Vielseitigkeitsreiten Deutsches Doppel-Gold in Sicht


Deutsche Reiterspiele in Hongkong: Mit Hinrich Romeike und Ingrid Klimke liegen gleich zwei Vielseitigkeitsreiter aus Deutschland auf Gold-Kurs. Auch die Mannschaft hat nach einer grandiosen Aufholjagd beste Chancen auf einen Olympia-Sieg.

Am Montagmittag stießen die deutschen Vielseitigkeitsreiter mit Bier auf ihre erfolgreiche Aufholjagd in der Geländeprüfung an. Zwar hat die deutsche Equipe noch nichts gewonnen, aber nach einer Gala-Vorstellung im Gelände reitet sie bei den Olympischen Spielen auf Gold-Kurs. "Das war der zweite Schritt. Die Tür ist halb zu. Nun hauen wir die Nägel drauf", sagte Bundestrainer Hans Melzer nach den überragenden Leistungen seiner Vielseitigkeitsreiter. Angeführt von Hinrich Romeike und Ingrid Klimke hatte das Quintett die Australier überholt und liegt nun vor dem Springen am Dienstag auf dem ersten Platz. Nach Dressur und Geländeritt führt Romeike auch im Einzel-Wettbewerb vor Klimke. Der deutsche Delegationschef Reinhard Wendt freute sich über einen "perfekten Tag".

Etwas vorsichtiger war Ingrid Klimke mit ihren Prognosen. "Ich traue mich noch gar nicht, an Gold zu denken", sagte die Tochter des sechsmaligen Dressur-Olympiasiegers Reiner Klimke: "Doch wir sind beflügelt. Jetzt ist alles möglich." Romeike, der auf dem Golfplatz des Beas River Country Clubs nördlich vom Reiterstadion Sha Tin den wohl besten Geländeritt seiner Karriere ablieferte, wies mit typischem Humor auf die Möglichkeiten hin: "Es gibt tolle, ganz tolle und super-tolle Medaillen."

Wiedergutmachung für den Schock von Athen

Als Ingrid Klimke über den Zielstrich ritt, war auch Romeike nicht mehr zu halten. Der 45 Jahre alte Zahnarzt riss die Arme nach oben und lief seiner Teamkollegin freudig entgegen. Nach Dressur und Gelände liegt die deutsche Mannschaft vor dem entscheidenden Springen am Dienstag mit 158,10 Minuspunkten vor Australien (162,00) und Großbritannien (173,70) in Führung. Im Einzel führt Romeike (50,20) mit Marius vor Klimke (50,70) mit Abraxxas - die Aussichten auf Doppel-Gold sind blendend.

Am Dienstag könnte nun die Wiedergutmachung für die Enttäuschung von Olympia 2004 gelingen. In Athen hatte die Mannschaft Gold schon sicher, doch durch einen Formfehler von Reiterin Bettina Hoy wurde das Edelmetall am grünen Tisch wieder aberkannt.

"Wir werden auf Gold reiten"

Bundestrainer Melzer betonte aber auch, dass der aktuelle Vorsprung nur gering sei und nicht mal einen Springfehler ausmachen würde. "Das wird spannend", sagte Romeike, der seinen Hannoveraner Marius nicht vergessen wollte: "Jetzt bekommt er wie jeden Tag Wurzeln und Hafer, dazu wie fast jeden Tag Rübenschnitzel und vielleicht noch ein Stück Zucker. Das gibt es nur zweimal im Jahr."

Andreas Dibowski gab die Marschroute vor: "Wir werden auf Gold reiten." Der Profireiter aus Egestorf belegte mit Leon (57,20) den achten Rang: "Ich hatte die Order, auf Risiko zu gehen. Leider konnte ich durch den engen Streckenbau wenig Zeit gutmachen." Frank Ostholt (Warendorf/57,20) belegte mit Mr. Medicott Rang zwölf. Peter Thomsen (Lindewitt/98,90) erlaubte sich mit The Ghost of Hamish eine Verweigerung und kam auf Platz 44.

Spektakuläre Stürze

Wegen des extremen Klimas hatten Tierschützer im Vorfeld die schlimmsten Befürchtungen geäußert. Es gab zwar einige spektakuläre Stürze, die blieben glücklicherweise ohne große Folgen. Das Wetter war bei 25 Grad Celsius und Regen am Ende angenehm. Die Kürzung der Strecke von zunächst 5700 auf 4560 Meter erwies sich als richtig. "Ich bin glücklich, dass nichts passiert ist und drücke Deutschland die Daumen", sagte Prinzessin Haya Bint Al Hussein, Präsidentin des Weltreiter-Verbandes (FEI).

SID SID

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