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Leichathletik-WM in Moskau: Farben des Regenbogens unerwünscht

Eine Frage der Farbe: Der Leichtathletik-Weltverband erklärt Fingernägel in Regenbogenfarben zum Regelverstoß. Stabhochspringerin Green Tregaro muss deshalb einfarbig weiterkämpfen.

Von Jannis Frech

Emma Green Tregaro sorgte bei der Leichtathletik-WM in Moskau bereits in der Qualifikationsrunde der Stabhochspringerinnen für Aufsehen. Der Sport stand dabei nicht im Mittelpunkt: Aus Protest gegen das umstrittene russische Anti-Homosexuellen-Gesetz hatte die Schwedin ihre Fingernägel in den Farben des Regenbogens lackiert. Sie war damit eine der wenigen, die sich während der Wettkämpfe in die Debatte einmischten. Und sie löste Reaktionen aus.

Etwa bei Russlands Stabhochsprung-Legende Jelena Issinbajewa, die Green Tregaros Aktion als "nicht respektvoll gegenüber unseren Menschen und Sportlern", verurteilte. Und betonte: "Ich unterstütze unsere Regierung. Wir hatten diese Probleme in der Geschichte nicht und wir wollen sie in der Zukunft nicht haben.“ Später ruderte Issinbajewa, die als Botschafterin des Olympischen Komitees eine besondere Vorbildfunktion haben soll, zurück. Es hätte ein sprachliches Missverständnis gegeben, hieß es in einer Mitteilung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Zuvor war die internationale Kritik an den Äußerungen der dreimaligen Weltmeisterin immer lauter geworden.

IOC warnt Wintersportler

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) fühlte sich mit Blick auf die anstehenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi gar genötigt, eine Warnung auszusprechen. Proteste oder Demonstrationen in Bezug auf das Gesetz gegen "Homosexuellen-Propaganda" werde das IOC nicht akzeptieren. Athleten könnten gegebenenfalls von den Spielen ausgeschlossen werden. Das sei keine Sanktion, sondern ein Mittel dazu, Athleten zu schützen, die sich sonst zu einer politischen Aussage gezwungen fühlen könnten, teilte IOC-Sprecherin Sandrine Tonge auf "Zeit.de" mit.

Was das IOC allerdings konkret unter Strafe stellen werde – vielleicht etwa Farbsymbolik aller Art, Händchenhalten oder Küsse von gleichgeschlechtlichen Paaren -, wollte Tonge nicht erläutern. Das Komitee beruft sich auf Paragraf 50 der Olympischen Charta. Der besagt, dass jede Demonstration "politischer, religiöser oder rassenbezogener Propaganda an den olympischen Stätten, Austragungsorten oder anderen Bereichen" untersagt ist. Wie schmal allerdings der Grat zwischen Patriotismus und Propaganda ist, zeigt nicht zuletzt der Fall Green Tregaro. In Nationalfarben lackierte Fingernägel waren etwa bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London ein überall sichtbarer Trend – und selbstverständlich kein Problem.

Rot statt Regenbogen

Auch beim Finale der Stabhochspringerinnen am Samstag waren Green Tregaros Nägel wieder lackiert: Doch diesmal zeigte sich die Schwedin mit einfarbigem Rot an den Fingern. Auch hier hatte sich der Leichtathletik-Weltverband eingemischt. Ihr Protest in der Qualifikation habe gegen die Regeln verstoßen, teilte der IAAF dem schwedischen Verband mit. Verbandsgeneralsekretär Albert Albertsson informierte daraufhin Green Tregaro. Eine Änderung der Nagellackfarben habe er aber nicht angeordnet, betonte Albertsson vor dem Wettkampf. Das sei ihre Sache.

Mit DPA

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