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WM-Qualifikation: Russischer Bär will Deutschland erlegen

Bei der Euro 2008 mischte die russische Nationalmannschat mit ihrem Hurra-Stil ein ganzes Turnier auf. Erst im Halbfinale war für die "Sbornaja" Schluss. Aber das Selbstvertrauen der Truppe von Trainer-Fuchs Guus Hiddink ist enorm - auch wegen Superstar Andrej Arschawin. Jetzt soll die DFB-Auswahl dran glauben.

Wenige Fußballer haben Guus Hiddink so sicher Pech gebracht wie Oliver Bierhoff. Zwei Mal trat Hiddink gegen die deutsche Nationalmannschaft an, zwei Mal zog er den Kürzeren: als Trainer von Südkorea (2002) sowie den Niederlanden (1996) verlor der 61-Jährige jeweils.0:1. Als einziger Akteur stand Bierhoff beide Male im DFB-Team. Am kommenden Samstag (20.45 Uhr), wenn Hiddink diesmal mit Russland das dritte Mal gegen Deutschland spielt, wird auch Bierhoff wieder dabei sein, diesmal als DFB-Teammanager. Aus Dortmund will Hiddink trotzdem drei Punkte im Kampf um die WM-Qualifikation mitnehmen - und hätte nebenbei eine persönliche Rechnung beglichen.

Hiddinks niederländischer Landsmann und Kollege Dick Advocaat hält die russische Leistung bei der jüngsten EURO für keine Eintagsfliege. "Ein russischer Sieg ist möglich", warnt Advocaat, der im Mai mit Zenit St. Petersburg den UEFA-Cup gewann. "Wenn Russland so spielt wie bei der EURO gegen Holland, kann es für Deutschland gefährlich werden", meint er. Aber die DFB-Elf werde dagegenhalten. "Deutschland ist heute kein Team mit Superstars, aber eine gewachsene Mannschaft. Und mit einer solchen Einheit kann man große Erfolge erzielen." Nach der EURO-Niederlage gegen Kroatien habe jeder das Team kritisiert. "Unter diesem Druck zeigte sich jedoch die Qualität der Mannschaft und der Betreuer, und Deutschland wurde noch Vize-Europameister."

Gazprom will Arschawin halten

In St. Petersburg trainiert Advocaat den derzeit vielleicht besten russischen Spieler: Andrej Arschawin, der mit Roman Pawljutschenko (Tottenham Hotspurs) ein schwer auszurechnendes Sturmduo bildet. "Beide stellen sich in den Dienst der Mannschaft", erklärt Advocaat. "Fast immer, wenn Andrej den Ball erhält, wird eine Torchance daraus." Längst steht Arschawin auf der Wunschliste großer Clubs wie FC Barcelona oder Arsenal London. Doch der Eigentümer von Zenit, der Energieriese Gazprom, will den 27-Jährigen vorerst nicht verkaufen.

Auch am vergangenen Sonntag glänzte Arschawin in der "Premier Liga" beim 8:1 (4:0) gegen Wladiwostok mit einem Tor und zahlreichen Vorlagen. "Russland hat eine sehr starke Liga", meint Advocaat. Es gebe viele Talente, und durch das Engagement von Unternehmen wie Gazprom seien die Vereine wohlhabend. "Aber die meisten Stadien sind wie vor dem ersten Weltkrieg. Da müsste Hiddink ran. Der Verband müsste zu den Clubs sagen: Wer nicht in vier Jahren ein neues Stadion hat, steigt ab. So viele hungrige Talente und soviel Geld - das muss man doch nutzen", nannte der 61-Jährige das derzeit aus seiner Sicht größte Manko des russischen Fußballs.

Erfolg durch Taktikwechsel

Den jüngsten EURO-Erfolg, als die "Sbornaja" erst im Halbfinale an Spanien scheiterte, erklärt Advocaat auch mit einem Taktikwechsel. "Früher spielte Guus 5-3-2, das ist ein altes System. Seit Mai stellt er 4-3-3 auf, denn die Spieler und er haben gelernt." Bereits beim Testspiel Ende August gegen die Niederlande in Moskau (1:1) zeigte Russland, dass der EURO-Erfolg keine Ausnahme bleiben muss. Ein ums andere Mal spielten Arschawin und Co. die holländische Abwehr um Nigel de Jong schwindlig. Der Verteidiger vom Hamburger SV war danach trotzdem sicher: "Russland ist stark, aber in der Qualifikation wird sich Deutschland durchsetzen. Erstens, weil die Mannschaft gut ist, und zweitens, weil Deutschland es ja immer irgendwie schafft."

DPA/kbe

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