Fechterin Duplitzer "Überregulierte Hochglanzfassade"

Direkte Attacken auf den Olympia-Gastgeber unterließ sie diesmal, deutliche Worte fand die China-kritische Fechterin Imke Duplitzer trotzdem: Die Spiele von Peking seien "optimal geschmacksneutral" und eine "überregulierte Hochglanzfassade".

Auf dem Podium saßen gleich vier deutsche Fechter mit Medaillenchancen - doch das allgemeine Interesse galt zunächst nur einer Person: Imke Duplitzer. Die meisten Fragen der in großer Zahl erschienenen Medienschar gingen an die 33 Jahre alte Mitfavoritin im Degenfechten, die seit März mit kritischen Aussagen zu der Menschenrechtspolitik Chinas, dem Internationalen Olympischen Komitee und ihrem angekündigten Boykott der Eröffnungsfeier für Aufsehen gesorgt hatte. Und die wortgewandte Bonnerin enttäuschte die Erwartungen nicht, ließ den vielen Fragen lange Antworten folgen. Die Olympischen Spiele von Peking bezeichnete Duplitzer als "optimal geschmacksneutral", eine "Hochglanzfassade", die "überreguliert" sei.

Fragen-Marathon abseits sportlicher Themen

Direkte Angriffe auf die Gastgeber oder deren Tibet-Politik aber unterließ die meinungsfreudige Politikstudentin. Neben ihr saß Weltmeisterin Britta Heidemann, als ausgewiesene Kennerin des Landes und Studentin der chinesischen Regionalwissenschaften ebenfalls seit Monaten im Fokus. Die Leverkusenerin hatte stets vor zu viel Kritik an China gewarnt und für mehr Verständnis geworben. Ihre Miene ließ erahnen, dass sie vom Fragen-Marathon abseits sportlicher Themen wenig begeistert war. "Ich möchte mich dazu jetzt gar nicht mehr positionieren", sagte sie kühl mit Verweis auf den am Mittwoch anstehenden Wettkampf. Ebenso defensiv agierte Florett-Weltmeister Peter Joppich: "Das ist Imkes und Brittas Sache. Ich werde das von mir fernhalten und konzentriere mich nur auf den Wettkampf."

Dass der dreimalige Einzel-Weltmeister und der WM-Dritte Benjamin Kleibrink ganz außen saßen, passte gut ins Bild. Sie waren nicht mehr als Staffage der Duplitzer-Show. Dabei könnte dieser Mittwoch der größte Tag des deutschen Fechtens seit dem Dreifach-Triumph der Florettdamen Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser bei den Spielen 1988 in Seoul werden. Auf Duplitzer, Heidemann, Joppich und Kleibrink ruhen die Hoffnungen des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), der das erste Olympia-Gold seit 1992 ebenso dringend gebrauchen könnte wie einen neuen Star. Bei allen Erfolgen fehlt dem Quartett dafür das Entscheidende: Olympisches Edelmetall, am besten aus Gold.

Dublitzer will möglichen Protest spontan entscheiden

Diese Medaille fehlt auch Duplitzer. 2004 verfehlte sie um einen Treffer das Halbfinale. In Peking hält sie sogar ein Finalgefecht gegen Heidemann für möglich. "Britta und ich sind richtig fit." Während Heidemann auch wegen ihrer Sprachkenntnisse mit großer Unterstützung des Publikums rechnen kann, dürfte Duplitzer von den Organisatoren aufmerksam-ängstlich beäugt werden. "Bei der Team-WM wurden wir noch nicht einmal richtig übersetzt", erinnert sie sich an die Olympia-Generalprobe in Peking im vergangenen April.

Eine Protestaktion nach einem möglichen Medaillengewinn hat sie nach eigener Aussage nicht im Visier. "Ich plane nichts. Das entscheide ich spontan. Solange die mich nicht provozieren, mache ich das auch nicht unnötig", sagte sie. Schließlich sei sie als Sportlerin nach Peking gereist, dass sie bereits am Freitag wieder verlässt: "Am 13. bin ich Athlet, das sollte man mir zugestehen."

Marc Zeilhofer/DPA DPA

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