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Schwimmen: "Jetzt wird Frust gefeiert"

Für die fünfache Weltmeisterin Hannah Stockbauer sind die Olympischen Spiele zum Waterloo geworden: Auch über 800m Meter war für sie nach dem Vorlauf Schluss.

"Es ist traurig, jetzt wird Frust gefeiert." Hannah Stockbauer versuchte sich nach ihrem Vorlauf-K.o. über 800 m Freistil in Galgenhumor. Die Tränen konnte sie aber doch nicht zurückhalten. Die als Karriere-Höhepunkt geplanten Olympischen Spiele sind für die fünffache Weltmeisterin zum Waterloo geworden. Nur einen Tag nach dem Gewinn der Bronzemedaille mit der Freistil-Staffel ging die 22-Jährige aus Erlangen am Donnerstag wie schon zum Auftakt über 400 m über die doppelte Distanz als Vierzehnte baden.

Teamleitung schickt sie zum Arzt

Die Mannschaftsleitung war geschockt und irritiert. "Da haben wir einen weiteren Brocken zu verdauen", sagte Cheftrainer Ralf Beckmann. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) bot Hannah Stockbauer und allen anderen Athleten, die in Athen einen starken Leistungsabfall zu verzeichnen hatten, einen medizinischen Check an. "Um auszuschließen, dass etwas in ihr ist, was keiner sieht und was sie nicht spürt", so Beckmann, "das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ich kann im Moment nur von meiner Empfindung her sagen, die sind alle gesund."

"Froh, dass es vorbei ist"

Hannah Stockbauer war "froh, dass es vorbei ist. Wie hat Franzi so schön gesagt: Ich bin froh, dass die Scheiße endlich vorbei ist". Sie war nur noch ratlos. "Ich habe im Moment keine Erklärung." Selbst Staffel-Bronze am Vorabend konnte ihr keine Flügel verleihen. "Ich habe mich die ganze Zeit früh immer so schlecht gefühlt und abends immer so gut."

Keine Wasserfühlung

Schon beim Einschwimmen hatte sie Probleme. "Das hat so weh getan." Im Rennen lief dann gar nichts mehr. Hannah Stockbauer schwamm nur noch hinterher, wurde in ihrem Lauf förmlich durchgereicht. 8:38,17 Minuten bedeuteten Platz 14. Noch schlimmer als Rang 12 über 400 m. Die 30 Jahre alte Jana Henke aus Potsdam zog als Fünfte in 8:31,06 Minuten in das Finale an diesem Freitag ein. "Ich hoffe, dass Jana wenigstens etwas reißen kann", sagte Hannah Stockbauer über die Olympia-Dritte von Barcelona.

Am Abend zuvor wirkte die Weltmeisterin noch richtig motiviert. "Ich denke, wir haben Großartiges geleistet", stellte sie als starke Schlussschwimmerin fest. Sie sollte sich die Seele frei schwimmen. Beckmann dachte an einen "Befreiungsschlag". Doch als Hannah Stockbauer am nächsten Morgen wieder allein im Wasser war, ging nichts mehr. Sie wirkte wie blockiert, von einer Zentnerlast gestoppt. Rund zwei Sekunden verlor sie pro 100 m. Kein Aufbäumen gegen die drohende Niederlage. Es ging nicht.

Richard Janssen und Dietmar Fuchs, DPA / DPA

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