Franziska van Almsick Mission Gold gescheitert


Das tragische Ende einer großen Karriere: Franziska van Almsick gab alles, erreichte aber im 200m-Freistil-Finale nur den fünften Platz. Den nach vier Tagen immer noch medaillenlosen deutschen Schwimmern droht ein neuerliches Debakel.

Franziska van Almsick ist mit ihrer Mission Gold gescheitert und zur tragischen Figur geworden. Bei ihrem vierten Anlauf auf den Olympiasieg musste sich die 26 Jahre alte Berlinerin am Dienstagabend vor 11 000 Zuschauern im Aquatic Centre von Athen mit dem enttäuschenden fünften Rang begnügen.

Rücktrittsgedanken

"Gold war mein Ziel, das habe ich nicht geschafft und das werde ich auch nicht mehr schaffen", sagte die Schwimm-Weltrekordlerin. Sie wirkte wie paralysiert. Und dann dachte sie an Rücktritt. Ob man sie noch einmal wiedersehen werde, wurde sie gefragt: "Ich befürchte, nicht." Auf der Tribüne vergoss ihre Mutter bittere Tränen. "Endlich ist die Hatz zu Ende."

Auch die Männer- 4 x 200 m-Staffel schwimmt hinterher

Den nach vier Tagen immer noch medaillenlosen deutschen Schwimmern droht ein neuerliches Debakel. Auch die Männer-Staffel über 4 x 200 m mit Jens Schreiber, Heiko Hell, Lars Conrad und Christian Keller schwamm am Dienstag als Sechster in 7:16,51 Minuten nur hinterher. Olympiasieger wurden die USA mit Startschwimmer Michael Phelps (7:07,33) vor Australien (7:07,46) mit Ian Thorpe, der im packenden Schlussspurt den Amerikaner Klete Keller nicht mehr abfangen konnte.

Zuviel Druck

"Auf dem Startblock habe ich nur gedacht, hoffentlich ist die ganze Scheiße bald vorbei. Dann bist du nicht mehr der Mittelpunkt der Nation. Dann kann ich endlich wieder ich selbst sein», sagte Franziska van Almsick mit einigen Minuten Abstand. Sie war fix und fertig. «Ich bin an dem Erwartungsdruck gescheitert - wieder einmal."

"Eine ganz schlechte Vorstellung"

Franziska van Almsick fand einfach nicht zu ihrem Rennen. Von ihrem Weltrekord (1:56,64) war sie Welten entfernt. Nach 100 m hatte sie die Führung übernommen, doch nach 150 m war sie nur noch Fünfte. Und sie konnte sich nicht mehr nach vorne kämpfen. "Franzi" übte nach 1:58,88 Minuten Selbstkritik: "Über so eine Zeit lache ich sonst nur, das war eine ganz schlechte Vorstellung. Der Druck war zu groß." Olympiasiegerin wurde in 1:58,03 Minuten die Rumänin Camelia Potec.

"Da haben in Deutschland ganz viele Menschen mitgezittert", sagte Verbandspräsidentin Christa Thiel, "sie wollte Gold, alle hätten es ihr gegönnt. Schade, ich hätte es ihr gewünscht." Cheftrainer Ralf Beckmann sprach ebenfalls den extremen Erwartungsdruck an: "Das war eine größere Last, als sie selbst wollte."

Ende einer großen Karriere

Damit geht grosse Karriere tragisch zu Ende. Als 14-Jährige wurde Franziska van Almsick bei ihrem Silber-Rennen 1992 in Barcelona zum Publikumsliebling. Alle Welt mochte «Franzi», die hübsche Berliner Göre, die die Konkurrenz im Wasser aufmischte und nur um 1/10 Sekunde am Olympiasieg vorbeischrammte. In der spanischen Metropole setzte sich die Berlinerin ein Ziel: Olympia- Gold. Vier Jahre später in Atlanta ging Franzika van Almsick als Favoritin an den Start - und musste sich erneut mit Silber begnügen.

In Sydney 2000 Versuch Nummer drei: Wieder war die Berlinerin für die Fachwelt erste Anwärterin auf Gold. Franziska van Almsick konnte dem Druck nicht stand halten, schied im Halbfinale aus und weinte als Elfte bittere Tränen. Sie dachte ans Aufhören - aber sie hatte noch einen Job zu erledigen. Bei der Europameisterschaft in ihrer Heimatstadt Berlin meldete sie sich eindrucksvoll mit Weltrekord zurück. In 1:56,64 Minuten schickte Franziska van Almsick ihre acht Jahre alte Bestzeit in die Vergangenheit - und nahm die Mission Gold in Athen in Angriff.

Phelps zweites und drittes Gold

US-Boy Michael Phelps holte sich in 1:54,04 Minuten über 200 m Schmetterling sein zweites Einzel-Gold und die vierte Medaille im vierten Rennen. Er verfehlte seinen Weltrekord nur um 11/100 Sekunden. Russland Star Alexander Popow, Doppel-Olympiasieger 1992 und 1996, schied über 100 m Freistil als Neunter im Halbfinale aus.

Auch die anderen deutschen Schwimmer tauchen ab

Der 15 Jahre alte Ungar Daniel Gyurta schwamm in 2:10,75 Minuten Halbfinal-Bestzeit über 200 m Brust. Olympiasiegerin über 200 m Lagen der Frauen wurde die ukrainische Titelverteidigerin und Weltmeisterin Jana Klotschkowa. Es war ihr vierter Olympiasieg. Die 17 Jahre alte Erlangerin Teresa Rohmann wurde Fünfte.

Die deutsche Meisterin Annika Mehlhorn aus Baunatal, WM-Zweite von 2001, scheiterte über 200 m Schmetterling im Halbfinale als 14.. Das Finale verpasste auch der Berliner Torsten Spanneberg als 16. über 100 m Freistil.

Richard Janssen und Dietmar Fuchs, DPA DPA

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