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Basketball: Das Ende der "Nowitzki-Show"

Es wird eng für die deutschen Basketballer. Nach der Niederlage gegen Spanien geht es gegen die Chinesen bereits um Alles oder Nichts. Es wird nicht reichen, alle Hoffnungen auf einen Mann zu setzen. Ein Nowitzki allein ist nicht genug, um mit den Topteams mitzuhalten.

Von Jens Fischer, Peking

Die große Uhr unter dem Hallendach zeigte noch etwa zwei Minuten zu spielen an, als Dirk Nowitzki wohl endgültig die Lust verließ. Wieder einmal stieg er hoch zum Wurf, wieder einmal wurde er von heiß gelaufenen spanischen Verteidigern attackiert und rüde angegangen. Ein Schlag auf Nowitzkis Wurfhand, eigentlich ein klares Foul. Der Pfiff blieb aus. Kein Freiwurf, keine Punkte, der Ball landete nicht im Korb. Eine Szene, symptomatisch für die deutsche Niederlage der deutschen Nationalmannschaft im dritten olympischen Gruppenspiel gegen Spanien.

Das die Partie deutlich mit 59:72 verloren ging, war für Trainer Dirk Bauermann kein Beinbruch. Er zeigte sich direkt nach dem Spiel zufrieden mit der Leistung seines Teams. Aber Bauermann hatte ein Problem: den wenig netten Umgang der Spanier mit seinem Superstar Nowitzki, Und noch viel schlimmer: das doch sehr zögerliche Eingreifen des italienischen Referees.

Kein Foul gegen Nowitzki wurde gepfiffen

In der Tat: Was der Italiener über die 40 Minuten pfiff, war teilweise nicht zu verstehen. Von Beginn an wurde Nowitzki von Navarro, Reyes, Gasol & Co. heftigst attackiert. "Das ein Weltmeister wie Spanien bei den Schiedsrichtern einen Bonus hat, ist normal. Aber dass ein absoluter Weltstar wie Dirk kein Foul gegen sich gepfiffen bekommt, das kann ich nicht verstehen", erklärte Bauermann erzürnt.

Mit dieser Meinung kann man einverstanden sein. Aber der Grund für die zweite Pleite im dritten Vorrundenspiel war die Leistung der Schiedsrichter nicht. Das Problem der deutschen Basketballer liegt tiefer begraben. Zwar hatten sie wieder einmal bis zum Umfallen gekämpft, sich immer wieder gegenseitig angestachelt und gezeigt, wie wichtig ihnen allen das Unternehmen "Olympia 2008" ist. Aber nur Kampf und gegenseitige Unterstützung ist im internationalen Spitzen-Basketball zu wenig. Es reicht nicht, nur einen Mann auf dem Feld zu haben, der ein Spiel entscheiden kann. Ein Nowitzki ist nicht genug, es fehlen weitere Siegertypen.

Bauermann verteidigt Nowitzki

Das weiß auch Bauermann, deswegen nimmt er seinen Star auch in Schutz, wo es nur geht: "Dass Dirk nicht verzweifelt, dass er immer weiter macht, obwohl er permanent auf die Socken kriegt, ist beeindruckend", findet er. Das ist es. Aber das reicht leider nicht, um gegen Spanien zu gewinnen.

Ganz besonders, wenn der Mann, der ihn entlasten soll, wie gegen Spanien völlig neben sich steht. Chris Kaman - auf ihn hatte ganz Basketball-Deutschland gewartet. Er sollte Nowitzki helfen und eine neue Qualität ins deutsche Spiel bringen. Im ersten Spiel gegen Angola überzeugte er, aber der Afrikameister ist kein Maßstab gewesen. Bereits in der zweiten Partie gegen die starken Griechen spielte er schwach, ohne Bindung zu seinen Nebenleuten. Gegen Spanien war Kaman ein Totalausfall. Zwar gelangen ihm acht Punkte, aber in den entscheidenden Phasen verlor der eingebürgerte Amerikaner die Bälle und zu oft landete der Ball eben nicht im Korb. "Chris ist konditionell sicher noch nicht auf dem Level der anderen, deswegen wollte ich ihn am Ende bringen, wenn es eng wird", so Bauermann. Eng wurde es dann aber nicht mehr.

Endspiel gegen China

Nun haben die Deutschen ihr Finale um den Einzug ins Viertelfinale. Gegen Gastgeber China muss unbedingt gewonnen werden, soll das große Ziel noch erreicht werden. Und das wird schwer genug. "Die Chinesen werden hier von einer unglaublichen Leidenschaft getragen. Sie haben ein unglaubliches Feuer im Team und spielen mit riesiger Leidenschaft", wusste auch Bauermann um die Stärke des Gegners am kommenden Samstag.

Für diese Feststellung reicht ein Blick auf das Spiel der Chinesen gegen Spanien. Da gewannen die Spanier mit viel Mühe erst in der Verlängerung. Daran ist zu erkennen, wie schwer die Aufgabe der Deutschen werden wird. Der Gastgeber hat ein eingespieltes Team, das sich vier Jahre auf dieses Event vorbereitet hat. Wie eine Vereinsmannschaft wurde das Team zusammengezogen und eingeschworen. Das merkte man gegen Spanien – keine leichte Aufgabe für Nowitzki & Co. Und das "Dirkules" von den Asiaten in diesem entscheidenden Spiel pfleglicher behandelt werden wird – davon ist nicht auszugehen.

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