss rechts unten ins Eck. Zuvor war Podolski nach einem schönen Kombination gefoult worden.

10. Minute:

Schweinsteiger zieht aus 20 Metern ab - der Ball streicht knapp über die Latte

7. Minute:

Nächste Chance für Deutschland: Özil setzt sich im Strafraum gegen vier Mann durch, bekommt beim Schuss aber nicht mehr genug Druck hinter den Ball. Kein Problem für Agajew.

5. Minute:

Erste große Chance des Spiels Lukas Podolski kommt am linken Strafraumeck an den Ball und zieht sofort ab - Agajew kann gerade noch zur Ecke klären.

1. Minute:

Es geht los, Schiedrichter Kakos aus Griechenland hat die Partie angepfiffen, Deutschland hat Anstoß. Alles andere als ein klarer Sieg von Jogi Löws Elf gegen den 139. der Weltrangliste wäre eine echte Enttäuschung.

Die Aufstellungen:

Deutschland:

: Adler - Lahm, Mertesacker, Westermann, Schäfer (46. Beck) - Ballack, Hitzlsperger, Schweinsteiger (67. Trochowski) - Podolski, Özil, Gomez (46. Klose)

Aserbaidschan:

Agajew - Schukurow, Junisoglu, Lewin, Allachwerdijew - Abbasow (Gelb-Rot), Sadygow, Mammadow - Nadirow (57. Pereira), Tschertogasow, Jawadow

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